14.09.2026

SRF

Stellenabbau trifft Information am stärksten

Bei SRF trifft der Stellenabbau die Information am härtesten: 15 der insgesamt 38 Vollzeitstellen, die im Rahmen des Sparprogramms Enavant bis 2027 wegfallen, entfallen auf diese Abteilung. Insgesamt spart SRF 9,7 Millionen Franken ein – Grund ist die vom Bundesrat beschlossene Kürzung der Medienabgabe.
SRF: Stellenabbau trifft Information am stärksten
Umbau bei Schweizer Radio und Fernsehen: Im Rahmen des SRG-weiten Transformationsprojektes Enavant spart SRF bis 2027 9,7 Millionen Franken ein und baut 38 Vollzeitstellen ab. (Bild: Keystone/Michael Buholzer)

Wie SRF-Direktor Roger Elsener und die Abteilungsleiter den Mitarbeitenden an der Informationsveranstaltung vom Montag darlegten, verteilt sich die Last unterschiedlich stark auf die Abteilungen. Der Schritt ist Teil eines grösseren Sparkurses: Die SRG muss bis 2029 rund 270 Millionen Franken einsparen, davon 80 Millionen bereits bis 2027.

Von den 9,7 Millionen Franken fallen 7,9 Millionen direkt bei SRF an, weitere 1,8 Millionen bei den seit April 2026 SRG-weit organisierten Produktionsleistungen. Rund die Hälfte der 38 Vollzeitstellen lässt sich laut SRF über die natürliche Fluktuation auffangen, sonst kommt es zu Kündigungen oder Frühpensionierungen; für die Betroffenen gilt der Sozialplan der SRG. Elsener lässt sich in der Mitteilung zitieren: «Dass wir uns von geschätzten Kolleginnen und Kollegen trennen müssen, fällt uns schwer – ist aber aufgrund der Sparvorgaben leider unumgänglich.»

Unterhaltung trifft es am wenigsten

Eine Aufteilung nach Abteilungen nennt die schriftliche Mitteilung nicht; sie wurde den Mitarbeitenden an der Veranstaltung dargelegt: Auf die Information entfallen 2,4 Millionen Franken und 15 Vollzeitstellen, auf Kultur, Gesellschaft & Wissen 3,5 Millionen und 11 Stellen, auf die regionale Distribution 2,7 Millionen und 10 Stellen, auf die Unterhaltung 1,1 Millionen und 2 Stellen. Der Stellenabbau bei den Produktionsleistungen ist in den 38 Stellen nicht enthalten.

Die Sparmassnahmen zeigen sich auch im Programm. Am Mittwochabend fällt der lineare Sendeplatz von «Reporter» weg – die Marke soll multimedial weiterentwickelt werden. An ihre Stelle rückt zur Primetime um 21 Uhr der «Kulturplatz», auf dem bisherigen Slot um 22.25 Uhr laufen künftig Reportageformate wie «Rec.» und «SRF Impact». Der «Dok»-Sendeplatz am Donnerstag um 20.10 Uhr wird ergänzt, unter anderem mit «Mona mittendrin», «Donat auf Achse» sowie «Dok»-Produktionen von RSI und RTS.

Engere Zusammenarbeit mit anderen Sprachregionen

Mit der Zusammenlegung der Chefredaktionen zu einer multimedialen Informationsabteilung will SRF Synergien heben. Bei tagesaktuellen News-Sendungen sowie bei «Kassensturz» und «Rundschau» ist eine engere Zusammenarbeit mit den anderen Sprachregionen vorgesehen, im Newsroom laut den Abteilungsleitern eine «Reduktion der Ressourcen in den Fachredaktionen Audio und Video». Weiter sinken sollen die Herstellungskosten bei «SRF Impact», SRF Investigativ und «Espresso» sowie bei mehreren Kultur- und Unterhaltungsformaten – darunter «SRF bi de Lüt», «Late Night Switzerland», «Einstein», «Puls» und der «Literaturclub». Im Newsroom sollen zudem vermehrt KI-gestützte Inhalte eingesetzt werden.

Die Massnahmen dienten nicht allein der Kostensenkung, hält Elsener in der Mitteilung fest: «Mit den beschlossenen Massnahmen entwickeln wir uns gleichzeitig weiter in Richtung modernes, digitales Medienhaus, das die ganze Deutschschweiz erreicht.» Angebote würden stärker auf Streaming und die neue Plattform Play+ ausgerichtet, um vermehrt ein jüngeres Publikum zu erreichen.

Im Radio konzentriert SRF die Erstausstrahlung wöchentlicher Formate auf die 40 publikumsstärksten Wochen des Jahres; betroffen sind etwa «International», die «Samstagsrundschau» und «Spasspartout». Die Kultursender Radio SRF 2 Kultur, RTS Espace 2 und Rete Due sollen mittelfristig enger zusammenarbeiten. Der Standort Basel bleibt laut Mitteilung unberührt. Bei SRF Virus werden die Mittel fürs Radio reduziert; in den Archiven sollen KI-Tools künftig etwa zur Generierung von Metadaten eingesetzt werden.

Operationen tragen die grösste Last

Innerhalb der SRG trägt SRF für 2027 nur einen Teil der Last: Von den Vorgaben entfallen 30,7 Millionen Franken auf den Bereich Operationen, 7,9 Millionen auf SRF, 7,4 Millionen auf den Bereich Angebot, 6,8 Millionen auf die Finanzen und 5,9 Millionen auf RTS. In der Gesamtübersicht über alle Regionaleinheiten und Bereiche ergibt sich ein Total von 63,9 Millionen Franken – wobei bei Operationen 1,4 Millionen noch in Prüfung stehen. Die SRG selbst nennt für 2027 rund 80 Millionen; wie sich die Differenz zusammensetzt, ging aus den vorgelegten Zahlen nicht hervor.

Der SRG-Bereich «Angebot», zuständig unter anderem für die national gesteuerten Genres Sport und Fiktion sowie für Swissinfo und Play+, spart 7,4 Millionen Franken und baut zwölf Vollzeitstellen ab. Davon entfallen 3,2 Millionen auf die Fiktion und 4,2 Millionen auf den Sport. Bei der Fiktion wird ein Drittel über den Abbau von sieben Stellen erzielt, wobei laut Abteilungsleitern auch Kündigungen dazugehören. Beim Sport steuern fünf Stellen ein Fünftel bei, hier seien «vorerst keine Kündigungen» vorgesehen. Dazu zählt der bereits im Juni kommunizierte Verzicht auf die Live-Übertragung der Uefa Champions League ab der Saison 2027/2028. (pd/nil)


Lesen Sie dazu auch das Interview von SRF-Direktor Roger Elsener.


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KOMMENTARE

Sven Widmer
15.09.2026 12:48 Uhr
Für Herrn Eberhard. Es gibt KEINEN Kernauftrag. Es gibt einen Auftrag. Dort ist das wie/wo/was/ etc. festgehalten. Informieren sie sich zuerst.
Peter Eberhard
15.09.2026 09:43 Uhr
Der geringste Stellenabbau findet also offenbar im Bereich Unterhaltung statt. He ja, ist ja schliesslich auch der Kernauftrag der SRG. Und die beiden Moderatorinnen des "Literaturclubs" können doch problems durch 2 Roboter ersetzt werden. Ende Ironie.
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