Herr Mazzara, derzeit sendet Joiz jeden Tag live aus London. Was ist Beat TV genau?
Beat TV ist eine tägliche Sendung aus London, die sich rund um Sport und Musik dreht und dies natürlich aus einer jungen Perspektive. Beat TV wird vom grössten britischen Privatsender itv produziert und ist von Coca-Cola gesponsert. Wir sind mit unserer Moderatorin Alexandra, einem Produzenten und einem Kameramann vor Ort und produzieren so gemeinsam eine Schweizer Version von Beat TV.
Welche Bedeutung hat Beat TV für Ihren kleinen Schweizer Jugendsender?
Beat TV bietet andere Einblicke in die Olympischen Spiele, als sie sonst auf allen Kanälen zu sehen sind. Die Zusammenarbeit mit itv und dem Sponsor Coca-Cola ist spannend, denn eine eigene derart grosse Produktion würden wir uns nie leisten können. Daneben produzieren wir für Coca-Cola weltweit Online-Content zu Beat TV und beliefern Youtube, Facebook und alle möglichen Coca-Cola Seiten mit Videos. Für uns bedeutet diese enge Partnerschaft auf der globalen Stufe eines Weltkonzerns natürlich sehr viel: Joiz kann sich in verschiedener Hinsicht in diesem crossmedialen Umfeld positionieren.
Wie sieht Ihre Zwischenbilanz nach 10 Tagen Olympia aus?
Wir sind glücklich mit der Partnerschaft: Wir bieten unseren Zuschauern einen einzigartigen Einblick.
Bei Beat TV liefert Coca-Cola den Content, bei anderen Sendungen sind Marken wie M Budget oder Zweifel Chips beteiligt. Übernimmt Ihr Sender da einfach Sendungskonzepte dieser Marken? Oder werden Formate wie die M-Budget WG von Joiz mitentwickelt?
Die von Zweifel gesponserte Sendung "Knack Attack" stammt aus unserem Haus, und auch die M-Budget WG haben wir selbst entwickelt - in Zusammenarbeit mit der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat, deren Kunde eben die Migros ist. Eine der grossen Stärken von uns ist es eben, dass wir Branded Entertainment selber entwickeln können und zwar so, dass am Schluss eine Sendung entsteht, die für den Kunden und das Publikum interessant ist.
Ganz generell: Was hat sich für Joiz seit der Einspeisung in das analoge Kabelnetz geändert?
Joiz ist seit Sendestart in knapp 120 Kabelnetzen verfügbar, seit Mai nun auch bei der Cablecom in analog. Geändert hat sich natürlich, dass wir nun noch mehr Leute erreichen und das spürt man auch.
Wer steht eigentlich hinter Joiz?
Gegründet wurde der Sender von Kurt Schaad, Christoph Bürge, Peter Schulz und mir. Als weitere Investoren sind der Venture Capital Fond Creathor Venture und die Innovationsstiftung der Schwyzer Kantonalbank dabei.
Wie würden Sie die Rezeptur Ihres Programms beschreiben?
Joiz ist "Social TV" ein sehr interaktives Programm, bei dem die Zuschauer mitbestimmen können. Wir machen neues Fernsehen für die Generation Facebook. Während des Programms können die Zuschauer parallel zum TV-Konsum auf unserer Webseite oder iPhone-App abstimmen, Fragen stellen oder sich in Sendungen einchecken und dies hat Einfluss auf das Programm. Die Rezeptur lautet also "Dialog statt Monolog".
Wie bilden Sie Ihre jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus?
Wir haben sehr viele, sehr erfahrene Mitarbeiter, die alle weit über 10 Jahre für verschiedene TV Sender wie SF, Sat1 oder Produzenten wie Endemol gearbeitet haben. Wir geben diese Erfahrung an die jüngeren Mitarbeiter weiter, sei es in Workshops oder ganz einfach täglich on the job. Ab und zu vervollständigen wir dies durch externe Experten. Aber praktisch alle Mitarbeiter haben zuvor schon in ihrem Bereich gearbeitet, sei es bei einem anderen Medium oder einer anderen Sparte. Wir erfinden gerade "Social TV", da kann sowieso niemand zuvor bereits Erfahrungen gesammelt haben.
Der Erfolg des Senders steht und fällt mit talentierten, motivierten, jungen Mitarbeitern. Können Sie diesen vollwertige Journalistenjobs anbieten? Bei MTV lief das in Tat und Wahrheit oft unter Praktikanten-TV und bewegte sich sehr nahe an der Ausbeutung.
Ich kann nicht über die Geschäftspraktiken anderer Mitbewerber urteilen. Wir haben knapp 40 Vollzeitstellen bei Joiz - und daneben auch einige Praktikantenstellen. Einige der ehemaligen Praktikanten haben wir im Anschluss an das Praktikum fest anstellen können. Aber natürlich teile ich Ihre Meinung: Der Erfolg jedes Mediums hängt von motivierten und talentierten Mitarbeitern ab. Unsere Aufgabe ist es, diese zu finden.
Der Reiz Ihres Senders liegt in der Spontaneität und Lockerheit. Trotzdem darf das Ganze ja nicht völlig unprofessionell wirken. Wie tarieren Sie das aus?
Das Gegenteil ist der Fall. Je spontaner eine Sendung stattfindet und beeinflusst werden kann, desto profesioneller muss das Team dahinter arbeiten. Das geht von der Moderation über den Kameramann, die Social Media Truppe bis in die Regie jeder muss jederzeit mit allem rechnen und hundertprozentig bei der Sache sein. Wir pushen das bis ans Limit genau das ist "Social TV". Wir sind im Dialog mit unseren Zuschauern, nehmen sie ernst und agieren mit ihnen. Manchmal riskieren wir dafür eine Situation, wo das Licht im Studio nicht immer perfekt ist oder der Kameramann nicht genug schnell sein kann. Dafür sind wir authentisch und genau dies zeichnet uns eben auch aus.
Diejenige, die diesen Balanceakt mit am besten hinkriegt, ist Moderatorin Gülsha. Sie plappert behände, sie verausgabt sich für den Sender (siehe Fussmarsch ans Openair Frauenfeld), sie kann auch einen Star mit banalen Fragen bombardieren ohne blöd zu wirken. Bedeutet das, man braucht nur die richtigen Leute, dann ist ein Konzept hinfällig?
Das wichtigste Gut jedes Medienunternehmens sind seine Mitarbeiter oder eben: Die richtigen Leute. Das gilt wie bereits beschrieben sowohl für die Leute vor der Kamera als auch all die Menschen hinter der Kamera. Und die haben wir. Trotzdem machen wir nichts ohne Konzept. Gülsha stellt ganz bewusst viele einfache Fragen, die jeden interessieren, vor denen aber viele Journalisten Angst hätten, weil sie blöd wirken könnten.
Die Sendung "JoiZone" widmet sich vertieft einem Thema, seis nun der Rolle von Facebook, Sex, einem eingehenden Gespräch mit Roger Schawinski, usw.. Das Niveau ist sehr schwankend. Wie versuchen Sie Qualität sicherzustellen?
Da widerspreche ich. Die Themenvielfalt von "JoiZone" ist weitreichend, im Kern sind es alles gesellschaftrelevante Themen für junge Schweizer Erwachsene. Bei fünf wöchentlichen Sendungen gibt es natürlich Themen oder Gäste wie Sex oder Roger Schawinski, die polarisieren, Beachtung finden oder heftig diskutiert werden. Daneben haben wir aber auch immer wieder wichtige Themen, die vielleicht nicht derart kontrovers sind. Ich würde dies aber nicht mit Niveau verwechseln. Unsere Programmchefin Elif Erisik ist im Vorfeld in den Prozess des Themensettings involviert und bespricht diese Themen mit den einzelnen Redaktionen. Im Nachgang gibts Sendekritiken in den Redaktionen, wichtige Themen besprechen wir im gesamten Team. Wer Dinge ausprobiert, darf Fehler machen. Nur ein zweites Mal sollen die gleichen Fehler nicht passieren.
Ihr Sender setzt auf Interaktivität. Die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer beteiligen sich am Programm, schalten sich via Twitter und Skype in die Sendungen mit ein. Wie weit geht diese Beteiligung?
Die Zuschauer können via unserer Webseite oder unserer iPhone-App Fragen stellen, kommentieren, abstimmen, sich einchecken oder ab heute auch via Red Button an Gewinnspielen teilnehmen oder sich Informationen oder Spezialcontent freischalten. Die Beteiligung ist zum Teil enorm und wir müssen neue Formen und technische Lösungen finden, wie wir dies handhaben können. Aber gerade für die Werbepartner ist dieser Bereich äusserst spannend.
Kann das Publikum auch zu viel Macht bekommen? Während der Sendung "Knack Attack" kam es vor ein paar Wochen zu einer vermeintlichen technischen Panne. Moderator Knackeboul moderierte schlussendlich mit einem Strauss von drei Mikrofonen. Für mich war kein Defekt hörbar. Wurde er vom Publikum verschaukelt?
Wir haben keine Angst vor unserem Publikum im Gegenteil. Bis jetzt haben wir fast ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht. Im konkreten Beispiel hatten wir leichte Tonprobleme und das Publikum hatte sofort reagiert. Knackeboul hat in seiner typischen Art die Publikumsreaktionen aufgegriffen und gleich zum Teil seiner Show gemacht. So muss es sein!
Wie gross ist das Interesse des Publikums an der Beteiligung?
Wir hatten im ersten halben Jahr über eine halbe Million Interaktionen während den Sendungen wie zum Beispiel Fragen oder Kommentare. Wir dürfen also ohne Übertreibung sagen, dass das Interesse gross ist. Welcher Prozentsatz des Publikums sich beteiligt, ist hingegen schwer abzuschätzen, weil wir die Gesamtzahl unserer Zuschauer nicht kennen. Anfang nächsten Jahres werden wir auch da Zahlen haben.
Verdienen Sie mit Joiz bereits Geld?
Wir sind knapp davor und werden dies im kommenden Jahr voraussichtlich tun.
Was sind die nächsten Schritte in der Etablierung und im Ausbau von Joiz?
Wir lancieren im August eine Reality-Doku im Vorfeld der M-Budget WG, im September lancieren wir die Balkan Charts mit Baba Uslender und Gülsha. Dazu schicken wir den Red Button mit Werbekunden ins Rennen erstmals werden TV-Spots in der Schweiz mit einer App oder auf unserer Webseite anklickbar sein. Darauf freue ich mich besonders.
Interview: Adrian Schräder

