08.08.2007

Swisscom

TV-Projekte reissen grosses Loch in die Kasse

Betty TV deutlich hinter Erwartungen.

Die Eroberung der Fernsehwelt kommt die Swisscom viel teurer zu stehen, als sie selber erwartet hatte. Bluewin TV und die interaktive TV-Fernbedienung Betty haben im ersten Halbjahr ein Loch von 104 Mio. Fr. ins Betriebsergebnis (EBITDA) gerissen.

Davon stammten 60 Mio. von der interaktiven TV-Fernbedienung Betty, mit der die TV-Zuschauer an Gewinnspielen, Abstimmungen oder Umfragen teilnehmen können. Seit ihrem Start im Juni vor einem Jahr habe die Fernbedienung lediglich 10'000 Kunden in der Schweiz und 100'000 Kunden in Deutschland gewonnen, sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter am Mittwoch in einer Telefonkonferenz.

Viel mehr erwartet

Das sei enttäuschend. Eigentlich hatte die Swisscom-Tochter mit einer wesentlich grösseren Nachfrage gerechnet, wie Schloter ausführte: "Wir haben rund 300 000 Fernbedienungen produzieren lassen. Das hat hohe Kosten verursacht."

Nun müsse die Swisscom über die Neuausrichtung von Betty nachdenken. Es ist aber zu früh, um Genaueres zu sagen, fuhr Schloter fort. Betty beschäftigt 30 Mitarbeiter in der Schweiz und 100 in München. Der Verantwortliche für die Gründung und den Aufbau von Betty, Daniel Gauchat, hat bereits die Swisscom-Tochter verlassen. Der 35-Jährige wechselte auf den 1. Juni als neuer Geschäftsführer zum Aargauer Privatfernsehsender Tele M1.

Sehr teure Installation von Bluewin TV

Auch Bluewin TV bereitet Sorgen: Das Fernsehangebot kämpft auch neun Monate nach dem Start immer noch mit erheblichen technischen Problemen. Zudem sind die Kosten von Bluewin TV wesentlich höher, als die Swisscom geplant hatte. Im ersten Halbjahr habe Bluewin TV den EBITDA des Konzerns um 44 Mio. Fr. geschmälert.

Schuld seien die hohen Installationskosten von durchschnittlich 1400 Fr. pro TV-Kunde, die seit dem ersten Quartal nur geringfügig auf gegen 1300 Fr. gesunken seien, sagte Schloter. Deshalb halte sich die Swisscom mit ihren Verkaufsanstrengungen zurück. Derzeit gewinne man nur noch 5000 Kunden pro Monat.

Ende Juni zählte die Swisscom über 50'000 Bluewin-TV-Kunden. Bis Ende Jahr rechne man mit 80'000 Kunden, sagte Schloter. Falls die Einrichtung von Bluewin TV weiterhin so teuer bleibt, wird die Swisscom bis Ende Dezember nach Berechnung der SDA rund 110 Mio.Fr. an Installationskosten ausgegeben haben. Dem stehen nur rund 30 Mio. Fr. an Einnahmen gegenüber.

Hilfe aus Mailand erhofft

Abhilfe bei den hohen Kosten soll der neu erworbene italienische Breitbandanbieter Fastweb bringen. Durch dessen Technologie, mit der die Hausverkabelung umgangen werden soll, erhofft sich der Swisscom-Chef eine Senkung der Installationskosten auf rund 700 Fr. pro Kunde. Ursprünglich hatte Schloter 500 Fr. als Ziel angepeilt.

Allerdings sind die Neukunden auch in Italien nicht billig. Fastweb selber gibt mindestens 500 Euro (830 Fr.) pro neuem Anschluss aus, wie ein Verantwortlicher der Nachrichtenagentur SDA sagte. (sda)


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