TV-Kritik

«The Voice»-Premiere wenig ergiebig

Seit bald zehn Jahren ist die Gesangs-Castingshow «The Voice» ein Quoten-Hit. Und das weltweit. Wie viele andere Formate wurde auch dieser Blockbuster vom holländischen TV-Produzenten John de Mol entwickelt. Das Schweizer Fernsehen gab die Show vor über fünf Jahren auf. Eine Chance für den Privatsender 3+. Und der macht es auch nicht schlecht. Groovy, dass Jungtalente wieder eine TV-Chance bekommen, um vielleicht ihre Träume verwirklichen zu können.

In der ersten Sendung am Montag war alles dabei: Von der Rockröhre bis zum 68-jährigen Grossvater, einem Mundart- und Country-Sänger, oder einer Schlagersängerin/Jodlerin mit «Atemlos». Die Nachtigall in deren Brust ist klein, aber sie wohnt sehr schön. Weitaus am meisten überzeugt hat der 18-jährige St. Galler Remo Forrer. Er begeisterte Publikum und Juroren mit dem Song «Someone You Loved» des Schotten Lewis Capaldi. Der Titel war ein kommerzieller Erfolg, er hielt sich wochenlang auf Platz eins in der UK Single Chart. Beim «The Voice»-Kandidaten Remo stimmt die Stimme, die Seele klingt mit. Er hat sich nach dem Auftritt für Noah Veraguth («Pegasus») als Coach entschieden.

In die nächste Runde geschafft hat es auch die Schaffhauser Metalsängerin Jacky. Die 30-Jährige kam mit dem Midtempo-Rocktitel «Highway To Hell» von AC/DC sehr gut an. Ihr lauter Gesang könnte statt auf CD mit Seismographen aufgenommen werden. Die Rockerin lässt sich von den Büetzer Buebe unter die Fittiche nehmen. Wie in allen vergleichbaren Castingshows singen auch bei «The Voice Of Switzerland» die allermeisten Kandidatinnen und Kandidaten so, wie es viele können. Durchschnittlich, halt.

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Zur Jury: Am besten gefallen haben mir bei der Premiere die fachlichen Beurteilungen von DJ Antoine und Noah Veraguth. Anna Rossinelli (Lieblingsausdrücke: «megageil» und «vollgeil») ist vorlaut, ebenso wie Trauffer von den Büezer-Buebe. Bei ihm kommt dazu, dass er speziell im ersten Teil der Sendung überdrehte und sich in den Vordergrund drängte, um ja schon gleich am Anfang aufzufallen. Unangenehm. Sein Kumpel Gölä gefiel mir besser. Dieser kann zuhören und legte sogar einen Spagat aufs Parkett. Respekt. Mit den Jungtalenten geht die Jury motivierend und wohlwollend um, teils zu charmant. Ein Quäntchen Bohlen würde der Show aber gut tun.

Die Moderatoren-Duo Max Loong und Christa Rigozzi hält sich so weit wie möglich im Hintergrund. Prima so. Loong ist ein Sympathieträger und in der Schweiz zu wenig zu sehen. Viola Tami in der SRF-Version hatte mir sehr viel besser gefallen als die Tessiner Ex-Miss Schweiz. Suboptimal: Die Off-Stimme in dieser Sendung tönt so, als hätte der Sprecher ein nasses Handtuch über das Mikrofon gelegt.

Fazit: Die aufwendige Show auf 3+ ist zum Erfolg verdammt. Denn sie ist extrem teuer. Und mit Werbung nicht refinanzierbar. Zwölf Sendungen kostete SRF schliesslich rund zehn Millionen Franken.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Sandra Müller, 04.04.2020 22:03 Uhr
    Ich bin ein riesen grosser Fan von Voice of!!! Nur muss ich leider sagen, dass ich diese Staffel nicht fertig schauen konnte und das liegt leider nu an den Coaches!! Wie peinlich!! Die sind alle strange!!! Sucht doch jemanden wie mark forster oder fanta4 oder ähnlich... gibt doch viele tolle schweizer Musiker!!! Auch weniger bekannte!!! Ich habe mich nämlich sehr über die neue Staffel gefreut!!! Leider zu früh!!!
  • Alfred Brand, 02.03.2020 21:22 Uhr
    Ich möchte die Sendung als Ganzes gar nicht beurteilen. Zur Jury gibt es nur Folgendes zu sagen; Anna Rossinelli ist an Peinlichkeit und kindischem Getue nur schwer zu übertreffen. Aber da ist ja noch Trauffer. Auch er scheint zeitweise völlig von der Rolle zu sein. Noah Veraguth bringt Professionalität ins Spiel, DJ Antoine den Charme. Man müsste der Jury klarmachen, dass nicht sie die Show bestreiten, dass nicht sie die Hauptdarsteller sind. Doch leider - ich sage das als Basler - Anna Rossinelli ist in meinen Augen als Amateur eine riesengrosse Fehlbesetzung.
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