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Echo mit Echo

Pierre Rothschild

Den Musikpreis Echo wird es nicht mehr geben. Die Marke Echo sei durch den Eklat um die Auszeichnung der Rapper Kollegah und Farid Bang so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, teilte der Bundesverband Musikindustrie letzte Woche in Berlin mit. Der Vorstand des Bundesverbandes habe deswegen das Ende des Preises beschlossen (persoenlich.com berichtete).

Der Echo sei viele Jahre ein «großartiger Preis» und zugleich zentraler Branchenevent gewesen. Der Vorstand wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen werde: «Für eine Konkretisierung der Änderungen wird sich der Vorstand die erforderliche Zeit nehmen.»

Der Pianist Igor Levit, der seinen Echo wie andere Künstler aus Protest zurückgegeben hatte, twitterte: «Die Feigheit einer Institution, sich selbst lieber abzuschaffen, als sich den wahren Problemen und Ursachen dieser Probleme zu stellen, empfinde ich als ohrenbetäubend.» 

Levit bringt es auf den Punkt: hier wird keine Trauerarbeit geleistet, hier wird nicht intern und für die Öffentlichkeit hinterfragt, wie es zu diesem Skandal kam. Von ersten Besprechungen bis hin zur Nominierung ist der Weg lang. Hier haben wohl alle nichts gehört und gesehen, sonst wäre es nicht soweit gekommen: Bei der Echo-Gala vor zwei Wochen waren Farid Bang und Kollegah trotz massiver Kritik bereits an ihrer Nominierung ausgezeichnet worden. Die Rapper werden unter anderem wegen judenfeindlicher Liedzeilen scharf kritisiert. In ihrem mit dem Echo ausgezeichneten Album «Jung, brutal, gutaussehend 3» findet sich unter anderen die Textzeile «Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow».

Der Echo ist tot. Der «neue» Echo, wie immer er heissen mag, wird die gleiche DNA haben. Schade – und nicht ohne neue Gefahren.





Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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