Venezuelas Staatschef Hugo Chávez ist seinem Ziel, die Medien unter seine Kontrolle zu bringen, ein Stück nähergerückt. Der älteste TV-Sender des Landes, RCTV, musste an Pfingsten nach 53 Jahren seinen Betrieb einstellen. Chávez hatte die Lizenz des regierungskritischen Senders nicht verlängert. Nach der von den Mitarbeitern gesungenen Nationalhymne wurden um Mitternacht am Montag die Bildschirme schwarz.
In den Studios von RCTV werden künftig die Sendungen eines neuen staatlichen "sozialistischen Senders" (TVes) produziert. Um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen, hatte das Oberste Gericht zuvor entschieden, dass RCTV seine Ausrüstung in der Anfangszeit dem neuen Sender zur Verfügung stellen muss.
Vergebliche Proteste
Tausende Demonstranten protestierten in Caracas vergeblich gegen die Schliessung des Senders. Die Polizei löste die Kundgebung mit Wasserwerfern und Tränengas auf.
Seit Tagen demonstrierten die Gegner einer Schliessung vor dem Sitz der venezolanischen Telekom oder den Studios des Senders. Die Zeitung "El Nacional" sprach vom "Ende des Pluralismus" in Venezuela. Sie warnte vor einem zunehmenden Informationsmonopol der Regierung. RCTV-Chef Marcel Granier kündigte an, den "Kampf für Pressefreiheit und Demokratie" mit friedlichen Mitteln fortzusetzen.
Vor den Studios feierten unterdessen Anhänger des linksgerichteten Staatschefs mit einer riesigen Party bis zur Morgendämmerung das Ende des Chávez-kritischen Senders und den Beginn eines neuen sozialistischen Fernsehens.
Sender putschistische Aktivitäten vorgeworfen
Dank seiner Telenovelas und verschiedener Shows hatte der Sender die höchste Zuschauerzahl in Venezuela. Seit 2002 stand er in bitterer Opposition zu Chávez. Dieser kündigte sofort nach seiner Wiederwahl im vergangenen Dezember an, dass er die Lizenz von RCTV nach ihrem Ablauf nicht mehr verlängern werde.
Er warf dem Sender "putschistische Aktivitäten" vor. Der Sender hatte 2002 einen gescheiterten Putsch gegen den linken Präsidenten Chávez offen unterstützt. Vor allem RCTV, aber auch andere private Sender hätten zu seinem Sturz am 11. April 2002 beigetragen. Chávez kehrte damals nach knapp 48 Stunden an die Macht zurück.

