Die Post hat das Studio Swiss Typefaces wegen seines bestehenden Schriftenkatalogs ausgewählt, wie in einer aktuellen Mitteilung steht. Die zentrale Vorgabe war ein «Hard Switch»: Für den Wechsel sollte es genügen, die Schriftdateien auszutauschen. Dafür musste die neue Schrift das typografische Gesamtvolumen der alten beibehalten. Die Post erhielt früh Testversionen und zog eine Gruppe externer Fachleute bei. Schilder, Fahrzeuge oder Briefkästen bleiben über Jahre in Gebrauch. Deshalb müssen alte und neue Schrift eine Zeit lang nebeneinander funktionieren. Wann die Umstellung abgeschlossen sein soll und welche Schrift abgelöst wird, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
«Swiss Post Sans» kommt auf Zügen, Lastwagen, Haltestellen, Briefmarken, Websites und in Apps zum Einsatz, häufig in vier Sprachen. Der ursprüngliche Auftrag sah getrennte Versionen für Bildschirm und Druck vor. Entstanden ist eine einzige Schrift für beide Bereiche. Weil die Post viele Preise und Fahrpläne veröffentlicht, sind alle Ziffern standardmässig gleich breit. Die Familie umfasst fünf Schnitte von Light bis ExtraBlack.
Bei den aufrechten Schnitten sind die Änderungen bewusst klein. Humanistische Formen sollen das Schriftbild weicher machen. Auf Wunsch der Post ist zum Beispiel der Punkt neu rund statt quadratisch. «Die Schriftfamilie führt eine visuelle Identität weiter, die seit Langem Teil des Schweizer Alltags ist, und verleiht der Kommunikation der Institution eine wärmere, ausdrucksstärkere Stimme», schreibt Mitgründer Maxime Plescia-Büchi in einer E-Mail an persoenlich.com. Mehr Spielraum hatte das Studio bei den Kursiven. Diese prägten früher das Logo, das in Versalien und kursiv gesetzt war. Seit die Post ihr Logo auf ein aufrechtes «P» umgestellt hat (persoenlich.com berichtete), sollen die Kursiven eine eigene Rolle übernehmen, etwa in Titeln und grossformatigen Beschriftungen. Dafür hat das Studio einzelne Buchstaben mit kalligrafischen Elementen versehen.
Swiss Typefaces wurde 2006 gegründet und betreibt neben dem Hauptsitz in Vevey ein Studio in Berlin. Das Unternehmen hat bereits Schriften für den Schweizer Pass entwickelt. Den Auftrag der Post bezeichnet es als sein bisher längstes und umfangreichstes Projekt. «Swiss Post Sans ist von Natur aus schweizerisch, nicht nur im Design», lässt sich Executive Creative Director Emmanuel Rey in der Mitteilung zitieren. (pd/nil)