Herr Stutz, Sie waren fast zwanzig Jahren bei Ringier. Weshalb erfolgt Ihr Abgang gerade jetzt?
Ich habe diesen Zeitpunkt bewusst gewählt. Er ist gut für mich und für meinen Arbeitgeber. Die Sendungen vor der Sommerpause sind im Kasten. Ringier hat nun zwei Monate Zeit, einen Nachfolger für mich zu suchen.
Was sind die Gründe für Ihren Weggang?
In Kürze hätte ich das 20-Jahre-Jubiläum feiern müssen, das ist nicht mein Ding. Zudem machen mir meine Kinder vor, wie man schon als Minderjähriger selbständig wird. Da will der Vater ihnen nicht nachstehen.
Werden Sie sich nun eine Auszeit gönnen?
Ich bin nicht ein Mensch der sich gerne ausruht, sondern einer der gerne arbeitet. Es liegen noch viele Aufgaben vor mir: Untersuchungen sagen, Gesundheitskompetenz ist heute ein zentrales Element. Es ist das Medikament, das uns alleine vor einem riesigen Kollaps in Sachen Diabetes und Übergewicht bewahren kann. Dem will ich mich in den kommenden 20 Jahren verschreiben -- und dies mit einer weiteren, umgebauten Medienpraxis.
Sie sind der TV-Arzt der Nation. Wird "Gesundheit Sprechstunde" ohne Sie weiter bestehen?
Ganz bestimmt. Denn jeder ist ersetzbar. Es gibt schliesslich viele Personen, die TV machen können. Mein Nachfolger wird die Sendung vielleicht auf eine völlig andere Art gestalten.
Rückblickend gesehen: Was waren die Höhepunkte in Ihrer Tätigkeit für Ringier?
Vor ein paar Jahren zählte unsere Sendung auf SF2 bis zu 600'000 Zuschauer, für das zweite Programm des Schweizer Fernsehens eine sehr hohe Einschaltquote. In einer Sendung haben wir damals die beiden grosse Volksthemen Rauchen und Übergewicht behandelt. Als Gast eingeladen war Nella Martinetti. Unmittelbar bevor sie auftrat, zeigten wir, wie dem Ehemann einer sehr prominenten Frau wegen des Rauchens ein Bein amputiert werden musste. Danach kam das Thema Übergewicht zur Sprache an einem Gourmettisch inmitten des Studios. Das war eine der verrücktesten Sendungen. Ebenfalls unvergessen sind sicherlich die Urinuntersuchung von Uriella und auch, als ich unter Ecstasy-Einfluss eine Sendung moderiert habe.
Gab es auch Tiefpunkte?
Längere schwierige Phasen gab es nicht. Ich stand bisweilen medial ziemlich im Kreuzfeuer. Aber das musste sein. Wer eine Mission lebt, kann nie ohne Widerspruch leben.
Die Sendung "Gesundheit Sprechstunde" hat die besten Jahre hinter sich und erreicht heute weniger Zuschauer als früher. Woran krankt der Patient?
Das Internet setzt allen zu und ist eine grosse Konkurrenz fürs TV, welche die Kern-Zielgruppen dahinschmelzen lässt. Im Gegensatz zu anderen Sendungen bewegt sich unsere Einschaltquote jedoch immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Auf einem Privatsender am heiss umkämpften Sendeplatz Sonntagabend 200'000 - 300'000 Zuschauer zu erreichen, ist doch eine Leistung.
Inwiefern haben sich die Themen der Sendung erschöpft?
Überhaupt nicht. Die Themen, mit denen wir uns in Zukunft beschäftigen werden, sind gegeben. Aber man muss neue Gefässe finden und sie völlig neu aufbereiten. Das ist der entscheidende Punkt. Unser Tun muss noch viel mehr Wirkungskraft entfalten und den Zuschauer an der Hand nehmen.
Konkreter?
Ich darf noch nicht zu viel verraten. Nur soviel: Es steckt eine ganze Vision dahinter. Wir wollen verschiedene Instrumente weiterentwickeln und Gesundheitsprogramme auf eine viel umfassendere und neuartige Art und Weise aufgleisen. Dabei geht es nicht mehr nur um das Vermitteln von Informationen sondern um Programme, die die Menschen dazu bringen, sich zu verändern.
Beispielsweise?
Die meisten Raucher wollen aufhören, schaffen es aber nicht, weil sie nicht die richtigen Instrumente dazu erhalten. Viele Menschen versuchen mit allen möglichen Diäten abzunehmen, aber es gelingt ihnen nicht. Meine Aufgabe wird es in Zukunft sein, die Instrumente zu entwickeln, welche diese Probleme lösen. Gemeinsam mit starken, hochkompetenten Partnern will ich die Leute dazu bringen, aus dem Gewohnten auszubrechen.
Ringier gehört nicht zu diesen Partnern?
Das ist nicht ausgeschlossen. Ich werde nun meine Praxis neu einrichten können. Dabei werden verschiedene Architekten, Unternehmer und Handwerker anklopfen. Ob Ringier dabei sein wird, ist offen.

