Herr Gran, Keystone-SDA will sich nach dem Vorbild der österreichischen Mit-Besitzerin APA selber «multimedial digitalisieren». Welche ersten Schritte dazu haben Sie bereits unternommen?
Da gibt es viele. Ein Schwerpunkt in unserem redaktionellen Newsroom ist die Produktion von Liveformaten, wie zum Beispiel der Produktion von Livevideoinhalten an Sportanlässen. Ebenso haben wir per Mitte dieses Jahres das Produkt «Open Agenda» gelauncht. Somit erhalten unsere Kunden Einsicht in unsere Terminplanung zu den diversen Anlässen. Dieses Produkt wird im Hinblick auf unseren neuen, vereinfachten Tarif 2020 hin fortlaufend optimiert.
«Lena», der Schreibroboter (persoenlich.com berichtete), dürfte auch dazu gehören.
Genau. Wir beschäftigen uns ganz generell mit dem Thema Automatisation in unserem Newsroom. «Lena» ist bereits seit Herbst letzten Jahres im Einsatz. Sie generiert mit grossem Erfolg bei diversen Abstimmungen Inhalte. Ein weiterer Meilenstein ist die Konsolidierung unserer 3-CRM-Systeme hin zu einem effizienten Kundenmanagement. Wir möchten mit der Einführung des neuen Systems bis Mitte des nächsten Jahres fertig sein und versprechen uns dadurch eine Effizienzsteigerung in der Beziehung zu unseren Kunden.
«Wir wollen die Methodik von Design Sprints näherbringen»
Ende letzter Woche veranstaltete Keystone-SDA einen Workshop zum Thema Design Sprint. Warum sehen Sie eine Nachfrage nach solchen Formaten?
Der Anlass von letztem Freitag in Bern sollte dazu dienen, das «Eis zu brechen» und die Methodik eines solchen Design Sprints näherzubringen. Das Wichtigste dabei ist der offene Dialog mit den Kunden und seinen Bedürfnissen. Mit diesem Format schaffen wir es, nah beim Kunden zu sein und ihm einen Mehrwert zu liefern, indem wir auf seine Individualität näher eingehen können. Ganz nebenbei hilft uns dieser Dialog dabei, uns selbst stetig weiterzuentwickeln und zu verbessern.
Wie oft führen Sie dieses Format Keystone-SDA-intern durch?
Wir stehen ja ganz am Anfang. Ich würde mir wünschen, wenn wir drei bis vier dieser Design Sprints pro Jahr mit Kunden durchführen können. Aber es ist mir auch ein Anliegen, solche Design Sprints intern durchzuführen. Auch hier hilft uns die Methodik, an Themen anders heranzugehen.
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Keystone-SDA will Kunden die Methodik von Design Sprints näherbringen. -
Am Freitag referierte Clemens Prerovsky von der APA am Hauptsitz in Bern. -
Design Sprints helfen beim Abtesten von konkreten Service- oder Produkt-Ideen. -
Dabei müssen die Ziele möglichst einfach definiert sein. (Bilder: Keystone/Alessandro della Valle)
Sie wollen Design Sprints also künftig vor allem mit Ihren Kunden durchführen. Was für neue Geschäftsfelder erhoffen Sie sich dabei?
Für mich ist das in diesem frühen Stadium eine Investition in den Dialog, aber natürlich eignet sich das Format auch hervorragend dafür, Nichtkunden anzusprechen. Neue Ideen, Produkte oder ganze Geschäftsfelder entstehen dann im Rahmen des Dialogs und über einen gewissen Zeitraum hinweg.
«Wir haben das Glück, dass wir bei der APA auf grosses Know-how zurückgreifen können»
In Ihrem Bereich Media Solutions, IT-Outsourcing und Content Management müssen Sie auf ganz anderes Fachwissen zurückgreifen können, als es Keystone-SDA bislang anbot. Woher haben Sie diese IT-Spezialisten, Entwickler und Programmierer?
Wir haben natürlich bereits heute sehr gute Fachkräfte, mit welchen wir einige der Projekte durchführen können. Ein wichtiger Faktor bei der Digitalisierung und digitalen Transformation ist die stetige Entwicklung der Mitarbeiter. Wir haben auch das Glück, dass wir bei unserem Anteilseigner, der Austria Presse Agentur (APA), auf grosses Know-how bei all diesen Themen zurückgreifen können. Das hilft uns dabei, einige der Themen angehen zu können. Ebenso sind wir mit anderen Agenturen europaweit sehr gut vernetzt. Hier findet ein kontinuierlicher Austausch statt und wir führen auch diverse Projekte gemeinsam durch. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Teilnahme an der Digital News Initiative von Google mit sieben weiteren Agenturen aus Europa. Dabei geht es um die Analyse bei der Verwertung unserer Inhalte und die Frage, welche Erkenntnisse, Rückschlüsse wir daraus gewinnen können.
Werden Sie in Bern ein ähnliches Medialab aufbauen wie bei der APA in Österreich?
Wir sind ja noch ganz am Anfang. Wenn ich es mir wünschen dürfte, hätte ich lieber morgen als übermorgen ein Medialab in Bern. Ich bin aber schon zufrieden, wenn wir wie bereits erwähnt drei, vier Events in dieser Form pro Jahr durchführen können.
Keystone-SDA baut am neuen Standort in Bern Wankdorf einen Multimedia-Newsroom auf. Wie weit ist dieses Projekt?
Wir sind in diesem Projekt schon sehr weit fortgeschritten. Wir haben mit der technischen und organisatorischen Anpassung begonnen und werden in den nächsten Tagen und Wochen Stück für Stück die räumliche Organisation unseres neuen Newsrooms vollziehen.
«Der Umzug soll bis Februar 2020 abgeschlossen sein»
Welche Rolle spielt Ihr Bereich Media Solutions, IT-Outsourcing und Content Management darin?
Ich verstehe meinen Bereich als Dienstleister. Mein Team und ich sorgen für stabile Systeme und sind Motor für die Digitalisierung der Prozesse und die digitale Transformation.
Geplant ist zudem, dass auch die in Zürich angesiedelte Sportredaktion nach Bern kommt, ebenso die gesamte Bildredaktion von Ex-Keystone. Wann ist dieser Umzug und wie viele Leute betrifft das?
Der Umzug wird schrittweise ab September vollzogen und soll bis Februar 2020 abgeschlossen sein. Wir sprechen hier von etwas mehr als einem Dutzend Personen.
Warum ist das nötig?
Für uns ist die integrierte Produktion und die Verknüpfung, wie auch Verzahnung der Inhalte das Ziel. Das Gleiche gilt auch für die effiziente Zusammenarbeit der Mitarbeiter. Nur so sind wir in der Lage, unsere Inhalte multimedial zu produzieren.
Aus welchem Grund bleibt die Wirtschaftsredaktion weiterhin in Zürich?
Die Wirtschaft ist an unser Tochterunternehmung AWP Finanznachrichten AG ausgelagert. Dieses wiederum hat seinen Standort in Zürich. Für AWP ist die Nähe zum Finanzplatz Zürich entscheidend.
Nochmals zum Design Sprint: Neben dem Abtesten von konkreten Service- oder Produkt-Ideen: Bei welchen Problemen ist dieses Instrument hilfreich?
Das Format eignet sich sowohl zur Optimierung von bestehenden Produkten, wie auch für die Entwicklung ganz neuer Produkte und Formate. Ganz wichtig dabei ist, dass wir vollkommen ergebnisoffen in den Design Sprint hineingehen und nicht in Lösungen denken. Das gilt sowohl für den Kunden wie auch uns. Die Lösung entsteht erst im Laufe des Sprints.
Wo ist das Format hingegen nicht zielführend, dagegen jedoch andere Kreativitätstechniken?
Das Format eignet sich dann nicht, wenn wir bereits zu Beginn eine ganz konkrete Lösung vorliegt, die umgesetzt werden muss. Ich denke hier etwa an den Auftrag, eine Applikation umzusetzen. Dann empfehle ich ein klassisches Briefing.