Eine neue Zeitung irritiert und weckt Hoffnungen

Theater Gessnerallee - Das Zürcher Theaterhaus gibt eine neue Hauspublikation heraus. Weil diese schlicht «Zeitung» heisst und journalistische Beiträge enthält, sorgt sie für Aufsehen und Irritation. Co-Leiterin Miriam Walther erklärt, worum es geht.

von Nick Lüthi

«Unser Ziel ist es, ein volles Haus zu haben. Das ist die wichtigste Kennzahl.» Was Miriam Walther, Co-Leiterin des Theaters Gessnerallee sagt, würden wohl auch andere Kulturmanagerinnen so formulieren. Doch die Wege zum Ziel sind vielfältig.

Miriam Walther und Kathrin Veser, die sich die Intendanz und Geschäftsführung des Hauses zwischen Schanzengraben und Sihl teilen, haben sich entschieden, klassische PR- und Öffentlichkeitsarbeit zu reduzieren. Dabei spielten auch finanzielle Überlegungen eine Rolle: Plakate und Inserate kosten viel Geld und verursachen hohe Streuverluste. Darum dient der Gessnerallee als wichtigster Kommunikationskanal fortan eine Zeitung und ein regelmässig erscheinender elektronischer «Wochenbrief». Die erste Ausgabe der Zeitung ist Ende September erschienen.

Das hätte wohl kaum Aufsehen erregt, hiesse die Publikation nicht «Zeitung» und hätten die Macherinnen ihren Entscheid nicht in den Kontext der Medienkrise gestellt. Im Editorial der ersten Ausgabe schrieben sie: «Wir wünschen uns sehr, dass es dem Journalismus und der Medienbranche insgesamt irgendwann wieder besser geht. Da dies aber höchstwahrscheinlich noch eine lange Weile dauern wird, haben auch wir uns gesagt: Lasst uns aus der Not – und der Liebe zum Journalismus – eine Tugend machen.»

Die Theaterzeitung als unlautere Konkurrenz?

Diese Botschaft weckte bei den einen Hoffnungen, bei den anderen Ängste – und sie rief Kritiker auf den Plan. So sah die NZZ am Sonntag eine «Zweckentfremdung von Theatersubventionen» und warnte vor dem Staat als «zweifelhaftem Freund des Journalismus». In der Beschreibung der Zürcher Zeitung erscheint die Theaterzeitung als unlautere Konkurrenz zu den darbenden Medien, denn sie enthalte so ziemlich alles, «was eine privat finanzierte Zeitung ebenfalls anbietet». Die Kritik bezog sich auf die Aussage im Editorial, wonach man mit «unterschiedlichen Formen wie zum Beispiel Analysen, Essays, Interviews, Porträts, Kolumnen, Horoskopen, Playlist» arbeiten werde; alles journalistische Formen.

Ein Blick in die 32 Seiten im Tabloid-Format zeigt nun, dass die Angst vor Konkurrenz unbegründet ist, ebenso wie die Hoffnung, dass hier ein Ersatz entsteht für die zusammengesparten Kulturressorts der grossen Publikumsmedien. Wie sollte das eine Publikation schaffen, die viermal im Jahr erscheint?