18.08.2008

"Wir machen das Magazin nicht, weil grün 'cool' ist"

Kommenden Sonntag erscheint die erste Ausgabe von "ecoLife" - das Schweizer Magazin für einen nachhaltigen Lebensstil. Damit tritt der Verlag Profile Publishing im Wettbewerb gegen die Medienhäuser Axel Springer Schweiz und Ringier an, die ebenfalls "grüne" Magazine angekündigt haben. "Natürlich sind wir der Zwerg zwischen den beiden Riesen", sagt "ecoLife"-Chefredaktor Paul Stierli. Im Gespräch mit "persoenlich.com" erklärt er, wie er sich mit seinem Magazin behaupten will. Das Interview:
"Wir machen das Magazin nicht, weil grün 'cool' ist"

Herr Stierli, gleich drei Verlage wollen ein Magazin lancieren, das sich den Kernthemen Umwelt und Nachhaltigkeit widmet. Warum ist das grüne Fieber ausgebrochen?

Es ist ein klarer Trend, dass immer mehr bewusst handelnde Menschen gesund leben und etwas für die Umwelt tun wollen -- ohne auf Lust und Lebensqualität zu verzichten. Darum haben wir uns für die Lancierung von "ecoLife" entschieden. Nach uns sind nun auch der "Beobachter" und die "Schweizer Illustrierte" auf diesen Zug aufgesprungen.

Sie nehmen also für sich in Anspruch, das Original zu sein?

Wir haben als erster Verlag ein Lifestyle-Magazin angekündigt, das sich "grünen" Themen widmet. Und "ecoLife" wird auch als erste Publikation dieser Art erscheinen. Wenn die "SI Gruen" für sich in Anspruch nimmt, das erste grüne Lifestyle-Magazin zu sein, wie das dauernd kommuniziert wird, stimmt das ganz einfach nicht. Letztlich entscheidet allerdings nicht die Schnelligkeit, sondern die Qualität.

Wollen die Medien der Umwelt wirklich Sorge tragen, oder lässt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit heute einfach gutes Geld verdienen?

Es geht uns nicht darum, leicht Geld zu verdienen. Das ist auch nicht so einfach.

Wie sieht das Inserateaufkommen für die erste Ausgabe von "ecoLife" aus?

Zwei Drittel des Heftes besteht aus redaktionellen Inhalten, ein Drittel aus Inseraten. Die erste Nummer wird -- auch wegen der Initial- und Promotionskosten -- noch nicht kostendeckend sein. Wir sind nicht ganz ausgebucht, aber im Plan.

Ist es nicht üblich, dass gerade Lancierungs-Ausgaben gut gebucht sind?

Wir wurden bei der Akquisition oft nach einer Nullnummer gefragt, die aber nicht zur Verfügung stand. Es ist legitim, dass man ein Produkt erst sehen will, bevor Inserate geschaltet werden. Insofern warten wir gespannt auf die Reaktionen nach der ersten Ausgabe.

Und was bekommt der Leser zu sehen?

"ecoLife" ist das Magazin für Nachhaltigkeit. Es berichtet über Entwicklungen und Trends in den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft. Diese drei Säulen der Nachhaltigkeit wollen wir mit einem modernen Lifestyle verbinden. Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur über Verzicht möglich ist. Man kann verantwortungsbewusst handeln und trotzdem oder gerade deswegen das Leben geniessen. Unsere Devise lautet: "bewusst schön leben".

Wie grün leben Sie persönlich?

Ich bin kein klassischer Grüner oder gar ein Öko-Fundamentalist der alten Schule mit Wollsocken und Birkenstocksandalen. Aber ich bin dezidiert der Meinung, dass wir mit unserer Umwelt nicht mehr weiter so rücksichtslos umgehen können wie bisher. Wir versuchen nun, Lösungen und Wege aufzuzeigen.

Wie unterscheidet sich "Ecolife" von seinen Wettbewerbern?

Im Juli brachte der "Beobachter" eine Titelstory über "Die grüne Lüge" und sprach im Editorial vom "grünen Selbstbetrug". Der grüne Megatrend und die Auswirkungen auf den Konsumenten wurden kritisch beleuchtet. In diese Richtung dürfte auch die grüne Ausgabe entwickelt werden. Bei der "SI Gruen" handelt es sich klar um ein People-Magazin, wenn man sich im Internet das Factsheet anschaut. "Öko ist cool", heisst es auf dem Cover, das von Melanie Winiger geziert wird. Zudem werden die Top 50 der grünen Hollywood-Stars präsentiert. Wir bleiben bei unserer ursprünglichen Linie und können gut mit den klar anders positionierten Konkurrenten leben. Entscheiden sollen die Leserinnen und Leser.

Welches Zielpublikum wollen Sie ansprechen?

Wir wenden uns an anspruchsvolle, moderne Menschen mittleren Alters mit guter Ausbildung und entsprechenden finanziellen Mitteln. Darum haben wir zur Promotion der ersten Ausgabe auch die "NZZ am Sonntag" ausgewählt. Wir glauben, ein ähnliches Lesepublikum anzusprechen.

Wie setzt sich Ihr Team zusammen?

Mit meiner Firma stierli.medien arbeite ich als Chefredaktor auf Mandats-Basis für "ecoLife". Die redaktionellen Inhalte erarbeite ich zusammen mit Freelancern. Für die Gestaltung/Produktion ist Karin Engler vom Verlag ProfilePublishing verantwortlich, die Anzeigenleitung hat Christian Lüthi von der ProfileMedia.

"ecoLife" wird viermal im Jahr herausgegeben. Ist das nicht zu wenig, um als eigenständiges Magazin wahrgenommen zu werden?

Es ist klar meine Meinung, dass wir so schnell wie möglich auf sechs Ausgaben im Jahr umstellen sollten. Für das Branding ist es zudem wichtig, dass wir ein Online-Portal kreieren, um die Marke interaktiv erlebbar zu machen. Wir führen darüber Gespräche mit möglichen Partnern. Weil die Lancierung der Printausgabe Priorität hatte, haben wir den Webauftritt bisher etwas vernachlässigt.

Hinter "SI Gruen" steht Ringier, hinter dem grünen "Beobachter" Axel Springer Schweiz. Wie wollen Sie gegen die grossen Medienhäuser bestehen?

Ganz so klein sind wir auch nicht. Wir starten mit 160'000 Exemplaren. Aber natürlich sind wir der Zwerg zwischen den beiden Riesen. Wir können uns nur mit viel Engagement behaupten. Und wir machen „ecoLife“ nicht, weil grün „cool“ ist, sondern wir engagieren uns aus Überzeugung und mit Herzblut, aber auch aus Freude und mit Lust.

(Interview: Stefan Wyss)


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