14.09.2004

"Thomas Trüb, was gibt es bei Cash noch zu feiern?"

Die Wirtschaftzeitung Cash begeht am 21. Oktober ihr 15-Jahre-Jubiläum. "persoenlich.com“ hat im Hinblick auf diesen Geburtstag mit Thomas Trüb (Bild) gesprochen, dem Geschäftsführer von Cash: Er verrät, wie er die schlechten Zahlen des Wirtschaftstitels ins Lot bringen will, wie viel Zeit dazu bleibt -- und was es mit "The Magic Bank" auf sich hat. Das Interview:
"Thomas Trüb, was gibt es bei Cash noch zu feiern?"

Die Reichweite von Cash fiel 2003 um einen Sechstel unter die 300’000er-Grenze, die Auflage um 6 Prozent auf unter 60'000. Im gleichen Zeitraum sank das Anzeigenvolumen um weitere 15 Prozent, und der Umsatz brach gar um einen Fünftel ein. Was gibt es zu feiern?

Gar nichts, wenn man sich diese Resultate ansieht. Sie sind der Ausdruck eines strukturellen Problems, das alle Wirtschaftsmedien betrifft. Ich gehe heute davon aus, dass der Boden erreicht ist. Es gibt für diese Hoffnung erste, wenn auch noch nicht signifikante Anzeichen bei Abos und Anzeigen. -- Doch das reicht nicht, die Frage lautet vielmehr: Wann geht es wieder richtig aufwärts? Und wie können wir das selber beschleunigen? Ich gehe davon aus, dass wir ein paar Antworten gefunden haben.

Nicht zum ersten Mal...

Wir haben eine treue Stammleserschaft, die Verluste haben an den Rändern bei den Ältern und Jungen stattgefunden. Hier müssen wir inhaltlich ansetzen.

Schon wieder? Ein Relaunch mit einer Refokussierung fand vor gut zwei Jahren statt, weitere Anpassungen folgten vor einem Jahr.

Den Entschluss, eine fokussierte Wirtschaftszeitung zu sein, bereuen wir nicht, wir brauchen in der nächsten Zeit keine Artikel über Lifestyle oder Kultur. Hingegen müssen wir das Themenspektrum innerhalb des Bereichs Wirtschaft ausweiten und die Gewichte anders legen. Zwar wollen wir unsere Stärke bei den News behalten, zudem aber Service-orientierter werden. Hier gibt es Themen, die in der Schweiz noch nicht so stark behandelt werden. -- Mehr dazu erfahren Sie am 21. Oktober, wenn wir unser Jubiläum feiern.

Mehr Service ist also Ihr Rettungsanker.

Wir sind überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um zusätzliche Leser zu gewinnen. Was der bisherigen Schwund angeht, möchte ich im übrigen festhalten, dass er auch eine Folge unseres reduzierten Marketingbudgets ist. Wir sind nicht mehr bereit, um jeden Leser zu kämpfen, die Akquisition im Randbereich ist einfach zu kostspielig.

Cash wird demnach klein und fein.

Verglichen mit 2000/2001 ist schon lange Bescheidenheit eingekehrt -- zu recht, wie ich meine. Klein wollen wir aber trotzdem nicht werden, Cash hat nach wie vor die höchste Auflage unter den Schweizer Wirtschaftstiteln. Diese Position wollen wir weiter ausbauen.

Wie lange noch? Bei einem kolportierten Verlust von jährlich 5 Mio. Franken muss einem unternehmerisch gesinnten Verleger doch irgendwann die Lust vergehen.

Wir geben keine Zahlen einzelner Titel bekannt. Cash gehört zum Kerngeschäft von Ringier, deshalb haben Michael Ringier und die Konzernleitung auch die nötige Geduld -- immer unter der Voraussetzung, dass der Trend in die richtige Richtung läuft. Auch wenn nach den schweren Jahren noch nicht alles im Lot ist, erfahren wir doch jährlich eine Verbesserung des Ergebnis. Das ist für die Konzernleitung und den Verleger entscheidend.

Zur wirtschaftlichen Misere kommt ein umstrittenes Gerichtsurteil: Cash muss einem Banker für eine in den Jahren 1990/91 erschienene Serie von Artikeln über eine Million Franken Entschädigung zahlen. Wie verbuchen Sie das?

(Lacht) Jedenfalls nicht über Cash! Ringier hat entsprechende Rückstellungen schon vor Jahren gebildet, das gehört eben zum Berufsrisiko. Zum Zufallsurteil des Gerichts möchte ich nur sagen, dass wir es bedauern.

Dennoch: Welche Konsequenzen hat das Urteil für Cash?

Keine direkten, weder wirtschaftlich, noch redaktionell. Für all unsere Journalisten gilt weiterhin die Pflicht, sehr gut zu recherchieren. Und in heiklen Fällen sollen sie unsere Rechtsabteilung konsultieren. Das Urteil ist so gesehen ein Warnschuss, der hoffentlich die Sinne schärft.

Noch im Frühjahr erwog Cash einem Relaunch als Hochglanzmagazin, nun hat man sich doch dagegen entschieden. Warum hat Sie der Mut verlassen?

Das ist keine Frage des Mutes. Wir wollten einfach alle Optionen kennen, und die Umstellung auf ein Magazin war eine davon. Doch die Vorteile waren zu wenig stark. Wir haben festgestellt, dass Cash in seiner heutigen Aufmachung einen absoluten USP besitzt. Es gibt wenig Grund, den einfach so zu verändern.

Damit überlassen Sie der Bilanz das attraktive Feld des hoch positionierten Wirtschaftstitels.

Wenn ich die Zahlen von Wirtschaftsmagazinen sehe, glaube ich nicht, dass sie den Schlüssel zur Zukunft halten. Zumal die Konkurrenz nicht nur aus der Wirtschaftspresse erwächst, sondern auch aus Magazinen wie Weltwoche oder Facts, die beide ihre Wirtschaftsberichterstattung verstärkt haben.

Sie haben für das Jubiläum "interessante Neuerungen" angekündigt. Worum geht es -- abgesehen von der Verstärkung des Service?

Es wird auch ein Fine-Tuning beim Layout geben, die wichtigste Neuerung ist aber sicher der zusätzliche Service. Um das Jubiläum würdig zu begehen, gründen wir zudem "The Magic Bank“: Wir sammeln bei Mitarbeitern, Lesern und Kunden Geld mit dem Ziel, innerhalb von zwei Jahren tausend Familien in der Dritten Welt mittels Mikrokreditprogrammen den Start in eine nachhaltig bessere Zukunft zu sichern. Wir werden das Programm in Vietnam, wo es ja auch ein Cash gibt, realisieren. Mit nur hundert Franken kann man einer Familie dank intensiver Betreuung eine Zukunftsperspektive geben. Solche Programme sind erfahrungsgemäss sehr effizient, mit Erfolgsquoten von 95 bis 100 Prozent

Das ist eine sehr schöne Idee -- bloss: Was hat sie mit Cash zu tun?

Eine Bank ist ein Bank und hat mit Wirtschaft zu tun, unsere "Magic Bank" ist einfach etwas spezieller. Wir schenken an unserem Fest zum 15-Jahre-Jubliäum etwas weniger Champagner aus, und schon haben wir das Grundkapital für die "Magic Bank" zusammen.


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