Frau Alghisi, was bezweckt der HarbourClub mit dem Trend-Report für Chief Communications Officers?
Wir möchten einen Denkanstoss geben und Inspiration. Wir haben unsere Mitglieder befragt: Sie wünschen sich vom Club die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Was machen andere, warum, und welchen Mehrwert bringt das?
Hat die ganze Pandemiesituation das Anforderungsprofil für Kommunikationschefs stark verändert?
Es gibt Unternehmen, die mit Homeoffice gut durchgekommen sind. Manche Branchen mussten mehr leisten, andere wurden schwer geprüft. Kommunikation ist der Kitt, der alles zusammenhält. Die «Entschleunigung» haben die wenigsten Kommunikationschefs gespürt – im Gegenteil. Teamfähigkeit, Belastbarkeit, die Bereitschaft, Neues auszuprobieren: Das ist wichtiger denn je.
Wie ist die Studie genau entstanden?
IMD, Novartis, Microsoft und Siemens haben uns Beispiele zur Verfügung gestellt. Die Internationalität dieser Organisationen liefert Stoff, an dem man sich orientieren kann. Daraus haben wir sechs Trends in der Kommunikation abgeleitet. Wir sind gespannt, was unsere Mitglieder dazu sagen werden – und ob sie uns weitere Beispiele liefern. Zu guter Letzt haben wir den Report mit digitaler Kunst illustriert, sogenannte Non-Fungible-Tokens: Die können ersteigert werden, sofern man sich auf ein Abenteuer in der Krypto-Welt einlassen mag. Unterstützt bei der Erstellung des Reports wurden wir durch die Beratungsfirma Boldt.
Was sind die wichtigsten Änderungen für die Kommunikation der Zukunft?
Die Ansprüche der Stakeholder an CEOs, zu denen sie eine Position brauchen ,sind enorm. Mitarbeiter bringen sich anders in die Unternehmen ein, und die Arbeitsmodelle sind im Wandel. Es wird schwerer, mit Botschaften durchzudringen, Kommunikation muss effizient und messbar sein. Und die Marke muss digital und real erlebbar sein, und eine neue Generation erreichen, die anders lebt, arbeitet und konsumiert.
Sie sprechen von flexibleren Unternehmenshierarchien oder hybriden Arbeitsmodellen. Wie wenden Sie dies konkret bei Ihrem Arbeitgeber, der Bank Julius Bär, an?
Die Teams haben den Auftrag, sich neu zu organisieren, mit zwei freiwilligen Homeoffice-Tagen. Dadurch erlebt jeder selbst, was funktioniert und wo Anpassungen nötig sind. Die Eventsteams wurden zu Produzenten digitaler Formate – wobei nun persönliche Begegnungen wieder zunehmen. Durch den Digitalisierungsdruck kommen neue Arbeitsmodelle zum Zuge, um kundenzentrierte Lösungen schneller zu entwickeln und Wissen besser zu nutzen.
Inwiefern hat sich Ihre Tätigkeit als Kommunikationschefin durch das Homeoffice verändert und wenn ja, wie?
Die Arbeit im Team funktioniert nicht einfach auf «Zuruf». Dieses Arbeiten kann effizient sein, aber die Versuchung ist gross, den menschlichen Aspekt zu vernachlässigen. Einerseits bedingt das mehr Vertrauen, aber auch Bewusstsein im Umgang miteinander. Das Experimentieren mit neuen Interaktionsmöglichkeiten hat das Spektrum der Unternehmenskommunikation erweitert – jetzt ist die Frage, was wir davon mitnehmen wollen und was nicht.