Vor 20 Jahren wurde die deutsche Rechtschreibreform angeschoben, vor 6 Jahren trat sie in Kraft, und bis 31. Juli 2005 ist noch die alte Rechtschreibung möglich. Der Widerstand gegen die neuen Regeln ist indes nie erloschen. Hier die wichtigsten Etappen der Reform:
1984 -- Die Kultusminister der deutschen Bundesländer beauftragen einen internationalen Arbeitskreis aus Fachleuten mit der Erarbeitung von Vorschlägen zur Reform der deutschen Rechtschreibung.
5. Dez. 1986 -- Eine Konferenz von Sprachwissenschaftern aus allen deutschsprachigen Ländern beschliesst in Wien, die 1901 festgelegten deutschen Rechtschreibregeln den modernen Erfordernissen anzupassen.
23. Nov. 1994 -- Delegationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beschliessen eine sanfte Reform. Radikale Vorschläge wie konsequente Kleinschreibung werden verworfen.
1. Juli 1996 -- Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein und die Länder mit deutschsprachigen Minderheiten unterzeichnen in Wien eine Erklärung zur Rechtschreibreform. Darin versichern sie, sich für die Umsetzung des Regelwerkes einzusetzen.
6. Okt. 1996 -- Auf der Frankfurter Buchmesse unterzeichnen 100 Schriftsteller und Wissenschaftler die "Frankfurter Erklärung" für einen Stopp der Reform.
1. Aug. 1998 -- Nachdem die Verfassungsgerichte Deutschlands und Österreichs Beschwerden gegen die Reform zurückgeweisen haben, tritt in den deutschsprachigen Ländern die Rechtschreibreform offiziell in Kraft. Bis Ende Juli 2005 sind die bisherigen Regeln aber noch neben den neuen erlaubt.
31. Juli 1999 -- Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland setzen die Reform um -- allerdings mit einigen Besonderheiten. Die meisten Zeitungen in diesen Ländern folgen.
17. Sept. 1999 -- Als letztes deutsches Bundesland führt auch Schleswig-Holstein die neuen Rechtschreibregeln ein. Der Landtag in Kiel erklärt das Ergebnis eines Volksentscheids vom September 1998 für hinfällig.
Mai 2000 -- Die Neue Zürcher Zeitung führt die Reform mit einer hauseigenen Orthografie ein.
1. Aug. 2000 -- Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kehrt zur alten Rechtschreibung zurück. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung appelliert an Zeitungen, Verlage, Betriebe und staatliche Stellen, das selbe zu tun.
1. März 2002 -- Die neue deutsche Rechtschreibung ist nach den Worten des Vorsitzenden der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung, Gerhard Augst, weitgehend im Alltag angekommen.
Jan. 2004 -- Die zwischenstaatliche Kommission schlägt kleinere Änderungen an der Reform vor, die vor allem die Getrennt- und Zusammenschreibung betreffen. Es werden mehrere Schreibvarianten zugelassen. Die deutschen Kultusminister stimmen anfang Juni zu.
27. April 2004 -- In der Schweiz kehrt das Kulturjournal Schweizer Monatshefte zur alten Rechtschreibung zurück.

