Dass die NZZ zur Abstimmung über das Covid-Gesetz-19 keine Stimmempfehlung abgibt, irritierte insbesondere auf Social Media (persoenlich.com berichtete). Chefredaktor Eric Gujer hat nun in der Montagsausgabe der Neuen Zürcher Zeitung und auf der Website erklärt, wie es dazu kam: «Das Gesetz ist bei unserem Leserkreis und innerhalb der Redaktion sehr umstritten. Es gibt viele plausible Argumente auf beiden Seiten. Und es ist kein abstraktes Thema, sondern betrifft das Leben aller unserer Mitarbeiter und Leser unmittelbar. Diesen Zwiespalt wollten wir ausnahmsweise abbilden.»
Eigentlich würde die NZZ «immer eine Parole fassen», so der Chefredaktor weiter. Beim Covid-19-Gesetz hätten sie jedoch entschieden, das Thema zuerst mit einem Pro und Contra abzuhandeln. «Das machen wir normalerweise nicht», sagt Gujer. Inland-Chefin Christina Neuhaus habe die Hausmeinung schliesslich in einem Leitartikel vertreten.
Entschieden wird «in der Regel im Konsens»
Gujer hat zudem einen Einblick gewährt, wie Parolen zustande kommen. Im Zweifelsfall würde sich ein kleiner Ausschuss abstimmen, bestehend aus den Ressortleitern Inland, Wirtschaft, Zürich und weiteren Interessierten, zusammen mit dem Chefredaktor. In der Diskussion bilde sich eine Meinung heraus, sodass der Entscheid «in der Regel im Konsens» gefasst werde. «Bei Auffassungsunterschieden, die sich nicht überbrücken lassen, entscheidet der Chefredaktor», sagt Gujer.
Weiter gilt bei der NZZ das Fachredaktorenprinzip: Journalistinnen und Journalisten, die sich bereits intensiv mit einem Thema befasst haben, würden im Vorfeld einbezogen und «die Entscheidungsfindung prägen». Der Ausschuss richtet sich gemäss Gujer aber nicht zwingend nach dem Fachredaktor: «Es ist ein Diskussionsprozess, bei dem alle Betroffenen einbezogen werden. Das ist ganz wichtig.» (tim)