Fast neun von zehn Journalistinnen und Journalisten (86,9 Prozent) haben in den vorhergehenden 24 Monaten externe Einflussnahmen erlebt. Dies geht aus einer Onlinebefragung der Universität Zürich hervor. Knapp 570 Medienschaffende aus allen Landesteilen haben sich an der Umfrage «Druckversuche und Einflussnahmen auf journalistische Arbeit», die im Februar und März durchgeführt wurde, beteiligt. Die Resultate wurden am Dienstag veröffentlicht.
Am häufigsten seien Einflussnahmen informationeller Art wie der Vorwurf, Verschwörungstheorien zu verbreiten, und Drohungen, den Zugang zu Informationen zu entziehen. Laut Umfrage hätten 75,1 Prozent dies so erlebt. Es folgen laut einer Mitteilung ökonomische (50,8 Prozent) und institutionelle Einflussnahmen (42,1 Prozent) sowie angedrohte oder tatsächliche physische und sexuelle Gewalt oder Belästigung (28,9 Prozent).
Meist werden Einflussnahmen über digitale Kommunikationskanäle wie E-Mails und Social Media erlebt. Ein erhöhtes Risiko von Einflussnahmen haben Journalistinnen und Journalisten, die über bestimmte Themen wie Kriminalität und Justiz (94,1 Prozent), Unterhaltung (93,5 Prozent), Wirtschaft (93,2 Prozent) oder verschiedene Aspekte zu Covid-19 (92 bis 95,9 Prozent) berichteten. Auch der Kanton spielt laut Mitteilung eine Rolle: Mehr als neun von zehn Befragten, die regelmässig über den Kanton Schwyz berichtet haben, hätten Einflussnahmen erlebt (95,8 Prozent). Schaffhausen weise mit 76 Prozent den tiefsten Anteil aus. Medienschaffende verorten Druck ausübende Akteurinnen und Akteure schliesslich am häufigsten im Publikum (56,4 Prozent) und in der Wirtschaft (48,4 Prozent).
Die Studie erscheint im Oktober im Jahrbuch der Medien des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög), ist aber bereits am Dienstag vorab publiziert worden.
Medienschaffende zufrieden mit Gewerkschaften
Über die Resultate der publizierten Studie hinaus gibt es weitere Erkenntnise aus der Umfrage: So ist die Zufriedenheit unter Journalistinnen und Journalisten am höchsten mit journalistischen Gewerkschaften (sehr oder eher zufrieden: 46 Prozent). Am unzufriedensten sind Medienschaffende mit Social-Media-Plattformen, zum Beispiel beim Löschen von Inhalten (sehr oder eher unzufrieden: 64 Prozent).
Ähnliche Unzufriedenheitswerte zeigen sich laut Mitteilung in Bezug auf die breite Gesellschaft, beispielsweise in Bezug auf Wertschätzung des Journalismus (sehr oder eher unzufrieden: 55 Prozent). Relativ ausgeprägt sei die Unzufriedenheit auch mit der Politik, zum Beispiel in Bezug auf Bekenntnisse zur Pressefreiheit (sehr oder eher unzufrieden: 46 Prozent). Die Un-/zufriedenheit mit Polizei und Strafbehörden sei ausgeglichen. (pd/cbe)

