Hätten Sie es gewusst? Am kommenden Samstag, 23. August 2025, startet die neue Spielzeit der Axa Women's Super League. Um 16 Uhr werden fünf Partien der höchsten Fussball-Liga der Frauen im ganzen Land angepfiffen. Anders als bei den Männern war der bevorstehende Saisonauftakt bisher kaum ein Thema für die Medien.
Die Flaute nach dem Sturm
Eine grössere redaktionelle Vorschau auf die neue Spielzeit lieferte bisher nur der Sonntagsblick. Ein ähnlicher Text auf blick.ch entpuppte sich bei genauerer Lektüre als «Branded Content», präsentiert und finanziert von Liga-Sponsor Axa. Andernorts fanden die Liga und ihre Protagonistinnen bestenfalls punktuelle Erwähnung. Etwa im Westschweizer Radio RTS, wo ein Klubverantwortlicher zur bevorstehenden Saison befragt wurde. Auf der Website von SRF Sport dagegen findet sich noch kein Hinweis auf den baldigen Start der neuen Spielzeit.
Diese Zurückhaltung steht im Kontrast zur umfassenden und bisweilen euphorischen Berichterstattung während der Europameisterschaften im vergangenen Sommer, als das Thema die Schlagzeilen dominierte. Manche hegten nach Abschluss des internationalen Turniers die Hoffnung, dass sich dieser Schwung auch auf den heimischen Klubfussball übertragen würde.
«Wir brauchen die Medien»
Den Verantwortlichen ist sehr wohl bewusst, dass das kein Selbstläufer wird. Marion Daube, Direktorin Frauenfussball beim Schweizerischen Fussballverband (SFV), sagte dazu in der SRF-«Tagesschau»: «Sich auf dem EM-Erfolg auszuruhen, ist keine Option. (…) Der Appell lautet: Wir müssen alle daran arbeiten, wir brauchen die Medien. Wenn man die Liga nicht sichtbar macht, wird sie nicht explodieren. Wir müssen diesen Schwung mitnehmen.»
Hier zeigt sich eine Huhn-Ei-Situation: Muss sich der Klubfussball der Frauen zu einem attraktiveren Produkt entwickeln, bevor die Medien breiter darüber berichten, oder sorgt erst die breitere Berichterstattung für ein attraktiveres Produkt?
Nach der Euro herrschte in den Medien vorübergehend eine Flaute. Gemäss den Ankündigungen der grossen Schweizer Medien wird sie sich mit dem Start der neuen Saison legen (persoenlich.com berichtete). Praktisch unisono heisst es, man baue die Berichterstattung zum Frauenfussball im Allgemeinen und zur Women's Super League im Speziellen aus.
«Sollte vielleicht einmal richtig hingucken»
Was die sportliche Qualität des Frauenfussballs angeht, lieferte die Euro eine klare Antwort. Blick-Sportchef Emanuel Gisi bringt es gegenüber persoenlich.com so auf den Punkt: «Wer immer noch alte Klischees bedient und behauptet, es könne unmöglich Spass machen, Fussball spielenden Frauen zuzuschauen, sollte vielleicht einmal richtig hingucken.»
Ein Dilemma bleibt: Keine der Schweizer Nationalspielerinnen, die im Sommer im Rampenlicht gestanden hatten und deren Namen nun viele kennen, spielt in der schweizerischen Super League. Die Berichterstattung muss zwar nicht gerade bei null anfangen, aber doch erst einmal eine Grundlage schaffen, damit ein grundsätzlich an Frauenfussball interessiertes Publikum auch mit dem Personal der heimischen Liga vertraut wird. Wenn die Redaktionen das leisten, was sie angekündigt haben, dann wird das gelingen.