08.08.2000

"Wir sind jung und hungrig!"

TV-Doktor Samuel Stutz über Einschaltquoten, neue Ideen und Träume. Das Interview:

Samuel Stutz - eine bittere Pille für den TV-Doktor: Ihre Medizinsendung "1 x tägl." auf SAT.1 hat zu wenig Zuschauer - warum?

Von wegen bittere Pille! In nur fünfzehn Minuten die Zuschauerzahl zu verzehnfachen, und das trotz Tagesschau, der härtesten Konkurrenz, die es überhaupt geben kann, und trotz bescheidensten räumlichen und produktionellen Mitteln, ist ein Aufputschmittel mit grossem Abhängigkeitspotenzial. Wer sich die detaillierten Zuschauerzahlen einer einzelnen Sendung einmal anschaut - sie beginnen bei 7000 und enden bei 50'000 bis 70'000 - merkt sofort, was hier noch drin liegt.

Wo sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten, um die Sendung attraktiver zu machen?

Ich erhebe erneut Einspruch: Ich sehe nicht Möglichkeiten, die notwendigen Veränderungen haben wir längst aufgegleist, und zwar bereits eine Woche nach Sendestart im März! Wichtigster Punkt ist die Vorverlegung der Sendung auf 18.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hat SF1 lediglich 15 bis 20 Prozent Marktanteil und nicht 60 bis 70 Prozent wie während der Tagesschau. Um nicht nur ein bis zwei, sondern drei Themen pro Sendung behandeln und damit potenziell mehr Leute ansprechen zu können, wird die Sendung von 15 auf 25 Minuten verlängert. Die neue Sendung, die am 28. August Premiere hat, werden Sie nicht wiedererkennen. Allein die vier Krankenschwestern, die wir angestellt haben, werden Sie süchtig machen. Und erst unser neues Studio! Wir haben eine Praxis mit allem, was das Herz begehrt: Behandlungseinheit, Labor, Ultraschall, Empfang, Wartezimmer, Umkleidekabinen und so weiter. Wir werden im Studio Blutentnahmen, Chemotherapien, Ultraschalluntersuchungen, Physiotherapie etc. machen. Wenn Christina Surer schwanger wird, übernehmen wir die ganze Schwangerschaftsvorsorge. Schriftsteller Hugo Loetscher kommt zu uns in die Ernährungsberatung. Der neue Mister Schweiz lässt sich alle vier Weisheitszähne ziehen. Wenn das nicht Stimmung gibt! Und dann der neue Gesundheitswettbewerb, bei dem man seine Krankenkassenprämien für ein ganzes Jahr gewinnen kann!

Das bedeutet aber noch mehr Aufwand und Arbeit für Sie - wird das nicht irgendwann einmal zu viel?

Falsch, das ist eine grössere Herausforderung, und nicht Arbeit, und zwar nicht für mich, sondern für ein ganzes Team, das jung und hungrig ist. Zu viel wird es mir erst, wenn zu wenig läuft.

Haben Sie auch schon daran gedacht, einen zweiten Moderator für Ihre Gesundheitssendung aufzubauen?

Nein. An einen Moderator habe ich noch nie gedacht. Aber an eine Moderatorin in Person einer intelligenten, gewandten und attraktiven Ärztin (Anm. d. Red.: Zum Zeitpunkt des Interviews war noch nicht bekannt, dass die 10vor10-Moderatorin Eva Wannenmacher zu Stutz' Team stossen würde).

Sie haben kürzlich den Ringier Medienpreis erhalten: Was bedeutet diese Ehrung für Sie?

Sie ist ein Ansporn, geradlinig weiterzumachen und sich von Neidern und Heckenschützen nicht beirren zu lassen.

In der Dankesrede sagten Sie bei der Preisübergabe, dass Sie von einem Ringier eigenen Gesundheitskanal träumen. Was stellen Sie sich darunter vor?

Ich sagte, nicht, ich träume. Ich pflege in der Nacht und nicht an Preisübergaben zu träumen. Ich sagte, ich werde keine Ruhe geben, bis ein solcher Kanal verwirklicht ist. Ein Programm, das ganz den Themen Gesundheit und Medizin gewidmet ist und alle Lebensbereiche umfasst. Darin hat alles Platz, von Lebensberatung über medizinische News, Tiersendungen bis hin zu einer Gameshow. Sobald "1x tägl." richtig läuft, werde ich mich an die Arbeit machen.



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