19.06.2015

Werber des Jahres

"Unsere Branche liefert international beachtete Arbeit"

Curdin Janett sagt, was ihm der Titel bedeutet und wie er die Branche vertreten will.
Werber des Jahres: "Unsere Branche liefert international beachtete Arbeit"

Herr Janett, Sie wurden am Donnerstag zum "Werber des Jahres 2015" gekürt. Wie haben Sie die Wahlnacht gefeiert?
Ich war die letzten zwei Wochen praktisch jeden Abend beruflich unterwegs und hatte meinen Kindern versprochen, am Donnerstag rechtzeitig zu Hause zu sein. Weshalb ich dann auch quasi direkt von der Bühne ins Taxi gehüpft bin. Als die Kinder im Bett waren, habe ich dann aber schon noch mit meiner Frau eine schöne Flasche geöffnet und einen reifen Käse angeschnitten.

Das Anstossen mit der Agentur werden Sie aber sicher noch nachholen, oder nicht?
Da finden wir sicher Zeit dazu, auf jeden Fall.

Was bedeutet Ihnen der Titel?
Es ist eine Auszeichnung für Publicis. Wir haben uns die letzten drei Jahre mit grossen, integrierten Kampagnen in der Kreativ-Spitze verankert und gleichzeitig die Spitzenposition im Markt gehalten. Dabei sind einige Cases entstanden, auf welche wir wirklich stolz sind. Seats for Switzerland für die Swiss, der Launch von Salt und die Lohngleichheitskampagne für die Zürcher Frauenzentrale beispielsweise. Es gab sicher Jahre, wo eine Person für ihren Output gewählt wurde – in diesem Jahr wurde ich stellvertretend für die Agentur gewählt.

Wie wollen Sie die Rolle "Werber der Jahres 2015" ausfüllen? Sind damit implizite oder explizite Verpflichtungen verbunden?
Ein "Pflichtenheft" wäre mir nicht bekannt. Aber es wird wohl die eine oder andere Interviewanfrage mit sich bringen, da würde ich es als meine Aufgabe sehen unsere Branche zu vertreten. Wir machen in der Schweiz gemessen an der Marktgrösse beachtenswerte Arbeit, auf die man stolz sein darf.

"Man sollte sich mehr bewusst sein, dass es zwar nicht die grösste Branche der Schweiz ist, dass sie aber entscheidend zum Erfolg von ganz vielem in diesem Land beiträgt", sagten Sie am Donnerstagabend laut werbewoche.ch. Was konkret meinen Sie damit?
Die Schweiz bringt im internationalen Vergleich sehr viel zu Stande. Da braucht man sich nur einmal die Anzahl Patente pro Kopf anzuschauen oder die vielen Firmen, welche von hier aus in unterschiedlichsten Bereichen im internationalen Markt mitspielen. Und mit derselben Passion wie dort Ingenieure, Entwickler und Forscher am Werk sind, arbeiten auch in unserer Branche Strategen und Kreative an der Positionierung und Vermarktung dieser Leistungen. Wir sind nicht die lustige Branche, die flotte Sprüche macht – auch hier entsteht international beachtete, erfolgreiche Arbeit.

Welche Botschaft wollen Sie als "Werber des Jahres" über die Branche hinaus an die breite Öffentlichkeit tragen?
Mal schauen, ob der Titel über die Branche hinaus Beachtung findet. Falls dem so ist, würde ich gerne auf die Bedeutung einer differenzierenden Strategie und deren Umsetzung auf allen Kommunikationskanälen für den Unternehmenserfolg hinweisen. Ein Fact, welcher in der ersten Welle der Digitalisierung oft vergessen wurde. Wir haben zu oft Sachen gemacht, einfach weil sie heute möglich sind. Da aber Ressourcen weder finanziell noch personell einfach in den Himmel wachsen, muss man heute schlauer sein. Seine Geschichte muss man wirklich kennen, bevor man sie erzählt.

Ihre Kampagne "Lohnungleichheit" der Frauenzentrale hat in der Branche für viel Aufsehen gesorgt. Leider war sie etwas wenig sichtbar. Wird die Kampagne weitergeführt?
Die Kampagne wurde beim ADC eingereicht, obwohl sie erst gerade ein paar Tage on air war. Jetzt sind wir in der zweiten, weit grösseren Welle. Zur Zeit sind wir gerade am TV. Eine meiner aktuellen Lieblingskampagnen.

"Seats for Switzerland"/Swiss (vgl. unten) hat bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen. Haben Sie sie auch bei Cannes Lions eingereicht?
Ein sehr schöner Case, auf den wir stolz sind. Gerade weil es eine sehr gut integrierte Kampagne ist, welche Digital, ATL, Branded Content und Social Media umfasst. Und dabei auf einer klaren Strategie basiert. Mir persönlich wäre es am liebsten, wenn sie genau für diesen Aspekt auch in den integrierten Kategorien gewinnt. Aber wir haben auch einzelne Teile eingereicht. Daumen drücken.

Werden Sie selber nach Cannes reisen?
Ich schaffe es dieses Jahr leider nicht, keine Chance. Aber unsere Cannes-Delegation wird mich sicher über die neuesten Entwicklungen unterrichten.

Welches ist Ihr persönlicher internationaler Favorit für den Film-Grand-Prix?
Ich bin kein gutes Cannes-Orakel. Monty the Penguin für John Lewis?

Wie wollen Sie Ihre Agentur Publicis weiterentwicklen?
Die Integration hat sich als richtiger Weg erwiesen. Nun geht es darum, diese nicht bei reiner Kommunikation enden zu lassen um unsere Kunden in dieser Zeit der Transformation noch stärker als Partner unterstützen zu können. Da haben wir dieses Jahr noch grosse Pläne.

Und wo werden Sie Egon aufstellen?
Der steht erst einmal auf meinem Tisch und schaut auf die Pendenzen…

Fragen: Edith Hollenstein


Curdin Janett stieg 1990 nach einer KV-Lehre bei Wirz Werbung ein. 2000 wurde er Managing-Director bei McCann Erickson in Genf, 2003 COO von McCann Erickson Schweiz und 2005 CEO. 2008 wechselte Janett zu Publicis, deren CEO er seit 2010 ist.



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