30.05.2007

"Wir bleiben unabhängig -- so lange es den Kanton Schaffhausen gibt"

Unabhängige regionale Verlage gehören in diesen Tagen zu einer aussterbenden Spezies. Den Annäherungsversuchen der Zürcher Grossverlage bisher erfolgreich getrotzt haben indes die Schaffhauser Nachrichten. Eingekreist von Tamedia-Titeln, hält das unabhängige Blatt weiter die Stellung. Doch wie lange lassen dies die Marktverhältnisse noch zu? "persoenlich.com" sprach mit Norbert Neininger, Herausgeber und Verleger der Nordostschweizer Zeitung. Das Interview:
"Wir bleiben unabhängig -- so lange es den Kanton Schaffhausen gibt"

Herr Neininger, Tamedia hat mit der Espace Media Group erneut einen regionalen Verlag geschluckt. Wie lange können Sie in Schaffhausen Ihre Stellung als unabhängiger Verleger noch halten?

Nun, so lange es den Kanton Schaffhausen gibt -- und das ist, so wie es aussieht, noch sehr, sehr lange. Im Ernst: Wir fühlen uns ganz gut und freuen uns, dass die Geschäfte gut laufen.

Nimmt der Druck auf Ihren Verlag nicht zu?

Das berührt uns nicht; die Nachfolgelösung in Bern -- wo die Tamedia ja schon 49 Prozent an der Berner Zeitung besass -- ändert für uns nichts.

Trotzdem: Immer mehr Regionalverlage werden von Zürich aus kontrolliert. Ist die Marktsituation für Sie nicht ungemütlicher geworden?

Nein, im Gegenteil. Wir sehen, dass die Grossverlage nach wie vor sehr interessiert an kleineren sind. Darüber freuen wir uns, denn das beweist, dass wir attraktive Unternehmen sind.

Mit welchem Rezept haben unabhängige regionale Verleger noch eine Chance, sich angesichts der Marktkonzentration zu behaupten?

Wer für die Leserinnen und Leser unentbehrlich ist, dessen Zahlen stimmen und der wird auch für Inserenten attraktiv bleiben. Natürlich muss man crossmedial denken und den Weg vom Verlag zum Medienhaus beschreiten; das haben wir gemacht: Wir haben ein Radio, eine Fernsehstation, Internetplattformen und die Tageszeitung; überall sind wir in der Region die Nummer 1. Und wir haben Partnerschaften im überregionalen Bereich, so etwa das Kombi 1 mit der Thurgauer Zeitung sowie dem Landboten. Ebenfalls halten wir eine Beteiligung an der Online Consulting, deren rund 80 Mitarbeiter Internetlösungen konzipieren und programmieren.

Kommen denn Verlage wie der Ihre überhaupt noch an grosse nationale Werbeaufträge ran?

Natürlich, sofern sie gescheite Kombinationsabgebote machen. Auch der national Werbetreibende sucht letztlich das regionale und lokale Geschäft, denn "All Business is local" gilt noch immer.

Sie sind mit der Thurgauer Zeitung und dem Landboten von Tamedia-Titeln eingekreist. Werden Sie nun verstärkt die Zusammenarbeit mit anderen Titeln suchen müssen?

Wir arbeiten bereits mit der Thurgauer Zeitung und dem Landboten im Kombi 1 zusammen und haben sowohl im Print wie auch beim Radio Kombinationen mit dem Südkurier.

Inwiefern bietet die Konzentrationsentwicklung im Medienmarkt den verbliebenen kleineren Verlagen Vorteile?

Zwischen grossen Blöcken hat es grosse Zwischenräume; kleine sind manchmal schneller und effizienter und dümmer sind sie auch nicht. Ebay, Amazon, Youtube und auch Google wurden nicht von Grossverlagen konzipert.

Abschlussfrage: Sie sind im Vorstand des Verbands Schweizer Presse. Wie stark haben sich die Beziehungen zwischen Vertretern der regionalen und der nationalen Presse in der Vergangenheit abgekühlt?

Es gehört zu den schönsten Eigenschaften der Schweizerinnen und Schweizer, dass sie bei allen beruflichen Meinungsverschiedenheiten menschlich kollegial miteinander umgehen; die Arbeit für die gemeinsame Sache im Verband verbindet uns alle. Ich will aber nicht verhehlen, dass auch mal Klartext geredet wird, das Verbindende steht aber über dem Trennenden.


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