10.11.2021

NZZ

Abstimmungsparole zu Covid-19-Gesetz fehlt

Im Vorfeld des Urnengangs vom 28. November gibt die Neue Zürcher Zeitung bei einer Vorlage keine Empfehlung ab. Das irritiert vor allem in den sozialen Medien.
NZZ: Abstimmungsparole zu Covid-19-Gesetz fehlt
Ja oder Nein zum Covid-19-Gesetz? Die Meinung der NZZ bleibt im Dunkeln. (Bild: NZZ)

«Hopplaschorsch!», schrieb Tamedia-Bundeshausredaktor Markus Häfliger dieser Tage auf Twitter. «Gab es das in 241 Jahren NZZ überhaupt schon einmal?» Dazu postete er einen Zeitungsausschnitt vom Samstag – und zwar den Parolenspiegel zu den Abstimmungen vom 28. November.


Die Neue Zürcher Zeitung nimmt jeweils im Parolenspiegel Stellung zu den einzelnen Abstimmungsvorlagen. Diesmal lehnte die NZZ die Pflegeinitiative ab, und auch die Justizinitiative wurde zur Ablehnung empfohlen. Beim Covid-19-Gesetz hiess es: «Die NZZ enthält sich einer Empfehlung.»

Dies irritierte offenbar nicht nur Häfliger selbst. Unter seinem Tweet finden sich Kommentare wie «Peinlich für ‹alte Tante›», «Auf beiden Hochzeiten tanzen, würd ich dem sagen» oder «Sackschwache Leistung».

Die im Tweet markierte NZZ-Inlandchefin Christina Neuhaus konnte die Frage, ob es eine solche Enthaltung in der 241-jährigen Geschichte schon einmal gegeben habe, nicht beantworten. «Ich bin erst seit 20 Jahren hier», schrieb sie.

Um Häfligers Frage doch noch zu beantworten, fragte persoenlich.com direkt bei der NZZ nach. Nun ist klar: Ein Novum ist es nicht. «Wir haben in der Vergangenheit auch schon auf die Publikation von Stimmempfehlungen verzichtet», so Karin Heim, Leiterin Unternehmenskommunikation, am Mittwoch. «Die Abstimmung über das Covid-Gesetz ist kontrovers und beschäftigt die Gesellschaft sehr.» In der Rubrik «Meinung & Debatte» habe die NZZ zur Frage Pro und Contra publiziert. (cbe)


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KOMMENTARE

Rudolf Bolli
11.11.2021 16:52 Uhr
Von der Leiterin Unternehmenskommunikation der NZZ-Gruppe zu vernehmen, die Abstimmung über das Covid-Gesetz sei kontrovers und beschäftige die Gesellschaft sehr, ist ja eigentlich geradezu eine Begründung dafür, dass die Neue Zürcher Zeitung (nicht die NZZ-Gruppe) Stellung beziehen sollte. Wer leitet eigentlich diese Zeitung? Die Chefredaktion oder Leiterin der Unternehmenskommunikation, die eben erst ihr Amt angetreten hat? Wer sich bei der Abstimmung über die Ergänzung des Covid-19-Gesetzes um eine Stellungnahme drückt, stellt sich selbst in die Ecke. Und schliesslich fragt ohnehin kaum mehr jemand danach, was aus dieser Ecke kommt.
Rudolf Penzinger
11.11.2021 07:45 Uhr
Wie in Deutschland scheint der "andere Blick" auch bei Covid nach ganz rechts zu schielen.
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