Das knapp 100 Tage junge Unternehmen Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat am Dienstag zur Jahresmedienkonferenz ins Leutschenbach geladen. Dabei zeigen sich Verantwortlichen mit der Zusammenführung von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen per 1. Januar 2011 zufrieden. Wichtig sei gewesen, dass das TV-Publikum von den ganzen Umstellungen nichts mitbekommen habe, sagte SRF-Direktor Ruedi Matter, der zusammen mit Programmleiter Hansruedi Schoch durch den Morgen führte.
Das Deutschschweizer Publikum habe die Angebote von SRF im Jahr 2010 durchschnittlich 14,4 Stunden pro Woche genutzt. Nach wie vor sind die Schweizer damit den öffentlich-rechtlichen Sendern treu. Die SF- Fernsehsender und die DRS-Radiosender gehörten auch im letzten Jahr zu den beliebtesten elektronischen Medien im Land. Erst mit grossem Abstand folgen private und ausländische Anbieter. Trotzdem hat das Schweizer Fernsehen im letzten Jahr 0,7 Prozent Marktanteil verloren und landete bei einem Stand von 32,6 Prozent. Über die vergangenen zehn Jahre hinweg betrachtet, sind die Zahlen aber ziemlich stabil. Die Radiosender konnten 2010 sogar leicht zulegen. Ihr Marktanteil stieg um 0,1 Prozent auf 61,7 Prozent. Das bedeutet, dass 61,7 Prozent aller Personen, die gerade ein Radio eingeschaltet haben, einen Sender aus dem Hause SRF wählen.
Parlamentswahlen als trimedialer Programmhöhepunkt
Als Höhepunkte 2011 stellten die Verantwortlichen verschiedene Formate vor. Im Fokus standen insbesondere das Angebot zu den National- und Ständeratswahlen. Für "Treffpunkt Bundesplatz" wird im September auf dem Bundesplatz in Bern ein gläsernes Studio gebaut. Dort realisieren die Radioprogramme von SRF während 12 Tagen einen Grossteil ihres Programms. In einem offenen Zelt daneben produziert SRF diverse Vorwahlsendungen für SF 1 und SF zwei, die zudem zu einer abwechslungsreichen Programmfläche auf SF info verwoben werden. Innerhalb des Projekts ist auch ein Bistro geplant - als Begegnungsort für Publikum, Politik und Medien.
Der 23. Oktober 2011 steht unter dem Motto "Entscheidung 11: Der Wahltag". SF 1 liefert von 12 Uhr bis Mitternacht durchgehend Resultate und Hochrechnungen, Berichte von Aussenstellen in der ganzen Schweiz, Analysen mit Experten und Interviews mit Politikern. Die meisten Struktursendungen entfallen. Am folgenden Tag gibt es eine Nachwahlsendung in der Primetime. Im Radio berichten DRS 1 und DRS 4 News von 12 bis 20 Uhr live - mit viertelstündigen Updates und integriertem "Echo der Zeit". DRS 3 berichtet umfassend mit Sondersendungen ab 17 Uhr. Auf www.drs.ch und www.sf.tv sollen ausserdem zwei eigenständige Online-Auftritte zu den Wahlen entstehen.
Ein weiterer trimedialer Schwerpunkt stellt dieses Jahres zudem Max Frisch dar. Auftakt der Serie war der 4. April, 20. Todestag des Autors. Für Vielfalt und eine Reihe von Innovationen in Information, Kultur, Unterhaltung und Sport sorgt SRF zudem mit dem diesjährigen Sommerprogramm. Eingang ins Programm findet unter anderem ein Sommerquiz, das von René Rindlisbacher moderiert wird (persoenlich.com berichtet). (cb/sda)
Anschliessend an die Pressekonferenz hat sich "persoenlich.com" mit SRF-Direktor Ruedi Matter über seine 100 ersten Amtstage unterhalten.
Herr Matter, Sie sind nun seit hundert Tagen im Amt. Ihre erste Bilanz?
Ich bin sehr zufrieden bis jetzt. Allerdings sind drei Monate noch etwas kurz, um richtig Bilanz zu ziehen.
Was ist Ihnen bis jetzt besonders gelungen?
Wir haben in der Japan- und Libyen-Krise eindrücklich unsere grosse Flexibilität bewiesen. Über die beiden Themen haben wir in kurzer Zeit zahlreiche Sondersendungen produziert, im Radio und im Fernsehen, und massive Umgestaltungen im Programm vorgenommen. Dass sich der Aufwand gelohnt hat und vom Publikum sehr geschätzt wurde, zeigen die überdurchschnittlich hohen Einschaltquoten. Ein weiteres Highlight waren "Die grössten Schweizer Talente", die bis zu 46 Prozent Marktanteil erreichten.
Die grösste Herausforderung der ersten drei Monate?
Die Herausforderung ist bereits seit längerem, die beiden Unternehmen erfolgreich und nachhaltig zusammen zu führen. Bis jetzt gelingt dies sehr gut, das sieht man auch an den gemeinsamen Schwerpunkt-Projekten von Radio und Fernsehen, die im laufenden Jahr anstehen. Das Spezialangebot zu den Parlamentswahlen, "Treffpunkt Bundesplatz", ist eine grosse Herausforderung und ein Projekt, das neue Massstäbe setzt.
Ein wohl prägendes Thema in den letzten 3 Monaten ist die Diskussion mit den Verlegern, die sich gegen die Online-Aktivitäten von SRF auflehnen. Vor kurzem legten diese ein Rechtsgutachten vor, welches besagt, dass das Online-Angebot nicht weiter ausgebaut werden darf. Was ist der aktuelle Diskussionsstand?
Wir sind vom Bundesrat aufgefordert, mit den Verlegern Gespräche zu führen und eine Lösung zu finden. Ich bin überzeugt, dass vernünftige Leute miteinander auch eine gute Lösung finden werden.
Wann erwarten Sie eine solche?
Darüber kann ich keine Prognose abgeben.
Herr Lebrument fordert eine neue Definition von "Service Public". Wie definieren Sie "Service Public"?
Deutlicher wie in der Verfassung und dem RTVG kann "Service Public" nicht definiert werden. Wir bemühen uns täglich, uns daran zu orientieren und uns daran zu halten.
Sie haben an der Pressekonferenz erwähnt, dass SRF im Onlinebereich derzeit ca. 50 Vollzeitstellen mit Redaktoren besetzt hat. Dies entspreche bloss einer einstelligen Prozentzahl. Ist ein Ausbau geplant?
Kaum, dazu haben wir auch die Mittel gar nicht. Unsere primäre Aufgabe ist und bleibt es, Radio und Fernsehen zu machen.
SRF sucht immer noch einen Chefredaktoren für den Onlinebereich. Wie ist hier der Stand?
Wir suchen einen Redaktionsleiter, der den beiden Chefredaktoren unterstellt wird. Wir haben einige interne und externe Bewerbungen vorliegen. Diese werden jetzt evaluiert.
Interview: Corinne Bauer

