Am Montag sind die abonnierten Zeitungen erstmals auf der Strasse statt auf der Schiene transportiert worden. Die Verlage rechnen mit Verschlechterungen bei der Zustellung. Manche Abonnenten müssen sich mit der Zeitung von gestern begnügen. Das neue System soll Einsparungen von mindestens 10 Millionen Franken bringen. Die Verlage liessen sich darauf ein, um Tariferhöhungen zu vermeiden. Das System begeistere niemanden, sagte Hanspeter Kellermüller vom Verband Schweizer Presse am Montag gegenüber der sda. Doch die Verschlechterungen im Leistungsangebot seien insgesamt vertretbar. Der Verband Schweizer Presse schätzt, dass der Anteil der Exemplare, die nicht am Erscheinungstag zugestellt werden können, etwa von 5 auf 7 Prozent zunehmen wird. Die Post geht hingegen davon aus, dass mit dem neuen System "unter dem Strich" eine Verbesserung erreicht wird, wie Post-Sprecher Richard Pfister sagte.
Am ersten Tag habe noch nicht alles geklappt, räumt Pfister ein. Es sei vereinzelt zu Verspätungen gekommen. Es handle sich um "Kinderkrankheiten". Von Problemen berichtete vorab die Berner Zeitung (BZ). Die Chauffeure hätten beim Abladen vor der Schanzenpost in Bern eine Stunde und länger anstehen müssen, sagte BZ-Vertriebsleiter Hans von Känel. Für die Bewältigung des grossen Volumens sei zu wenig Personal im Einsatz gestanden. Dadurch hätten etliche Säcke -- grösstenteils für die Westschweiz -- nicht rechtzeitig weitergeleitet werden können. Die Reklamationen würden wohl am Dienstag eintreffen. Andere Zeitungen rechnen nicht mit Reklamationen: Angesichts des grossen Volumens habe es nur wenige Probleme gegeben, sagte etwa Ringier-Sprecherin Prisca Wolfensberger.
Das neue System bringt allerdings grundsätzliche Änderungen. Weil die Zeitungen für den Ferntransport die Druckerei früher als bisher verlassen müssen, erhalten manche Leserinnen und Leser keine aktuellen News. Das St. Galler Tagblatt reagiert mit einer Fernausgabe auf die neuen Bedingungen, die vor der "normalen" Ausgabe gedruckt wird und deshalb den Lokalteil vom Vortag enthält. Es handle sich um eine klare Verschlechterung, sagt Verlagsleiter Daniel Ehrat. Bisher seien 90 Prozent der Zeitungen rechtzeitig bei den auswärtigen Kunden eingetroffen. Nun müssten alle rund 2500 Fernabonnenten mit dem Lokalteil vom Vortag Vorlieb nehmen.
Auch der Walliser Bote rechnet damit, dass die Walliser nördlich der Alpen künftig auf gewisse Informationen verzichten müssen. Weil die Zeitungen neu um 02.30 Uhr in Bern sein müssen statt wie bisher um 03.30 Uhr, werden künftig bei Bedarf zwei Ausgaben gedruckt, wie Verlagsleiter Jörg Salzmann erklärt. Es werde vorkommen, dass in den rund 5000 Exemplaren für die Deutsch- und Westschweiz Informationen fehlten, in nächster Zeit etwa jene zum 100-Meter-Final an den Olympischen Spielen.

