Andrea Masüger, Sie haben die Branchenvereinbarung mit den Berufsverbänden als «ausgewogen» und «gut umsetzbar» bezeichnet. Wie werden Somedia Press, respektive die Südostschweiz, wo Sie weiterhin Verantwortung tragen, diese Vereinbarung umsetzen?
Ich gehe davon aus, dass wir sie umsetzen werden. Als Verwaltungsrat will ich dem Management nicht hineinreden, aber wir haben intern diskutiert und waren in den gesamten Prozess einbezogen. Darum bin ich zuversichtlich.
Wird sich für die Journalistinnen und Journalisten der Südostschweiz substanziell etwas ändern oder verbessern?
Substanziell sicher nicht – vielleicht in einzelnen Punkten. Vieles, was in dieser Vereinbarung steht, setzen wir bereits um. Das gilt für viele Verlage. Es gibt vielleicht solche, bei denen der Anpassungsbedarf grösser ist. Aber für die Mehrheit der Verlage, vor allem für die grossen, ist das eigentlich schon Standard.
Die Verbandsmitglieder haben mit 73 Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen zugestimmt. Erwarten Sie, dass in etwa dieselbe Quote der Verlage die Vereinbarung auch unterzeichnen wird – zumal die Teilnahme ja freiwillig ist?
Ich denke schon, dass es ungefähr diese Grössenordnung sein wird. Vielleicht etwas weniger, weil die Freiwilligkeit natürlich eine andere Dynamik erzeugt als eine Abstimmung. Aber ich gehe davon aus, dass wir das Quorum erreichen werden, das wir uns gesetzt haben.
Es gab insgesamt 30 Verhandlungsrunden über mehrere Jahre. Auf der Zielgeraden wäre die Vereinbarung fast noch gescheitert. Streitpunkt war die Stellung der Freischaffenden. Worum ging es da?
Impressum war es offenbar ein grosses Anliegen, die Freischaffenden auch der Vereinbarung zu unterstellen. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir nur arbeitsvertraglich gebundene Angestellte einbeziehen wollen. Nun hat das Präsidium ein «Merkblatt Freischaffende» zur Orientierung für unsere Mitglieder erstellt. Das hat am Ende unter anderem zum Konsens geführt.
Die Branchenvereinbarung ist auf drei Jahre befristet, also bis 2029. Was kommt danach?
Das wissen wir noch nicht. Ich denke, die Zeichen stehen nicht schlecht, dass man sie verlängert. Aber die Branche ist derart im Wandel, dass ich nicht sagen kann, was nach diesen drei Jahren das Ergebnis sein wird.
Syndicom bezeichnet die Vereinbarung als Trainingslager für einen Gesamtarbeitsvertrag. Macht der VSM bei solchen Verhandlungen mit?
Wir haben immer gesagt, dass wir keinen GAV wollen. Es gab zwar Verhandlungen darüber, aber die Arbeitnehmerseite wollte Dinge hineinschreiben, die für uns nicht infrage kommen – etwa fixe Lohnstufen, wie man sie früher kannte. Das wollen wir nicht mehr.
Heisst das, GAV-Verhandlungen sind ausgeschlossen?
Ausgeschlossen ist nie etwas – aber es ist sehr unrealistisch. Ich glaube, mehr als eine Branchenvereinbarung wird es auch künftig nicht geben.
Sie haben auch darauf hingewiesen, dass diese Vereinbarung dem Verband bei medienpolitischen Anliegen helfe, Türen zu öffnen. Wie meinten Sie das?
Wir haben schon auch den Druck aus dem Parlament gespürt: Wer den Sozialpartnern nicht entgegenkommt, kann in manchen medienpolitischen Fragen kaum Unterstützung erwarten. Das hat sicher dazu beigetragen, dass Schwung in die Diskussion gekommen ist. Ausschlaggebend war es aber nicht.
Der VSM hat in letzter Zeit verschiedene Vereinbarungen abgeschlossen – eine Grundsatzvereinbarung mit der SRG, den KI-Kodex und jetzt die Branchenvereinbarung mit den Berufsverbänden. Was steht hinter dieser Entwicklung?
Das alles ist Ausdruck einer Erkenntnis, die sich zunehmend durchsetzt: Angesichts neuer Technologien, die uns zum Teil bedrohen – KI und anderes –, muss die Branche zunächst zusammenstehen. Das betrifft die Beziehung zur SRG ebenso wie die zu unseren Mitarbeitenden. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass seriöse Publizistik in diesem Land erhalten bleibt. Wir haben genug Bedrohungen von aussen – da ist es besser, wenn man intern einigermassen einig ist.

