Herr Tobuschat, Sie haben den Tele-Preis und den TV-Star zum Schweizer Fernsehpreis zusammengelegt. Gab es auch andere Überlegungen?
Es hätte sicher Alternativen dazu gegeben, diese haben wir aber nie erwogen oder durchgespielt. Die Zusammenlegung hat sich ganz einfach aufgedrängt.
Vor allem aus finanziellen Gründen?
Die Kostenfrage stand nicht im Vordergrund, sondern die Positionierung. Wir wollten uns als Gruppe einheitlich aufstellen und den Glamour-Aspekt von Programmzeitschriften für beide Titel transportieren. Damit will ich nicht sagen, dass die Einsparungen nicht ein angenehmer Nebeneffekt sind.
Beim Tele-Preis und beim TV-Star war das Branding eindeutiger, die Zuordnung zu den Zeitschriften einfacher. Warum haben Sie sich für den neuen Namen "Der Schweizer Fernsehpreis" und nicht beispielsweise für "Axel Springer Star" entschieden?
Mit der Namensgebung wollen wir unsere Positionierung als Fernseh-kompetente Marke untermauern. "Der Schweizer Fernsehpreis" wird auch immer in Verbindung mit dem Zusatz "von 'Tele' und 'TV-Star'" kommuniziert.
Beim Publikum dürfte der Zusatz aber kaum haften bleiben.
Es wird sicher seine Zeit brauchen, bis man den Schweizer Fernsehpreis in der gleichen Art mit "Tele" und "TV-Star" gleichsetzt, wie das zuvor der Fall war. Aber die deutschen Zeitschriften "Bunte" mit dem "Bambi" und "Hörzu" mit der "Goldenen Kamera" haben gezeigt, dass ein Fernsehpreis nicht unbedingt den Namen der Zeitschrift enthalten muss, um damit identifiziert zu werden. Und diese Verbindung versuchen wir mit der Kraft unserer zwei Marken nun auch herzustellen.
Obwohl die beiden Programmzeitschriften den Preis zusammen verleihen, vergibt "Tele" die Preise in den Kategorien "Film" und "Fernsehsendung", "TV-Star" kürt den "Star des Jahres" und das beste Format eines Regionalsenders. Warum wird hier die Trennung aufrecht erhalten?
Es war eine organisatorische Frage, wie wir die beiden Marken an der Veranstaltung selbst in Erscheinung treten lassen und wie durch die Preisvergabe dokumentiert werden kann, für was die jeweiligen Marken stehen. Weil "TV-Star" redaktionell auf Fernsehstars ausgerichtet ist und über die Partnerschaft mit Lokalzeitungen stark regional verwurzelt ist, haben sich die Kategorien "Star" und "Regional" aufgedrängt. "Tele" als die Premium-Marke unter den TV-Zeitschriften besetzt im Gegensatz dazu eher die klassischen Felder "Film" und "Fernsehen".
Eine Jury -- bestehend aus Redaktionsmitgliedern der Zeitschriften -- kürt die Sieger in vier Kategorien, das Publikum vergibt den Lifetime-Award. Warum lassen Sie die Leser nicht über sämtliche Preisträger entscheiden?
Wir wollen die Besten auszeichnen, nicht die Populärsten. Würden wir allein die Leser entscheiden lassen, bestünde die Gefahr, dass vor allem die Beliebtheit einer Sendung über die Preisvergabe entscheidet. So besteht auch die Möglichkeit, dass die Redaktion ein Format auszeichnen kann, dass nicht durch die höchsten Zuschauerzahlen, sondern durch seine Qualität besticht.
Bei den von Ihnen erwähnten Fernsehpreisen in Deutschland gibt es auch internationale Auszeichnungen. Warum beim Schweizer Fernsehpreis nicht?
Es ist für die Positionierung der Marken wichtig, zu zeigen, dass unsere Zeitschriften explizit für den Schweizer Markt produziert werden. Damit grenzen wir uns von ausländischen Heften ab. Und das wollen wir auch bei der Preisverleihung mit dem nationalen Bezug zum Ausdruck bringen. Ich will aber nicht ausschliessen, dass wir einmal einen internationalen Preis vergeben werden.
Wird die Verleihung von einem TV-Sender übertragen?
Das Schweizer Fernsehen wird im Rahmen von "glanz & gloria" und "10vor10" über die Verleihung berichten. Auf den Regionalsendern werden Zusammenfassungen zu sehen sein.
In Deutschland haben Fernsehpreise einen ungleich höheren Stellenwert und grössere TV-Präsenz als in der Schweiz. Warum ist das so?
Ich bin erst ein Jahr in der Schweiz, darum kann ich das nicht abschliessend beurteilen. Vielleicht liegt es an der grösseren Zurückhaltung der Schweizer und weil man sich mehr im Understatement übt. Es kann aber auch daran liegen, dass der Fernsehmarkt in der Schweiz viel kleiner ist.
Trotzdem wollen alle dabei sein. Wie man hört können aus Platzgründen nicht einmal mehr die Prominenten eine Begleitung mitnehmen. Müssen Sie nächstes Jahr von der Maag Event Hall ins Hallenstadion umziehen?
(lacht) Das hoffe ich nicht. Aber tatsächlich sind wir so ausgebucht, dass nicht jeder eine Begleitperson mitnehmen kann.
(Interview: Stefan Wyss)

