30.08.2026

Medientagung

Widerspruch bei der Nutzung von Social Media

Die Jugendlichen informieren sich hauptsächlich auf Social Media, obwohl sie diesen Kanälen weniger vertrauen als klassischen Medien. Das zeigt eine Studie, die an der Medientagung «Assises presse et démocratie» in Genf vorgestellt wurde. Ladina Heimgartner und Pascal Crittin zeigen sich kritisch gegenüber der Nutzung dieser Kanäle.
Medientagung: Widerspruch bei der Nutzung von Social Media
Ladina Heimgartner und Pascal Crittin diskutierten am Freitag in Genf darüber, wie traditionelle Medien mit Social Media umgehen. (Bild: Screenshot/Zoom)

Eine Studie im Auftrag der Medientagung «Assises presse et démocratie» in Zusammenarbeit mit Blick Romandie zeigt: Junge Menschen informieren sich mehr, als man denkt. Im Schnitt wenden die Befragten täglich 48 Minuten für Nachrichten auf, knapp 30 Prozent zwischen 30 und 59 Minuten, weitere 28 Prozent sogar mindestens eine Stunde. Die Umfrage wurde diesen Sommer vom Institut MIS Trend unter 782 Personen zwischen 15 und 40 Jahren in der Romandie durchgeführt.

Soziale Netzwerke sind der meistgenutzte Kanal: 45 Prozent der Befragten nutzen sie täglich oder fast täglich zur Information. Websites und die gedruckte oder digitale Presse folgen mit 24 respektive 23 Prozent deutlich dahinter. Bei den 15- bis 25-Jährigen fällt der Vorsprung sozialer Netzwerke gemäss Studie noch stärker aus als bei den 26- bis 40-Jährigen, die eher auf Nachrichtenseiten und Presseangebote zurückgreifen.

Dabei kommt ein Widerspruch zum Vorschein. 78 Prozent der Befragten gaben an, sozialen Netzwerken eher oder gar nicht zu vertrauen. Radio und Printmedien geniessen dagegen mit je 73 Prozent deutlich höheres Vertrauen, das Fernsehen erreicht 69 Prozent. Auch Journalistinnen und Journalisten schneiden mit 66 Prozent Vertrauen klar besser ab als Content-Creator, denen nur 22 Prozent der Befragten vertrauen. «Man informiert sich bei Kanälen, denen man nicht vertraut», fasste MIS-Trend-Direktor Matthias Humery an der Tagung zusammen.

Über die Ergebnisse der Studie diskutierten Ladina Heimgartner, CEO von Ringier Medien Schweiz, und RTS-Direktor Pascal Crittin. Heimgartner zog ein nüchternes Fazit zum Engagement der Verlage auf Social Media. Reichweite und Klicks seien zwar hoch, brächten dem Unternehmen aber kein Geld ein. Sei das Ziel Branding oder das Erreichen jüngerer Zielgruppen, sei das legitim – die Erwartung hingegen, dass dieses Publikum danach zu den eigenen Plattformen wechsle, bezeichnete sie als «Illusion». «Es ist sogar ein bisschen gefährlich, weil wir damit zusätzliche Gründe liefern, nicht zu uns zu kommen.» Klar sei: «Eine Welt ohne Social Media war ökonomisch gesehen für uns besser.»

Auch Crittin zeigte sich kritisch über das Nutzen von Social Media durch die traditionellen Medien. Es sei wichtig für die Service-public-Sender, das Publikum, das die Inhalte auf Fremdplattformen konsumiert, auf die eigenen Kanäle zu holen. Die Marke müsse existieren. Ausserdem will sich die SRG von den Fremdplattformen distanzieren. «Wir sind dabei, eine Politik einzuführen, in der nicht mehr alles frei zugänglich ist.» Man wolle mit den Plattformen diskutieren. Crittin verwies dabei auch auf die in der Schweiz aufkommende Debatte um verwandte Schutzrechte. Auch wenn die Schweiz als Markt klein sei, produzierten die Schweizer Medien gemeinsam die qualitativ beste Schweizer Information – und diese habe einen Wert, auch gegenüber Suchmaschinen, die auf Schweizer Inhalte angewiesen seien.


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