«Die SRG muss verstanden werden»

Stephanie Jutzi - Die neue Leiterin Integrierte Kommunikation und Public Affairs will vor allem eines: den gesellschaftlichen Mehrwert der SRG vermitteln. Im Interview erklärt Stephanie Jutzi, wie sie in ihrer neuen Funktion die Kommunikationsstrategie umsetzen wird.

von Nick Lüthi

Frau Jutzi, Sie hatten bestimmt schon bisher als Leiterin Public Affairs genügend zu tun. Nun wurden Sie zur «Leiterin Integrierte Kommunikation & Public Affairs SRG» befördert (persoenlich.com berichtete). Hat der Tag für Sie nun 25 Stunden?
Also gegen eine Stunde mehr pro Tag hätte ich nichts einzuwenden! Nein, für mich ist wichtig: Ich mache das nicht alleine, sondern zusammen mit einem starken Team. Dieses haben wir nun auch neu aufgestellt, mit Kommunikationsprofi Markus Berger als Verantwortlichem Unternehmenskommunikation und Lucian Cadalbert als Teamleiter Public Affairs. Das entspricht auch meinem Führungsverständnis: Mir ist vernetztes und strategisches Denken wichtig, das Miteinander. Es ermöglicht, dass wir Unternehmenskommunikation und Public Affairs künftig noch stärker zusammen denken, die verschiedenen Kommunikationsperspektiven integrieren und planen. So kann ich meinen Fokus auf Führungsaufgaben, die politische Interessensvertretung und strategische Fragen setzen. Und das mache ich voller Energie.

Ihre Chefin, Generaldirektorin Susanne Wille, betont im Zusammenhang mit der Reorganisation, dass die SRG «nicht nur kommunizieren, sondern auch verstanden werden» will. Was heisst das konkret für Ihre Arbeit?
Das ist ein sehr wichtiger Aspekt für ein Unternehmen, das allen gehört und wozu alle zu Recht eine Meinung haben. Wir wollen und müssen verstanden werden. Wir richten unsere Kommunikation danach aus, den gesellschaftlichen Mehrwert der SRG aufzuzeigen. Das heisst: Was bietet die SRG der Bevölkerung mit ihrem Angebot? Welche Geschichten erzählt sie zum Beispiel aus den verschiedenen Sprachregionen? Wie unterstützt sie die Demokratie, was leistet sie für die Kultur, wie produziert sie Sport? Dazu müssen wir mit der Bevölkerung, den Medien, der Politik im Dialog sein. Es ist darum auch Aufgabe unserer täglichen Kommunikationsarbeit, die Erwartungen unseres Publikums zu verstehen. Aber zum Verstandenwerden gehört zum Beispiel auch, dass wir als Unternehmenskommunikation eine klare, verständliche Sprache sprechen. Daran arbeiten wir täglich.

«Bei einer Transformation in einem Unternehmen ist enorm viel Kommunikation gefragt»

Künftig richte sich die «Kommunikation an strategischen Zielen aus», steht in der Mitteilung zur neuen Organisation. Welche Ziele sind das?
Das sind Ziele wie das eben formulierte: Dass wir in unserer Kommunikation über alle Kanäle hinweg konsequent den gesellschaftlichen Mehrwert ins Zentrum stellen. Oder zum Beispiel auch, dass wir als Kommunikationsteam den Transformationsprozess «Enavant» sorgfältig begleiten und vermitteln, abgestimmt auf die Bedürfnisse unserer jeweiligen Anspruchsgruppen. Bei einer Transformation in einem Unternehmen ist enorm viel Kommunikation in allen Formen und Formaten gefragt. Es braucht intern und extern Nachvollziehbarkeit und Klarheit.

Mit Blick auf die Halbierungsinitiative wird die SRG kommunikativ noch stärker gefordert sein als ohnehin schon. Wie wollen Sie mit Ihrer neuen Abteilung dieser Herausforderung begegnen?
Bei der SRG haben fast alle kommunikativen Themen auch eine politische Dimension. Deshalb lag es auf der Hand, dies auch organisatorisch durch das Zusammenrücken von Public Affairs und Unternehmenskommunikation abzubilden. Mit Blick auf die Halbierungsinitiative haben wir mehr Kommunikationsbedarf: Es gibt viele Fragen dazu, von den Medien, aus der Politik, aus der Bevölkerung und von den Mitarbeitenden. Wir bemühen uns, diese transparent und klar zu beantworten. Dafür braucht es auch eine gute Abstimmung innerhalb des Unternehmens und mit den Regionen.
Aber auch unabhängig von der Halbierungsinitiative machen wir unsere tägliche Arbeit: Wir vermitteln den Mehrwert der SRG, zum Beispiel, indem wir zeigen, wie wir uns für Medienkompetenz einsetzen oder gegen Fake News kämpfen – auch gemeinsam mit anderen Medien.

An der Spitze Ihrer Abteilung sind die Romandie und das Tessin personell nicht vertreten. Wie kompensieren Sie dieses Defizit?
In unserem Team sind alle Landessprachen vertreten, das ist wichtig. Zudem sind alle Mitglieder des Führungsteams mehrsprachig und leben das auch im Alltag. Wir als Unternehmenskommunikation und Public Affairs arbeiten sehr eng mit den Kommunikations-Teams der Regionen zusammen, welche ihr Publikum, ihre Stakeholder und die jeweilige Kultur bestens kennen. Wir sind uns gewohnt, über die Sprachgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, und nicht nur in der Kommunikation – denken wir nur an die neue Streamingplattform «Play Next» oder den Eurovision Song Contest. Das gemeinsame Verständnis und die Sensibilität für das Regionale sind zentral bei der SRG – nicht nur sprachlich, sondern eben auch kulturell. Für mich persönlich ist ein grosser Mehrwert, diese Vielfalt im Unternehmen zu leben.