Aktueller könnte das Thema des Abschlusspanels der diesjährigen Neujahrstagung der Verleger nicht sein: Vertrauen in die Medien. Die Fälschungs-Affäre um «Spiegel» Reporter Claas Relotius sorgte in den vergangenen Wochen für rege Diskussionen über Faktentreue in Schweizer Medien. Können die Nutzerinnen und Nutzer darauf vertrauen, dass stimmt, was in den Medien steht? Und wie wird das in den Schweizer Redaktionen sichergestellt?
Auf dem Podum diskutierten «Weltwoche»-Chef Roger Köppel und NZZaS-Chefredaktor Luzi Bernet, welche beide Artikel von Relotius abgedruckt haben. Daneben sassen Tagi-Chefredaktorin Judith Wittwer und Sidonia Küpfer, Mitglied Redaktionsleitung «Schaffhauser Nachrichten».
Faktentreue über Stil stellen
«Als Chefredaktoren haben wir eine Verantwortung, redaktionsintern daraufhinzuweisen, dass Journalismus ein solides Handwerk ist», sagte Wittwer dazu. Es müsse eine Kultur herrschen, in der Relevanz und Faktentreue über Stil gestellt würden. Man müsse auch Starschreibern kritische Fragen stellen. Die Tagi-Chefredaktorin verteidigte auf dem Podium das Genre Storytelling. «Es ist wichtig, sprachlich an Artikeln zu feilen und die Leser mit einem guten Einstieg an trockene Materie ranzuführen», fügte sie an.
Im Lokaljournalismus könnte ein Fall Relotius nicht passieren, gab Tagungsmoderator und «persönlich»-Verleger Matthias Ackeret das Wort an Sidonia Küpfer von den «Schaffhauser Nachrichten» weiter. «Mir wird es zurzeit fast etwas ‹Gschmuch› bei all dem Lob», sagt sie. Aber ja, es stimme. «Man erhält nirgends so viele Rückmeldungen wie im Lokaljournalismus. Wenn etwas in einem Artikel nicht stimmt, fliegt es dem Journalisten am nächsten Tag um die Ohren.»
«Weltwoche»-Interviews Grossteils autorisiert
Luzi Bernet und Roger Köppel sprachen über die Aufarbeitung des Falles. «Keiner der sechs Artikel von Relotius, die bei uns erschienen sind, wurde von A bis Z erfunden», sagte der «NZZ am Sonntag»-Chefredaktor. Bernet bedauert, das Relotius selbst für ihn nicht zu erreichen ist. Auch der «Weltwoche»-Chef kritisiert den Starreporter für sein Abtauchen. Man sei dabei, den Fall aufzuklären.