Die St. Galler Staatsanwaltschaft wirft dem Blick vor, die Öffentlichkeit im Fall der vermissten Ylenia aus Appenzell bewusst falsch zu informieren. Eine Blick-Meldung vom Freitag, die Polizei fahnde nach einem zweiten Mann, sei falsch. Das teilte Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen, am Freitag mit. Die Berichterstattung im Blick sei aus zwei Gründen bedenklich: Es würden unnötig Polizeikräfte für Abklärungen gebunden und bei den Angehörigen der vermissten Ylenia Hoffnungen geweckt, die keine reale Basis hätten.
Rolf Cavalli, Blick-Chefredaktor ad interim, weist Thomas Hansjakobs Vorwurf der bewussten Falschinformation im Fall Ylenia "vehement" zurück. Für Cavalli ist die Aussage des Staatsanwalts eine "blosse Unterstellung", wie er auf Anfrage der SDA sagte. Im von Hansjakob kritisiertem Artikel könne allenfalls über den Begriff "Fahndung" diskutiert werden. Doch das sei "spitzfindig", so der Blick-Chefredaktor. Der Bericht entspreche den Tatsachen.
Der Blick-Artikel stützt sich auch auf Aussagen einer Frau, die das fünfeinhalbjährige Mädchen am 31. Juli zusammen mit drei Männern bei Oberbüren in einem Kastenwagen gesehen haben will. Die Hinweise dieser Zeugin wurden auch von der Polizei genau überprüft. Ihre Aussagen seien aber nicht in Einklang zu bringen mit anderen objektiven Ermittlungsergebnissen, so Hansjakob. Derzeit gebe es keinen konkreten Hinweis auf mögliche Dritttäter. Es könne keine Rede davon sein, dass nach einem zweiten Mann gefahndet werde, teilte die St. Galler Staatsanwaltschaft mit. Von Ylenia fehlt seit dem 31. Juli jede Spur. (sda)

