Das Bundesamt für Kommunikation hat am 31. August die Analyse der Radioprogramme der SRG SSR für das Jahr 2025 veröffentlicht. Verfasst hat die aktuelle Analyse die Zürcher Forschungsfirma Publicom. Nach der Deutschschweiz 2023 und der Romandie 2024 waren 2025 wieder die SRG-Radioprogramme von Tessin und Graubünden an der Reihe. Als Grundlage dienten sieben zufällig über das Jahr verteilte Stichtage, insgesamt 532 Stunden Programm sowie 770 Musiktitel eines einzelnen Tages.
Der Informationsanteil der drei italienischsprachigen RSI-Sender ist gegenüber der letzten Erhebung von 2022 spürbar gestiegen: Rete Due wendet 46 Prozent seiner Sendezeit für Information auf (plus 5 Prozentpunkte), Rete Uno 41 Prozent (plus 3), Rete Tre 14 Prozent (plus 5). Bei Rete Tre ist das eine Trendumkehr – der Sender hatte seinen Informationsanteil zwischen 2009 und 2022 halbiert. Radio RTR, das rätoromanische Radioprogramm der SRG, bewegt sich mit 17 Prozent kaum von der Stelle (plus 1 Punkt).
«Kaum einmal eine zweite, kontroverse Meinung»
Bei der Meinungsvielfalt liegen die vier Programme weit auseinander. Publicom misst hierfür den Anteil der Beiträge mit mindestens einer Meinungsäusserung, in denen zusätzlich eine zweite, gegenläufige Meinung vorkommt. Radio RTR erreicht 20 Prozent, Rete Uno 18, Rete Due 13. Rete Tre kommt auf weniger als 1 Prozent; im dritten RSI-Programm werde «kaum einmal eine zweite, kontroverse Meinung» dargestellt, hält der Bericht fest. Ein Vergleich mit früheren Jahren ist nur eingeschränkt möglich: Das Bakom hat den Indikator für 2025 neu definiert. 2022 wurde noch der jeweils höhere Wert aus «andere Perspektive» oder «andere Meinung» ausgewiesen, was zu deutlich höheren Prozentwerten führte. Publicom hält im aktuellen Bericht denn auch fest, dass drei der vier Sender im Dreijahresvergleich tendenziell mehr andere Meinungen wiedergäben – nur Rete Tre bleibe auf dem tiefen Niveau der Vorstudie. Gemessen wird zudem nur innerhalb einzelner Beiträge; ob ein Sender konträre Positionen über eine ganze Sendung verteilt, bleibt offen.
Zurückhaltend bleiben die Sender beim konzessionsrechtlichen Auftrag, über die jeweils anderen Sprachregionen zu berichten. Rete Due kommt hier auf 12 Prozent der Informationsbeiträge mit Ortsangabe, Rete Uno auf 8, Rete Tre auf 5 und Radio RTR auf 4 Prozent. Bei Rete Tre entspricht das einem Einbruch um 12 Prozentpunkte seit 2022.
Die Quellentransparenz stieg seit 2022 um über zehn Prozentpunkte auf 96 Prozent. Publicom führt das auf mehr Live-Formate zurück, räumt aber ein, dass auch der Wechsel des beauftragten Instituts eine Rolle spielen könne. Zwischen 2020 und 2024 lag der Auftrag bei Link beziehungsweise YouGov, nun wieder bei Publicom. Hinzu kommt, dass das Bakom die Leistungsindikatoren für 2025 grösstenteils neu definiert hat, um Radio und Fernsehen sowie öffentliche und private Veranstalter vergleichbar zu machen. Der Preis dafür steht im Bericht: Die Vergleichbarkeit mit den Kennzahlen der Vorjahre ist nur eingeschränkt möglich.
Bei der Geschlechtervertretung stellen Frauen 43 Prozent der Sprechenden in Informationsbeiträgen, aber nur 28 Prozent der Akteure. Am tiefsten liegen beide Werte erneut bei Rete Tre. (nil)

