Wie schlecht die Sendungen von Presse-TV (PTV) mittlerweile laufen, zeigt ein Blick in die Zuschauerzahlen von SF 2: Vorletzten Sonntag erreichte kein einziges der PTV-Formate mehr als 100'000 Zuschauer. Der Marktanteil des gesamten Blocks von 18 bis 24 Uhr lag stets unter sechs Prozent. Zum Vergleich: Im Durchschnitt erreichte das Abendprogramm von SF 2 im August einen Marktanteil von deutlich mehr als 7 Prozent. Noch weniger Publikum hatte das Programm am Samstagabend. Mit 56'000 Zuschauern war die Reportage "100 Minuten" noch die zuschauerstärkste Sendung der TV-Schiene der Verlagshäuser. Kein Format schaffte es, die 5 Prozent-Hürde zu überwinden.
Angesichts dieser tiefen Einschaltquoten erstaunt es nicht, dass am Leutschenbach der Wunsch zu vernehmen ist, die Inhalte der Verleger aus dem Programm zu kippen. Oder wie sich TV-Direktorin Ingrid Deltenre unlängst in einem Interview ausdrückte: "Wo SF draufsteht, soll auch SF drin sein." Sie stört sich daran, dass das Schweizer Fernsehen auf dem zweiten Kanal am Samstag und Sonntag zur besten Sendezeit kein junges, hippes Alternativprogramm zu SF 1 zeigen kann. Deltenre sind jedoch die Hände gebunden: Bis zum Auslaufen der Verträge zwischen der SRG und den Verlegern Ende 2008 bleibt alles beim Alten.
Die Auffassung der TV-Direktorin teilt der Publikumsrat: Das Gremium taxierte die abendlichen PTV-Sendungen als "unbefriedigend". Diese würden längst nicht mehr dem Kanal-Image von SF2 entsprechen. Der Rat empfahl Ende vergangenes Jahr deshalb, dass eine andere Lösung gefunden werden müsse.
Sonntag als TV-Abend immer beliebter
Für Fibo Deutsch, Geschäftsführer von PTV, hat das sinkende Zuschauerinteresse am Informationsangebot der Verlagshäuser verschiedene Gründe. Einer davon ist die Digitalisierung der Medien: "Sendungen werden heute mehrfach ausgestrahlt und können auf verschiedenen Vektoren verschiedenen Zeiten genutzt werden. Verglichen werden meistens nur die Quoten der Erstausstrahlung", erklärt der Ringier-Mann. So läuft etwa die "TCS Motorshow" auch auf Regionalsendern -- PTV stellt die Sendung kostenlos zur Verfügung.
Was die Aufgabe für die Verleger erschwert: Der Sonntag hat als TV-Abend in den vergangenen Jahren an Beliebtheit stark hinzugewonnen. Deutsch: "Diese Verlagerung hat auch dazu geführt, dass der Kampf unter den Sendern um die Gunst des Publikums aggressiver wurde." Gegen die Blockbuster auf den Privaten, die Schweizer TV-Produktionen auf SF1 oder "Tatort" und "Rosamunde Pilcher" auf den anderen öffentlich-rechtlichen Sendern, haben die Wirtschafts- und Hintergrundsendungen von PTV einen schweren Stand.
An Zuschauer eingebüsst hat aber auch "Gesundheit Sprechstunde", in früheren Jahren ein Publikumsgarant. Waren in den besten Zeiten bis zu 600'000 Zuschauer dabei, wenn Samuel Stutz mit Nella Martinetti am Gourmettisch über das Thema Übergewicht parlierte, lockt die Sendung heute noch 130'000 Zuschauer vor die TV-Bildschirme. "Die Sendung ist nach der Sommerpause mit der neuen Moderatorin Jeanne Fürst gestartet. Viele Zuschauer haben das noch nicht realisiert, erklärt Deutsch. Er ist überzeugt, mit einer Werbeoffensive in den Ringier-Zeitungen ein neues Stammpublikum anzuziehen.
Erst vergangenen März wurde nach 12 Jahren die dienstälteste Comedy-Serie der Schweiz, "Café Bâle", nach akutem Zuschauerschwund abgesetzt. Dies nachdem der Versuch, den Abwärtstrend mit neuen Autoren und Schauspielern aufzuhalten, gescheitert war. Seit August belegt der "Fussballtalk" den Programmplatz. Die Rechnung der Verleger, das Zuschauerinteresse vor der Euro 08 zu wecken, scheint jedoch nicht aufzugehen: Die Quoten kommen nicht an "Café Bâle" heran. Einzige positive Ausnahme der PTV-Formate ist "Cash TV". Die Wirtschaftssendung weist eine positive Zuschauerentwicklung auf und erhält laut Deutsch auch vom Publikum gute Noten.
Flexiblere Programmierung angestrebt
Eine Verhärtung zwischen der SRG und PTV, will Deutsch trotz allem nicht festgestellt haben: "Wir haben ein gutes Einvernehmen." Er glaubt, dass die Zusammenarbeit auch nach 2008 Bestand haben wird. Dass es nicht wie bisher weitergehen kann, weiss indessen auch er: "In den letzten 12 Jahren haben sich Programme, Zuschauerinteressen und das Konkurrenzumfeld verändert, deshalb wird sich wohl auch die Zusammenarbeit ändern müssen." Zur Disposition stehen laut Deutsch im Sinne einer flexibleren Programmierung Programmplätze und Umfang von P-TV-Sendungen.
Die SRG zeigt sich bereit, weiterhin mit den Verlegern zusammenzuarbeiten -- offen sei allerdings, in welcher Form, wie SRG-Sprecher Daniel Steiner gegenüber "persoenlich.com" erklärt. "Vorerst muss die neue Konzession abgewartet werden und erst dann können die Verhandlungen mit den Verlegern beginnen", sagt Steiner.
(Text: David Vonplon)

