TV-Kritik

Der Trieb zum Ausschalten

Die No-Billag-Befürworter werden sich ein paar Tage vor der Abstimmung bestätigt fühlen. Die am Montag gestartete SRF-Serie «Seitentriebe» ist einmal mehr eine (sackschwache) Geschichte, auf die kein Mensch gewartet hat. Die so kein anderer gebührenfinanzierter Sender produzieren würde. Privatsender schon gar nicht, die brauchen den Erfolg. Immerhin: Schon nach wenigen Sendeminuten verspürte ich einen Trieb. Es war der Drang, den Fernseher ausschalten. «Seitentriebe»: Schade um das Geld.

Eine Sitcom kriegt das Schweizer Fernsehen trotz fettem Budget seit vielen Jahren nicht mehr hin. Stattdessen gibt es in den nächsten Wochen diese Serie, die sich laut SRF «auf humorvolle Weise mit dem Liebesleben in Langzeitbeziehungen beschäftigt» (persoenlich.com berichtete). Keine Liebe ohne Leid, hier leiden die Zuschauer. Die Reihe ist so witzig wie ein Kabelbrand im Herzschrittmacher. Und stinklangweilig dazu.

Frau sagt: «Ich möchte im Bett nicht die dargebotene Hand. Ich möchte eine Wildsau, die mich auffrisst.» Mann sagt: «Sorry, dass ich dir keine Abenteuer und Aufregungen geben kann.» Was wollen uns die «Künstler» damit sagen? Diese unsägliche, seit Wochen auf den besten Sendeplätzen endlos getrailerte Reihe, wird nicht einmal in einer Alternativen-WG in Schwamendingen für Furore sorgen.

Da darf man auf die Quoten gespannt sein. Am Montag liefen die ersten beiden 25-Minuten-Folgen auf SRF 2. Auch bei dieser Kürze mit Werbeunterbrechung. Wo, ausser bei den Privaten, gibt es denn sowas?

Vergesst das neueste SRF-Fiasko. Und seid nett aufeinander.

 

 


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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KOMMENTARE

Sam Zumbuehl
27.02.2018 14:33 Uhr
Wie bemerkte Matthias Ackeret im Blog vom 24.2.2018? Nach der No-Billag-Abstimmung, die wahrscheinlich abgelehnt wird, wird sich bei der SRG schnell wieder alles normalisieren und sich vieles in den gewohnten, wenig innovativen Bahnen bewegen - für viele Gebührenzahler leider zum Ärgernis. Ein solches Ärgernis ist zum Beispiel eine solch dämliche Serie wie "Seitentriebe". Ich kann Herrn Hildbrand nur beipflichten. Die SRG ist mit Geld gut gepolstert, schafft es aber nicht, eine anständige Sitcom auf die Beine zu stellen. Einfach beschämend für das immer wieder sehr provinziell daherkommende Leutschenbachstudio an der Peripherie der Grossstadt, was die Unterhaltung anbelangt. Und eine Verhöhnung der Gebührenzahler, die ein Anrecht für eine qualitätsvolle Dienstleistung haben. Wahrscheinlich braucht es mehrere politische Anläufe, um die SRG zu Reformen zu zwingen. Zu hoffen ist, dass der politische Druck auf die SRG aufrecht erhalten wird. Wir stimmen ja im Moment "nur" über No-Billag ab. Wenn das so weitergeht, könnte es auch einmal um die Daseinsberechtigung der SRG als solches geht, die zur Abstimmung gelangen könnte. Weshalb die Konzession nicht einmal einem völlig anderen Unternehmen erteilen? Eines, das vieles besser machen würde?
Walter Leibundgut
27.02.2018 10:34 Uhr
Ich hatte den gleichen Trieb wie René Hildbrand - und habe trotzdem bis zum Schluss durchgehalten. Es war das erste, das einzige und das letzte Mal, dass ich mir dies antue. Filmer, die so etwas auf die Beine stellen, beweisen ihre galoppierende Unfähigkeit.
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