Die Schweizer Verleger wollen wieder die Herrschaft über ihre Titel erlangen. Sie fühlen sich "im Sandwich" zwischen Journalisten, die im Alleingang die Qualität einer Zeitung bestimmen und dem Staat, der die Werbung einschränkt. "Wir sind mit der journalistischen Unabhängigkeit zu weit gegangen", wetterte der Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument am Freitag in Montreux. Die "Erklärung der Rechte und Pflichten der Journalistinnen und Journalisten" enthielten "teils Abenteuerliches" das den abonnierten Zeitungen nicht genützt habe.
Jetzt, wo alle "mehr Qualität" empfählen, um auf den Auflageeinbruch und die verminderten Inserateeinnahmen zu reagieren, sei der Publikumserfolg der einzige Massstab für Qualität, argumentierte der Präsident von Schweizer Presse. Mit dieser Elle gemessen, reüssierten die Gratiszeitungen heute besser als die traditionellen Zeitungen.
Zu lange sei die Qualität der Zeitung mit der Unabhängigkeit der Journalisten gleichgestellt worden, sagte der Verleger der Zeitung "Die Südostschweiz" während am zweiten Tag des Jahreskongresses des Verbandes Schweizer Presse. Gemäss Lebrument genügen Kreativität und Individualismus nicht, um ein Qualitätsprodukt hervorzubringen. Andere Branchen fügten noch Teamgeist, Disziplin und Leistungskriterien bei.
Lebrument zeigte zudem die Erfolge während seiner fünf Jahren als Präsident von Schweizer Presse auf: Die Kündigung der Gesamtarbeitsverträge, die Gründung des Vereins Qualität im Journalismus und den Beitritt der Verleger zum Presserat. "Es wird sich nun zeigen, ob die dringend notwendigen Änderungen an den Erklärungen der Rechte und Pflichten der Journalistinnen und Journalisten durchsetzbar sind".
Lebrument kritisierte erneut den Staatsinterventionismus im Werbemarkt. Die Pressefreiheit liege "in der Unabhängigkeit vom Staat". "Wir müssen verhindern, dass nicht Schritt für Schritt eine Werbezensur - die einschränkt, teils verunmöglicht, teils verbietet - immer mehr um sich greift." Lebrument befürwortet Zusammenschlüsse, die sich für Werbefreiheit einsetzen. (sda)

