21.06.2007

"Über Facts wurde nicht verhandelt"

Nach der Übernahme von Jean Frey hat der Axel Springer-Verlag mit dem Kauf der Schweizer Programmzeitschriften von Ringier seine Expansion in der Schweiz weiter voran getrieben. Doch der Appetit ist noch nicht gestillt, wie Ralph Büchi, CEO Jean Frey/Handelszeitungsgruppe, im Gespräch mit "persoenlich.com" zu erkennen gibt: "Wir haben aber keinen blinden Heisshunger auf alles, was sich im Markt bewegt." Das Interview:
"Über Facts wurde nicht verhandelt"

Ralph Büchi, Axel Springer/Jean Frey hat bei der Programmpresse nun fünf Titel im Portfolio. Wie viele davon werden überleben?

Das kann ich ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschliessend beantworten. Die beiden Leadertitel TVStar und Tele werden aber sicher bestehen bleiben. Wir werden das Profil der beiden Titel weiter schärfen, um sie sauber abzugrenzen und im Markt entsprechend zu positionieren.

Die Redaktionen von TVStar und Tele bleiben komplett eigenständig?

Bei Axel Springer in Hamburg werden derzeit die Redaktionen der Programmzeitschriften teilweise zusammengelegt, in anderen Bereichen wird exklusiv für die einzelnen Titel weiter produziert. Von den Erfahrungen unserer Kollegen in Deutschland können wir sicher profitieren. Wir werden prüfen, welche Kooperationen möglich sind, welche Synergien Sinn ergeben, und wieweit wir diese auch bei uns nutzen werden.

Ist es auch möglich, dass die Chefredaktion zusammengelegt wird?

Solche Überlegungen bestehen zurzeit nicht. Wie die Redaktionen aller fünf Titel im Detail organisiert werden, kann ich ihnen noch nicht sagen. Die erste Priorität besteht jetzt darin, die neuen Mitarbeiter der bisherigen Ringier-Zeitschriften unter unser Verlagsdach an die Förrlibuckstrasse zu bringen. Der Umzug ist für Ende August geplant.

Macht es denn Sinn für einen Verlag, in der Schweiz fünf Programmzeitschriften herauszugeben?

Auf die Zahl fünf möchte ich mich nicht festlegen. Es macht aber ganz sicher Sinn, verschiedene Publikationen der Programmpresse auf dem Markt zu haben. Einerseits besteht die Nachfrage nach unterschiedlichen Erscheinungsfrequenzen – sei das wöchentlich, alle zwei Wochen oder monatlich. Andererseits besteht beim Publikum auch das Bedürfnis nach verschiedenen Inhalten. Jetzt, wo wir die Marktführerschaft erworben haben, wollen wir durch überstürztes Fusionieren nicht gleich wieder eine Flanke öffnen, durch die ein Konkurrent eindringen könnte

Sie sprechen die Marktführerschaft an. In der Deutschschweiz könnte man schon fast von einem Monopol sprechen…

Von einem Monopol kann man beim besten Willen nicht sprechen. Von der Auflage her ist das Gratisblatt TV täglich – ein Co-Produkt von Ringier und Tamedia – immer noch die grösste Programmzeitschrift. In den Tageszeitungen ist das TV-Programm ebenfalls zu finden. Zudem gibt es auch digitale Programminformationen.

Aber der Werbemarkt kommt nicht mehr an Ihren Titeln vorbei, wenn er im Umfeld der Programmpresse auftreten will?

Das sehen wir allerdings auch so. Im Marktsegment der bezahlten, abonnierten Programmpresse sind wir nun der klare Leader mit dominantem Marktanteil. Aber wir befinden uns nicht im luftleeren Raum, sondern stehen im Wettbewerb mit den erwähnten Konkurrenten.

Wie können Sie diese Marktmacht ausspielen?

Wir wollen keine Marktmacht ausspielen, sondern unseren Lesern und Inserenten ein attraktives, vielfältiges Angebot bei den TV-Zeitschriften bieten.

Ist der Hunger von Springer in der Schweiz jetzt gestillt?

Axel Springer hat immer gesagt, dass die Schweiz einer der interessantesten Auslandmärkte ist, und dass hier die Expansion offensiv betrieben wird. Wir sind jetzt eines der führenden Medienhäuser in der Schweiz und werden auch weiterhin alle für uns attraktiven Marktchancen prüfen -- dazu zählen auch mögliche Käufe.

Hatte Springer Interesse am Nachrichtenmagazin Facts?

Wir pflegen regelmässigen und guten Kontakt zu Tamedia, über Facts wurde aber nicht verhandelt.

Abschlussfrage: Sie selbst sind nun in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Medienmanager der Schweiz geworden. Wird man mit der wachsenden Grösse des Unternehmens auch plötzlich anders behandelt, mehr hofiert?

Stärker hofiert vielleicht, aber ganz sicher schärfer beobachtet. Die Ansprüche unserer Kunden -- der Leser und Inserenten -- steigen, und diese wollen wir erfüllen. Vielleicht wurden unsere Wettbewerber in der Schweiz durch das entschlossene Vorgehen von Axel Springer etwas überrascht. Nun stehen wir sicher mehr im Scheinwerferlicht als vorher, aber das hat ja werbetechnisch durchaus auch seine Vorteile.


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