19.09.2008

"Sonntag"

Zitat in sinnwidriger Weise überspitzt

Presserat heisst Beschwerde teilweise gut.

Der Presserat hat eine Beschwerde gegen den "Sonntag" teilweise gutgeheissen. Er beanstandet, die Zeitung habe ein Zitat eines UBS-Pressesprechers zum Rücktritt des damaligen UBS-Präsidenten Marcel Ospel "in sinnwidriger Weise überspitzt". Durch das veränderte Zitat habe die Leserschaft den unzutreffenden Eindruck erhalten, der Rücktritt Ospels nach spätestens einem Jahr sei durch das Statement des im Bericht namentlich genannten UBS-Sprechers bestätigt gewesen, schreibt der Presserat in seiner am Freitag veröffentlichten Stellungnahme.

Der "Sonntag" hatte Ende Februar berichtet, Ospel trete "also doch" spätestens nach einem Jahr zurück. Dabei berief sich der Autor auf ein Statement eines UBS-Sprechers. Es habe sich in Wahrheit jedoch um ein "ausweichendes Non-Statement" gehandelt, schreibt der Presserat. Dies gehe aus dem E-Mail-Verkehr zwischen dem Autor des Artikels und dem UBS-Sprecher hervor.

Der Sprecher schrieb, Ospel habe sich "bereit erklärt, sich nochmals für ein Jahr wählen zu lassen. Darüber hinaus hat er keine Pläne". Während die Zeitung das Zitat im Wirtschaftsteil und in der Onlinefassung unverändert wiedergab, veränderte sie auf der Frontseite den Satz "darüber hinaus hat er keine Pläne" in "für die Zeit danach habe er definitiv 'keine Pläne mehr'".

Der "Sonntag" berief sich auf den Standpunkt, dass alles, was im Artikel stehe, inzwischen eingetreten sei und dass das Zitat ihres Sprechers sinngemäss wiedergegeben worden sei. Zudem sei der Rücktritt Ospels vor der Publikation durch eine weitere UBS-Quelle bestätigt worden.

Für den Presserat ist es jedoch nicht entscheidend, ob Ospel in der Folge tatsächlich zurückgetreten ist oder nicht. Massgebend für die berufsethische Beurteilung sei die Situation, wie sie sich für den "Sonntag" zum Zeitpunkt der Veröffentlichung präsentiert habe. Ausserdem hätte die Zeitung die erwähnte weitere UBS-Quelle im Artikel nennen müssen. (sda)


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