30.08.2023

Harald-Schmidt-Gate

Strafanzeige gegen Maassen nach Weltwoche-Partybild

Dass sich Harald Schmidt nach einer Einladung von Roger Köppel mit dem früheren deutschen Verfassungsschutzpräsidenten ablichten lässt, sorgt für Kritik. Hans-Georg Maassen reagiert darauf mit einem Nazi-Vergleich – und kassiert eine Strafanzeige vom Leiter der Gedenkstätte KZ Buchenwald.
Harald-Schmidt-Gate: Strafanzeige gegen Maassen nach Weltwoche-Partybild
Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte KZ Buchenwald, will den Nazi-Vergleich von Hans-Georg Massen nicht so stehen lassen und zeigte den früheren Verfassungsschutzpräsidenten an. (Bild: Keystone/DPA/Martin Schutt)

Es ist ein Partybild, wie es sie zu tausenden gibt: Da posieren drei ältere Herren vor der Kamera, verkniffen bis verhalten lächelnd, einer ist etwas prominenter im Bild, weil er das Handy für das Selfie halten muss.

Eine solche Aufnahme gibt es auch von der Weltwoche-Sommerparty. Darauf zu sehen sind Hans-Georg Maassen, früherer deutscher Verfassungsschutzpräsident, der Journalist Matthias Matussek (Ex-Spiegel, Ex-Welt, jetzt u.a. Weltwoche), der das Bild geschossen hatte und veröffentlichte, sowie zwischen den beiden: Harald Schmidt.

Zahlreiche Medien kritisieren Schmidt

Den Entertainer und langjährigen Late-Night-Talker des deutschen Fernsehens hatten manche offenbar nicht bei der Weltwoche und auch sonst nicht in dezidiert rechter Gesellschaft erwartet. So fragte etwa der Berliner Tagesspiegel: «Ist Harald Schmidt scharf nach rechts abgebogen?» Der Fernsehmoderator Klaas Heufer-Umlauf kritisierte in einem Podcast, dass Schmidt überhaupt das Fest der Weltwoche besuche. Chefredaktor Roger Köppel sei für seine Putin-nahe und prorussische Haltung im Ukraine-Konflikt bekannt, wird Heufer-Umlaufs Aussage in zahlreichen Medien zitiert. Unter anderem auch von focus.de.

Auf diesen Bericht reagierte Hans-Georg Maassen mit einem Post auf X (vormals Tweet auf Twitter), wo er mit einem Nazi-Vergleich auf die Kritik an Schmidts Besuch bei der Weltwoche reagiert. Maassen stört sich insbesondere am Vorwurf einer Kontaktschuld. Auf X schrieb er deshalb: «In den 1930er-Jahren hiess es: ‹Kauft nicht bei Maassen›. Geschichte wiederholt sich.» Und in Richtung der Kritiker von Schmidts Auftritt mit Maassen und Matussek bei der Weltwoche: «Die Nazis von heute sind im Unterschied zu ihren Vorfahren so verblödet, dass sie nicht einmal merken, dass sie Nazis sind.»

Wie die Südthüringer Zeitung am Mittwoch berichtete (Paywall), will Jens-Christian Wagner, Leiter der Gedenkstätte KZ Buchenwald (Bild oben) diesen Nazi-Vergleich nicht stehen lassen. Er hat deshalb Strafanzeige gegen Maassen eingereicht, wie er auf Anfrage von persoenlich.com bestätigt. «Mit dem Post setzt Maassen die Verfolgung von Juden im Nationalsozialismus mit seiner angeblichen aktuellen Verfolgung gleich», formulierte Wagner in seiner Anzeige. Mit seinem Post relativiere und verharmlose Hans-Georg Maassen die Verfolgung der Juden im Nationalsozialismus, die im Massenmord endete, so der Historiker weiter. Mutmasslich liege eine Straftat nach Paragraf 130 Absatz 3 des deutschen Strafgesetzbuches vor, dabei handelt es sich um den sogenannten Volksverhetzungsparagrafen.

«Er fährt zum Jahresfest des Völkischen Beobachters.»

Als ob der Nazi-Vergleich von rechts nicht reichte, machte auch Jan Böhmermann eine Anspielung aufs Dritte Reich. Wie Heufer-Umlauf arbeitete auch Böhmermann in jüngeren Jahren für Harald Schmidt. Der ZDF-Entertainer kommentierte Schmidts Auftritt bei der Weltwoche in seinem Podcast so: «Da ihm [Harald Schmidt] der Existenzdruck fehlt, fährt er einfach Mal zur Weltwoche nach Zürich oder – keine Ahnung – mit dem Rotkreuz-Dampfschiff nach Paraguay zum Jahresfest des Völkischen Beobachters.» Ob er auch diese Aussage als Nazi-Vergleich zur Anzeige bringen werde, liess Jens-Christian Wagner unbeantwortet.

Inzwischen hat sich Harald Schmidt zu seinem Besuch der Weltwoche-Sommerparty geäussert. In einem Interview mit der «Zeit» nimmt er dazu ausführlich Stellung. Er gehe nun mal dorthin, wo er Material für seine Bühnenprogramme erwarte. Quasi auf Recherche sei er bei Köppel & Co. gewesen. Und die Entstehung des viel diskutierten Fotos beschreibt Schmidt so: «Ich gehe einfach hin zu so einem Fest. Dann sehe ich Matussek. Ach, hallo, Mensch! Ich habe ihn mal vor Jahren in New York auf der Strasse getroffen. Seither habe ich ihn ein- oder zweimal gesehen. Und dann kommt Dr. Maassen, trotz Hitze korrekt angezogen, und es heisst: Dürfen wir schnell ein Foto machen?»


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