Herr Hofmann, Sie sind Headhunter im Medienbereich. Wie wirkt sich die Krise in Ihrem Business aus?
Interessant. Alles ist in Bewegung. Auch meine Mandanten sind nochmals anspruchsvoller geworden, vor allem, was die Qualität der Bewerber betrifft. Früher verlangten die Klienten ein paar Dossiers, und bereits nach kurzer Zeit folgte die Entscheidung. Heute kann der Prozess bis zu einem halben Jahr dauern. Die Auftraggeber recherchieren und hinterfragen intensiver als früher. Bei wichtigen Stellen "scannt" man heutzutage praktisch den ganzen Markt. Und dafür braucht es unser ganzes Know-how
Werden in Zeiten der Wirtschaftskrise weniger Stellen besetzt?
Das kann man nicht pauschal sagen. Wenn man das Impressum diverser Zeitungen genauer anschaut, entdeckt man, dass die einzelnen Verlagshäuser trotz aller Restrukturierungsmassnahmen immer wieder zusätzliches Personal einstellen. Nur hängt man dies nicht mehr an die grosse Glocke. Statt auffälliger Stelleninserate setzt man sich lieber diskret mit einem Personalberater zusammen.
Welche Leute werden momentan gesucht?
Meist handelt es sich um Leute für ausgeprägte Führungspositionen, oder um Topshots im Verkauf oder im Online-Marketing. Häufig geht es auch um eine Kombination von speziellen Fähigkeiten; oft wird regelrecht die "eierlegende Wollmilchsau" gesucht.
Benutzt man also die Krise als Ausrede, um gute Leute anzuheuern und schlechte Mitarbeiter zu entlassen?
Dafür braucht es keine Krise. Positiv gesehen überlegt man aber ernsthafter als auch schon, was die jeweils beste Konstellation ist. Und auch nicht zu vergessen: Wer die Krise als Ausrede für ein verwerfliches Verhalten benutzt, "vertäubt" oft gerade seine besten Leute tatsächlich gibt es in der Branche Fälle, in denen qualifizierte Arbeitskräfte aus "Trotz" gekündigt haben.
Ist das wahr? Im Augenblick wird kaum jemand seine Stelle aufgeben wollen?
Die Wirtschaftskrise oder Existenzängste sind längst kein Hinderungsgrund fu¨r einen Stellenwechsel. Natürlich nicht nur aus "Trotz", sondern auch aus vorausschauender Überlegung. Letztlich ist ja nichts gefährlicher, als "stehen zu bleiben" oder am falschen Ort zu verharren. Wird eine interessante Position angeboten, sind die meisten Personen, welche wir anfragen, jedenfalls offen für eine Neuorientierung. Wenn wir eine Person anrufen und ihr einen passenden Job anbieten, schliesst der Betreffende meist die Bürotüre oder ruft kurze Zeit später zurück. In diesem Moment wissen wir, dass eine berufliche Veränderung durchaus willkommen ist. Zudem kennt wohl jeder Betriebe, wo einerseits viele Mitarbeiter über die Klippe springen mussten, gleichzeitig aufgrund der Reorganisation handkehrum neue Stellen entstanden sind.
Das heisst, es kommt gar nicht zu einem Stellenabbau ...
Wie die Bilanz nach dem grossen Ab-, Um- und Neuaufbau unter dem Strich wirklich aussieht, kann niemand genau sagen. Dies auch darum, weil man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen kann. Zum Beispiel werden plötzlich "andere" Journalisten verlangt ...
Was müssen besagte Personen besser machen als "normale" Journalisten?
Die offensichtlichste Veränderung ist der Ruf nach Online-Fähigkeiten, nach verkürztem und verdichtetem Schreiben, im Fachjournalismus auch nach Multifunktionalität bis hin zum unternehmerischen Mittun. Generell haben sich die Umstände, unter denen sich ein Journalist "rechnet", massiv verändert. Die Zeiten, in denen sich ein Spezialist ganz auf ein Thema konzentrieren und Ende Monat diesen einen Text liefern konnte, sind definitiv vorbei. Und weil schlankere Unternehmen oft auch mit flacheren Hierarchien verbunden sind, wird zunehmend eine breite Vorbild- und Führungskompetenz verlangt.
Welches sind die fünf attraktivsten Jobs in der Schweiz im Bereich Medien und Werbung?
Dazu gehört sicherlich die Position des Blick-Chefredaktors...
Sucht Ringier wirklich jemanden?
(Lacht) Kaum. Ralph Grosse-Bley ist Chefredaktor ad interim und wird demzufolge beim Blick auch in nächster Zeit eine wichtige Rolle einnehmen. Zudem spielt er mit Marc Walder, Chef Ringier Schweiz, im schlagkräftigen Doppel. Während der Ausgestaltung der neuen Newsroom-Organisation wird das sicher so bleiben; auf weitere Entscheide darf man natürlich immer gespannt sein. Auch die definitive Nachfolge von SRG-Direktor Armin Walpen sowie diejenige von Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre gehören zu den attraktiven Positionen, umso mehr, als hier jetzt sogar ein "Superdirektor" gesucht wird.
Sucht die SRG wirklich nach einem neuen Direktor, oder wird diese Stelle unter der Hand vergeben?
Wie jeder interessierte Mensch lesen konnte, wird zunächst der Nachfolger von Armin Walpen gesucht, anschliessend der Fernsehbeziehungsweise Konvergenzdirektor. Und "unter der Hand" kann man eine derart "öffentliche" Position sowieso nicht vergeben. Für eine schnelle Übergangslösung haben alle Verständnis, aber für die definitive Lösung muss jeder Qualifizierte und Ambitionierte im Land seine Chance haben man stelle sich nur schon vor, wie die Übergangenen sonst aufschreien würden!
Wann wissen Sie, dass die richtige Person vor Ihnen steht?
Wenn Kopf und Bauch gleichzeitig Ja sagen. Wobei man ja stets mit mehreren valablen Kandidaten spricht: Während der eine fachlich herausragt, brilliert der zweite speziell in Sachen Persönlichkeit, der dritte bringt ein sensationelles Gespür für Trends mit und so weiter. Mein Job ist es, aufgrund des Briefings den insgesamt geeignetsten zu empfehlen. Dabei verlasse ich mich primär auf "20 Jahre Bauchgefühl", lasse aber in jedem Fall ein grafologisches Gutachten erstellen, um meine Eindrücke zu kontrollieren. Teure Assessments gebe ich nur auf ausdrücklichen Wunsch in Auftrag, weil ich feststellte, dass sich die Ergebnisse praktisch durchwegs mit dem Fazit einer kompetenten Schriftanalyse decken.
(Interview: Matthias Ackeret)
Lesen Sie das vollständige Interview in der aktuellen November-Ausgabe von "persoenlich".

