14.01.2026

Halbierungsinitiative

«Warum so harmlos, Herr Rutz?»

Die Kampagne für die SRG-Initiative kommt ungewohnt zahm daher – keine Provokation, keine Polarisierung. Gregor Rutz, SVP-Nationalrat und Mitglied des Initiativ-Komitees, erklärt im Interview, warum diese Kampagne anders funktioniert als frühere SVP-Abstimmungskämpfe und weshalb freundliche Gesichter mehr bringen als inhaltliche Kritik am SRG-Angebot.
Halbierungsinitiative: «Warum so harmlos, Herr Rutz?»
Gregor Rutz am 14. Januar 2025 anlässlich der Medienkonferenz zur Kampagne «200 Franken sind genug». (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Herr Rutz, die Plakatmotive der Ja-Kampagne kommen geradezu harmlos daher – gerade wenn man bedenkt, wer sie gemacht hat: Alexander Segert von der Agentur Goal. Warum so harmlos?
Gregor Rutz: Bei einer Ja-Kampagne geht es darum, Vertrauen zu schaffen. Wir müssen den Stimmbürgern erklären, dass sie finanziell entlastet werden und dass die Initiative zu mehr Medienvielfalt führt. Bei Nein-Kampagnen ist es einfacher: Indem man als Gegner einer Vorlage Verunsicherung schürt, stärkt man die Skepsis gegenüber neuen Vorlagen. Da Schweizer generell eher skeptische Menschen sind, ist es umso schwieriger, Ja-Kampagnen zu führen.

Bei der Minarett-Initiative oder der Masseneinwanderungsinitiative warb die SVP mit sehr provokativen Plakaten für ein Ja. Wo liegt der Unterschied zur SRG-Initiative?
Die SRG-Initiative entspringt einem langjährigen Anliegen. Ich habe mich bereits vor über 15 Jahren – damals zusammen mit Natalie Rickli – für eine Gebührensenkung auf 200 Franken stark gemacht. Unser Komitee ist breit und überparteilich abgestützt. Währenddessen war die SVP bei der Minarett- und der Masseneinwanderungsinitiative allein auf weiter Flur. Wenn man allein ist und alle anderen das betreffende Anliegen totschweigen wollen, kann es notwendig sein, etwas offensiver aufzutreten. Das macht es normalerweise schwieriger, eine Mehrheit zu gewinnen. Bei den erwähnten Anliegen hingegen war der Leidensdruck in der Bevölkerung bereits so gross, dass eine Mehrheit von Volk und Ständen den Initiativen zustimmte.

Warum fehlt die inhaltliche Kritik am SRG-Programm in den visuellen Motiven der Kampagne?
Dass die SRG immer mehr Aktivitäten entfaltet, die über den Konzessionsauftrag hinausgehen, kritisiere ich seit Jahren. Diese Kritik ist selbstverständlich auch Teil der Abstimmungsdebatte. Als Kampagnensujet sind solche Punkte aber ungeeignet. Sie lassen sich nur schwer visualisieren und würden zudem eine Nein-Botschaft transportieren. Die Gebührensenkung zwingt die SRG dazu, sich auf ihren Kernauftrag zu konzentrieren. Von überflüssigen Angeboten muss sie dann Abstand nehmen. Das ist unser Ziel – und das müssen wir mit positiven Botschaften vermitteln.


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KOMMENTARE

Marco Bina
19.01.2026 15:09 Uhr
Blocher kauft Gratiszeitungen in der Schweiz, Musk und Zuckerberg kontrollieren international mit X und Meta die grössten Social Media Plattformen. Ihr Ziel: Weniger unabhängige Fakten, mehr Propaganda. Deshalb greift die SVP und ein Teil der FDP mit ihrer Anti-SRG-Initiative die unabhängigen Medien an, um ihre Agenda durchzusetzen. Das klassische Finanzierungsmodell bei dem Werbung den Journalismus finanzierte funktioniert schon lange nicht mehr. Die amerikanischen Techunternehmen dominieren den Werbemarkt. Wir brauchen eine starke SRG um weiterhin von einem unabhängigen Journalismus profitieren zu können. Dies ist entscheidend für das Funktionieren der Demokratie.
christian balke
16.01.2026 22:56 Uhr
"Eine simple Regel besagt, dass ein Medium dann eine gute Arbeit leistet, wenn es zur Hälfte an die übrigen medialen Debatten andockt und ihnen etwas Neues hinzufügt. Und wenn es zur anderen Hälfte aus eigenständigen Beiträgen besteht, die im besten Fall von anderen Medien aufgenommen werden. .." surber, k woz - genauer als: "Medienvielfalt entsteht nicht allein durch Programme, sondern durch funktionierende, koordinierte Grundlagen"
Thomas Gilgen
15.01.2026 11:59 Uhr
Was in der Debatte rund um die Halbierungsinitiative weitgehend fehlt, ist der Blick auf Systemeffekte, von denen die gesamte Branche profitiert, ohne sie selbst finanzieren zu müssen. Solche Effekte setzen jedoch eine kritische Grösse und institutionelle Stabilität voraus. Medienvielfalt entsteht nicht allein durch Programme, sondern durch funktionierende, koordinierte Grundlagen: die Unterstützung des ASTRA bei der Tunnelversorgung, die Koordination des Sicherheits- und Notfunkbetriebs für BABS und VBS, internationale Frequenzkoordination, Marktentwicklung in Zusammenarbeit mit dem B2B-Gerätehandel und Autoimporteuren sowie Tests und Messungen. Diese Leistungen lassen sich weder rein marktgetrieben noch kleinteilig organisieren, ohne Effizienz, Sicherheit und Verlässlichkeit zu verlieren. Sie bilden einen Ordnungsrahmen, der oft als selbstverständlich wahrgenommen wird, dessen Sicherstellung jedoch dauerhafte Verantwortung und ausreichende Grösse erfordert. Ein konkretes Beispiel ist der Aufbau von DAB/DAB+ in der Schweiz. Die SRG wirkte hier nicht nur als Senderin, sondern als Markt- und Systemmotor: Sie bereitete Importeuren, Handel und Automobilbranche den Technologiewechsel vor, beriet grosse Händler, erklärte den Wechsel von DAB auf DAB+ und investierte über Jahre erheblich in Technologie-Kommunikation, Messeauftritte und Aufklärung – inklusive kostenloser Werbeminuten für neue Technologien. Davon profitierten später auch die Privatradios, die ab 2009 eigene DAB+-Netze aufbauen konnten. Privatradios leisten solche Infrastruktur- und Koordinationsbeiträge nicht – nicht aus bösem Willen, sondern aus ökonomischer Rationalität. Die notwendigen Kompetenzen sind kostenintensiv, der Nutzen nicht exklusiv verwertbar. Zudem verlieren Privatradios seit 2019 Reichweite und stehen unter strukturellem Ertragsdruck. Es ist daher unrealistisch anzunehmen, dass sie diese Systemverantwortung übernehmen könnten, falls die SRG halbiert wird. Die zentrale Frage lautet deshalb nicht „SRG ja oder nein“, sondern: Wer übernimmt künftig jene koordinierenden Infrastruktur- und Systemaufgaben, bei denen Marktmechanismen an ihre Grenzen stossen, öffentliche Interessen bestehen und eine gewisse Grösse notwendig ist?
Oscar Kumli
15.01.2026 11:27 Uhr
Nichts Neues in der perfiden, arglistigen Argumentation von Rechtsaussen.
Danilo Monteduro
15.01.2026 09:11 Uhr
Die Argumentation von Rutz zur SRG-Initiative lebt stark von politischem Framing und blendet zentrale Fakten aus. Die Unternehmensabgabe für Radio und TV ist keine "verfassungswidrige Steuer", sondern demokratisch legitimiert und wurde von den Gerichten nur in ihrer konkreten Tarifgestaltung kritisiert, nicht in ihrer Existenz. Von "Doppelbesteuerung" zu sprechen, ist deshalb in erster Linie Kampagnenrhetorik: Haushalte und Unternehmen sind unterschiedliche Abgabepflichtige mit verschiedenen Begründungen. Auch die Erzählung einer "ausufernden" SRG im Netz hält einer nüchternen Betrachtung schlecht stand: Der Online-Auftrag ist in der Konzession ausdrücklich vorgesehen, und Studien zeigen, dass SRG-Nutzer private Medien überdurchschnittlich stark mit konsumieren. Öffentliche und private Angebote ergänzen sich, anstatt sich einfach zu verdrängen. Wer in diesem Umfeld ohne Zahlen eine massive Gebührensenkung als Garant für mehr Medienvielfalt verkauft, verschweigt vor allem, dass zuerst die teuren Minderheitensprachen und die Regionen ausserhalb der Zentren unter Druck geraten würden. Also genau jene Vielfalt, die man zu schützen vorgibt.
Mark Balsiger
14.01.2026 23:16 Uhr
Nationalrat Gregor Rutz verbreitet Fake News: Erstens: Die Minarett-Initiative stammt aus der Küche des Egerkinger Komitees und wurde von diesem auch über Jahre bewirtschaftet - nicht von der SVP.. Zweitens: Die Mediensteuer für Unternehmen wurde im Juni 2015 durch einen Entscheid des Volkes an der Urne eingeführt. Der Stichentscheid des Nationalratspräsidenten hat keine Relevanz. Abschliessend: Herr Rutz spricht unverdrossen von Markt und Wettbewerb. Dabei blendet er die Disruption der Medienbranche komplett aus. 75 Prozent aller Werbeeinnahmen gehen heute weltweit zu den Tech-Giganten.
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