01.11.2023

Ombudsstelle

Viel Kritik an Nahost-Berichterstattung von SRF

Seit dem brutalen Terror-Angriff der Hamas auf Israel sind bisher über 40 Beanstandungen eingegangen. Die Ombudsleute stellen fest, dass gar nicht die Berichterstattung gemeint ist, sondern sich die Sympathisanten beider Konfliktparteien Gehör verschaffen wollen.
Ombudsstelle: Viel Kritik an Nahost-Berichterstattung von SRF
Esther Girsberger und Kurt Schöbi behandeln derzeit viele Beanstandungen zum Nahost-Konflikt. (Bild: zVg)

Eines sei den meisten Beanstandungen gemeinsam, schreibt die Ombudsstelle in einer aktuellen Stellungnahme: Der Vorwurf, die SRF-Nahost-Berichterstattung sei einseitig. Im Blickwinkel auf die Ereignisse und deren medialer Bewältigung unterschieden sich die Beanstandungen teilweise diametral, heisst es weiter. Die einen kritisieren die Berichterstattung als israelfeindlich, die anderen als zu israelfreundlich.

Beanstandet wurden mehrheitlich Informationssendungen und -inhalte wie «Tagesschau», «10vor10», «Heute Morgen», Radionachrichten, «SRF News» (online). Exemplarisch werden im Folgenden zwei Beanstandungen besprochen: Fall Nr. 9513 («Heute Morgen», 9.10.2023) und 9529 (Berichterstattung zum Nahost-Krieg).

Gräueltaten mit Kampfhandlungen gleichgesetzt

Ein Radiohörer kritisiert die Sendung «Heute Morgen» vom 9. Oktober 2023. Im Hauptbeitrag der Sendung geht es um die andauernden Kämpfe in Israel und im Gazastreifen am zweiten Tag nach der Hamas-Attacke. Der Beanstander stört sich an der Formulierung von Auslandredaktorin Susanne Brunner, dass auch Israel mindestens 40 Hamas-Kämpfer «als Geiseln» halte. In seinen Augen würden mit dieser Aussage die Gräueltaten der Hamas mit der Festnahme von Terroristen durch die israelischen Streitkräfte während der Kampfhandlungen gleichgesetzt.

Susanne Brunner sage im Beitrag klar und deutlich, dass der Terror in israelischen Städten unvermindert weitergehe. Sie berichte auch von dem Massaker am Musikfestival und den Dutzenden entführter und als Geiseln genommenen Israelis. Die Ombudsleute sind der Ansicht, dass Susanne Brunner in diesem wie auch in anderen Berichten die Hamas nicht im Geringsten verharmlose. Sie bezeichne zudem mitunter die radikal-islamische Hamas – anders als die offizielle Schweiz – als Terrororganisation.

«Gefangene» der Hamas, nicht «Geiseln»

Die durch die israelischen Streitkräfte festgenommenen Hamas-Kämpfer als «Geiseln» statt als «Gefangene» zu bezeichnen, ist auch in den Augen der Ombudsleute ein Fehler. Dennoch könne aus der Gesamtheit des Berichts nicht von einer Gleichsetzung mit den Gräueltaten der Hamas geschlossen werden, so die Ombudsleute.

Eine andere Beanstanderin kritisiert die ganze SRF-Berichterstattung zum Nahost-Krieg als unausgewogen und pro-israelisch. Als Beispiel nennt sie u.a. «SRF 4 News aktuell» vom 12. Oktober 2023. Darin ging SRF der Frage nach, wie Israel derart überrascht werden konnte. Die Frage sollte lauten, wie es zu einem solchen Frust bei den Palästinensern und zu so einer Eskalation habe kommen können, findet die Beanstanderin.

Weiter nennt sie den SRF-News-Artikel vom 13. Oktober 2023. Darin geht es um die Aufforderung des israelischen Militärs an die Bewohnerinnen und Bewohner von Gaza City, den Norden des Gazastreifens zu verlassen. Die Beanstanderin moniert, es fehle die legitime Kritik von SRF am Vorgehen Israels. Es fehle auch die Kritik, dass Israel Kinder vertreibe und Tausende von toten Zivilisten in Kauf nehme.

SRF thematisiere immer wieder, dass es bei den Fluchtbewegungen der Bevölkerung im Gazastreifen zwangsläufig zu einer humanitären Katastrophe komme, so die Ombudsleute. «Eine Frage schwebt über allem...» ist in den Augen der Ombudsleute eine legitime Frage zu Beginn der Hamas-Attacke. Der Schock bei der Bevölkerung Israels sitze tief und es frage sich jedermann, wie ein solcher Terrorakt das Land so unvorbereitet habe treffen können.

Der Blickwinkel ist entscheidend

Die Ombudsleute ziehen folgendes Fazit: «Seit dem Ausbruch am 7. Oktober stellt die Ombudsstelle fest, dass die SRF-Berichterstattung je nachdem, ob man dem ‹Pro Israel›- oder dem ‹Pro Palästinenser›-Lager nahesteht, subjektiv wahrgenommen wird. Bei objektiver Betrachtung allerdings verhält sich SRF sachgerecht, indem es wahrheitsgetreu darüber berichtet, was Sache ist. Das Ausmass der Katastrophe ist unvorstellbar. Auf beiden Seiten ist das Leid entsetzlich. Über die Hintergründe berichtet SRF sachlich und auf Objektivität bedacht.»

Die Ombudsleute können bei den beiden erwähnten Beanstandungen denn auch keine Verletzung des Radio- und Fernsehgesetzes feststellen. (pd/nil)


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