Mit der 50-Prozent-Beteiligung an jobs.ch und topjobs.ch, schafft Tamedia den Sprung zur Nummer Eins im Schweizer Stellenmarkt. Warum hat Tamedia jobs.ch nicht im Alleingang gekauft? Persoenlich.com hat bei Unternehmenskommunikationschef Christoph Zimmer nachgefragt:

Herr Zimmer, welche Bedeutung hat der Kauf von jobs.ch für Tamedia?
Die Beteiligung an jobs.ch ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum Ziel, das digitale Geschäft als zweiten Ertragspfeiler neben dem Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft aufzubauen. Stellenanzeigen und Immobilienanzeigen waren für uns seit jeher wichtig. In den letzten Jahren sind diese Rubrikeninserate jedoch immer mehr ins Internet abgewandert. Mit der Übernahme von jobs.ch gemeinsam mit Ringier ist Tamedia in Zukunft auch im Markt für Stellenanzeigen mit starken Plattformen vertreten. Mit homegate.ch stellen wir im Immobilienmarkt ja bereits heute den Marktführer.
Tamedia kooperiert mit einen starken, direkten Konkurrenten im Schweizer Markt, mit Ringier. Warum kaufte Tamedia jobs.ch nicht alleine?
Durch die Partnerschaft von Ringier und Tamedia kommt jobs.ch zurück in Schweizer Hände. Das ist im Onlinemarkt, in dem immer mehr internationale Anbieter mitmischen, nicht selbstverständlich. Gleichzeitig senkt die gemeinsame Übernahme auch die finanzielle Belastung von Ringier und Tamedia. Wir hätten den Kaufpreis auch alleine finanzieren können, mit der Partnerschaft mit Ringier sichern wir uns jedoch auch weiterhin finanziellen Handlungsspielraum. Vor allem aber ist Ringier ein Partner, der wie Tamedia viel Onlineerfahrung einbringt und das ist eine gute Voraussetzung für die Weiterentwicklung von jobs.ch
Waren während der Verhandlungen noch andere Partner im Gespräch, etwa AZ oder die NZZ?
Wir hatten in einem ersten Schritt auch eine alleinige Übernahme geprüft, bevor sich die Chance ergab, diesen Schritt gemeinsam mit Ringier zu unternehmen. Die Gespräche mit Ringier wurden dann innert kurzer Zeit und in konstruktiver Atmosphäre vorangetrieben und zum Abschluss gebracht. Ringier war für uns deshalb der Wunschpartner.
Christoph Tonini und Christoph Brand werden von Seiten Tamedia im VR des Joint Ventures vertreten sein (persoenlich.com berichtete). Waren diese beiden treibende Kraft bei der Etablierung des Kaufs, bzw der Kooperation?
Der gemeinsame Abschluss ist vor allem eine Teamleistung. Ringier und Tamedia sprechen auf verschiedenen Ebenen auf Augenhöhe miteinander und das Verhältnis ist seit Jahren freundschaftlich und professionell. Für den Verhandlungsprozess waren sowohl die Familieneigentümer als auch die obersten Führungskräfte beider Unternehmen entscheidend. Das gilt natürlich auch für Marc Walder und Christoph Tonini, der bisher für dass Digitalgeschäft verantwortlich ist und ab 2013 den Vorsitz der Unternehmensleitung übernimmt.
Wer übernimmt zum Start das VR-Präsidium?
Der Verwaltungsrat wird in Zukunft zwei Mitglieder seitens Tamedia, Christoph Tonini und Christoph Brand, sowie zwei Mitglieder seitens Ringier, Marc Walder und Thomas Kaiser, umfassen. Das Verwaltungsratspräsidium wechselt alle zwei Jahre und wirst zuerst von Tamedia übernommen - allerdings hat der Verwaltungsratspräsident keinen Stichentscheid, weshalb die beiden Partner immer gemeinsam entscheiden werden.
Wer wird der erste VR-Präsident?
Das ist noch offen.
Tamedia wird zudem die eigene Tochterfirma Jobup in die Partnerschaft einbringen. Um wieviel geringer ist der Betrag, den Tamedia für jobs.ch bezahlen muss?
Die Stellenplattformen der Jobup AG, vor allem jobup.ch in der Romandie, jobwinner.ch in der Deutschschweiz und die Kaderstellenplattform alpha.ch, werden mit insgesamt 120 Millionen Franken bewertet. Ringier wird sich entweder an der Jobup AG beteiligen oder aber dann nach Einbringung der Jobup AG in die jobs.ch Holding AG zusätzliches Kapital einbringen.
Inwiefern erhoffen Sie sich, durch Deal Synergien nutzen zu können?
Wir gehen von einem erheblichen Synergiepotential zwischen Jobup und jobs.ch aus. Allerdings rechnen wir auch damit, dass der Markt für Online-Stellenanzeigen weiter stark wachsen wird - zumindest bereinigt um konjunkturelle Einbrüche, die auch im Online-Stellenmarkt Spuren hinterlassen können. Deshalb rechnen wir aus heutiger Sicht damit, dass wir allen Mitarbeitenden eine Perspektive anbieten können. Wir sehen jobs.ch und die neue Gesellschaft als Wachstumsunternehmen, die Synergien standen deshalb nicht im Vordergrund.
Wie schätzen Sie die Chancen bezüglich Zulassung durch die Weko ein?
Gut, aber die Wettbewerbskommission ist eine unabhängige Behörde wund wird sich ihr eigenes Urteil bilden. Ringier und Tamedia decken gemeinsam mit jobs.ch vermutlich lediglich rund einen Drittel des Marktes in der Deutschschweiz ab. Dieser Marktanteil basiert jedoch nach wie vor wesentlich auf gedruckten Stellenanzeigen, die sich seit Jahren stark rückläufig entwickeln. Alleine der Marktanteil von Tamedia in der Deutschschweiz ging in den letzten drei Jahren aufgrund des Rückgangs der gedruckten Stellenanzeigen um rund 30 Prozent zurück. Mit der fortschreitenden Verlagerung der Stellenanzeigen in den Online-Bereich werden die Marktanteile der Printtitel noch weiter erodieren. Der Wettbewerb bleibt deshalb weiterhin intensiv.
Interview: Edith Hollenstein

