23.11.2022

VSM

Von Mut, Newslettern und erfolgreichen Teams

Die Trendtagung «Fach- und Spezialmedien» stand im Zeichen der digitalen Transformation. Auf die Verleihung des Q-Awards wurde dieses Jahr verzichtet. Dafür kündete der Verband Schweizer Medien das baldige Revival der Kampagne «Print wirkt» an.
VSM: Von Mut, Newslettern und erfolgreichen Teams
Referierte über digitale Transformation: Sunnie J. Groeneveld, Gründerin und Managing Partner Inspire 925 und Verwaltungsrätin der Galledia-Gruppe. (Bilder: Oliver Rüesch/usgang.ch)
von Tim Frei

Inserate- und Leserschwund: Es sind keine einfachen Zeiten für die Presse. Dies gilt insbesondere für die Massenmedien, doch auch für die Fach- und Spezialmedien ist dies eine der grossen Herausforderungen. Umso bedeutsamer ist ihre Strategie im Digitalen. Ein Thema, das im Zentrum der diesjährigen Trendtagung «Fach- und Spezialmedien» des Verbands Schweizer Medien (VSM) im Folium Sihlcity in Zürich stand.

Sunnie J. Groeneveld, Managing Partner Inspire 925 und Verwaltungsrätin der Galledia-Gruppe, sprach in einem längeren Referat über den Unterschied zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation: «Ersteres ist die Übersetzungsarbeit von Prozessen, dem Kundenerlebnis und des Geschäftsmodells der analogen, physischen in die digitale Welt. Veränderungen in diesen Bereichen sind aber erst durch die digitale Transformation möglich, weil diese auf dem Mut basiert, neue Dinge auszuprobieren – zum Beispiel auf neue Kanäle oder Social-Media-Werbung zu setzen.»

Was aber, wenn man mit diesen Versuchen zu scheitern droht? «Dann ist es entscheidend, dass Fehler nicht als Misserfolg, sondern als Lerngelegenheit gesehen werden», sagte Groeneveld und ergänzte: «Es darf keinesfalls eine Angstkultur mit Schuldzuweisungen entstehen, sonst wird der Status quo gefestigt.» Bezugnehmend auf eine Studie von Google sagte sie über den Erfolg von Teams: «Entscheidend ist nicht die Anzahl Mitglieder und ihre Zusammensetzung, sondern der Umgang eines Teams mit Fehlern.» 

Weshalb eine Person nicht ausreicht

Groeneveld präsentierte verschiedene Rezepte, wie Fachverlage die digitale Transformation angehen können. Zum Beispiel habe sie bei der Galledia-Gruppe gelernt, dass eine Person mit digitalen Skills nicht ausreiche – egal, ob im Verwaltungsrat, in der Geschäftsleitung, der Redaktion oder in einer anderen Unternehmenseinheit. «Eine zweite Person kann die Argumente mit einer anderen Perspektive ergänzen und so den digitalen und kulturellen Wandel unterstützen.» Weiter empfahl sie, sich je nach Zielpublikum für einen «digital place to be» zu entscheiden sowie Online- und Offline-Aktivitäten miteinander zu verknüpfen. Ebenso wichtig sei der Aufbau von digitalen Communities, wobei sie «The New Yorker Movie Club» als positives Beispiel erwähnte.

Barbara König, Geschäftsführerin Schweizer Agrarmedien, referierte über den «umfangreichen» Relaunch und Umbau der TierWelt, die der Verlag im Sommer 2021 von Kleintiere Schweiz übernommen hatte. Laurent Gachnang, Verleger von Publisher, präsentierte neue Ansätze in der Monetarisierung von Fachmagazinen. Peter Hogenkamp, CEO von Scope Content, sprach über die Dos und Don’ts für Newsletter. Eine Fehlannahme sei die Maxime «Niemals externe Links setzen». A/B-Tests bei Kunden hätten gezeigt, dass externe Links in Newslettern zu einer Erhöhung der Klick- und Eröffnungsrate führten. Reto Vogt, Chefredaktor von Inside IT, gab Einblicke in die Newsletter-Welt des Onlinemagazins.

In der Podiumsdiskussion am Schluss unterhielten sich Dorothee Bauland, Verlagsleitung Pro Holzbau Schweiz, Pete Mijnssen, Herausgeber und Chefredaktor Velojournal sowie Präsident des Verbands Schweizer Fachjournalisten, und Sacha Steiner, Inhaber Büro Stone Media, über die Herausforderungen im Werbemarkt von Fachmedien. Moderiert wurde das Podium von Edith Hollenstein, Wirtschaftsredaktorin von Tamedia und frühere persoenlich.com-Redaktionsleiterin.

Zu wenig Einreichungen

Nicht vergeben wurde in diesem Jahr der Q-Award, der seit fast 20 Jahren den Puls der Fach- und Spezialpublikationen fühlt. Der Grund: «Die geforderte Mindestanzahl an Einreichungen wurde nicht erreicht», erklärte VSM-Geschäftsführer Stefan Wabel in seiner Eröffnungsrede. Er zeigte sich dafür erfreut, dass rund 50 Publikationen das Q-Label erhalten haben.

Weiter gab Wabel bekannt, dass die VSM-Kampagne «Print wirkt» ab Frühjahr 2023 «neu belebt» werde. Die Kampagne war Ende 2018 letztmals modifiziert worden (persoenlich.com berichtete). Damals wurden zehn Werbe-Infografiken erstellt, die es den Verkäufern an der Front erleichtern sollten, die Vorteile der Werbung in Pressemedien – in gedruckter und digitaler Form – verständlich und zeitgemäss zu vermitteln.

Seither setzt der VSM auf die Gattungskampagne «Gute Argumente für die Presse» – mit downloadbaren Bildgrafiken, Inseraten und Online-Bannern, die «starke Argumente» für Werbung in Printmedien veranschaulichen. «Diese Sujets haben einen faktenbasierten Touch», sagte Wabel und betonte: «In solch herausfordernden Zeiten für die Presse erachten wir es für unsere Branche als wichtig, mit der Neuauflage von ‹Print wirkt› aufzuzeigen, dass Print nach wie vor auf Resonanz im Werbemarkt stösst.»

 



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