19.02.2015

Papperlapapa

"So schlimm ist das Vatersein im Fall nicht"

Der "Supertexter", Papablogger und Zweifachvater Rinaldo Dieziger ist unter die Buchautoren gegangen.
Papperlapapa: "So schlimm ist das Vatersein im Fall nicht"

Herr Dieziger, Ihr Buch "Papperlapapa" enthält gesammelte Beiträge aus dem Papa-Blog von Newsnet, die dort gratis zu lesen sind. Wer soll ihr Buch kaufen?
Väter, Mütter und alle, die ihnen in die Quere kommen. Aber nicht nur. Viele Reaktionen auf die Blogs kamen von Leuten, die gar keine Kinder haben. Unter anderem von einem Pfarrer.

Welche Reaktion erwarten Sie von Ihren Töchtern, wenn sie die Texte in sagen wir 15 Jahren lesen werden? Manchmal sind Sie ja nicht gerade zimperlich in Ihren Formulierungen.
Ich hoffe natürlich, dass sie stolz auf ihren Papa sind. Ich habe die Texte nicht geschrieben, weil ich mich als besonders guter Papa dafür qualifiziert hätte. Ich bin auch nicht Kinderarzt oder Kindergärtner. Ich bin ein frisch gebackener Vater, der vom Werbetexter zum Startup-Unternehmer mit der Agentur Supertext mutiert ist. Und der Mamablog war eine einmalige Gelegenheit, mich als Texter auszutoben.

Sie schreiben dass Sie früher dachten, Sie wollten bloss kein Kind am Hals haben. Ändert sich diese Einstellung eigentlich mit dem Alter oder mit der Frau?
Mit beidem. Vorallem aber mit der Frau. Viele Männer zögern,  ihre Freiheit aufzugeben. Aber so schlimm ist das Vatersein im Fall nicht. Mit einer Familie ändert sich nicht alles. Es kommt einfach etwas dazu. Etwas, das dann doch alles ändert.

In der Frauenwelt dürften Sie für Ihr väterliches Engagement umjubelt werden. Geniessen Sie den Sonderstatus als Mamaversteher?
Absolut. Allerdings bin ich noch lange kein Mamaversteher, nur weil ich die Wahrheit sage: Papa sein ist das Grösste!

Und wie ist es unter Männern? Sind Mittdreissiger heute genauso selbstverständlich Väter wie Frauen Mütter oder wird es belächelt, wenn Sie sich in der Öffentlichkeit übers Vatersein definieren?
Männer waren doch schon immer selbstverständlich Väter. Viel selbstverständlicher als die heutigen Frauen Mütter. Heute machen die Frauen ein viel grösseres Trallala ums Kinderkriegen als die Frauen von damals, als es noch normal war, drei bis fünf Kinder zu gebären. Ich finde es gut, wenn auch die Väter ihre Rolle nicht mehr so selbstverständlich nehmen und versuchen, etwas Besonderes daraus zu machen.

Sie schreiben, Männer seien sehr findig wenn es darum geht, sich mehr um die Familie zu kümmern und sich vor einem 80 Prozent-Pensum zu drücken. Sie sind selbst Gründer und Geschäftsführer der Text- und Übersetzungsagentur Supertext. Wie managen Sie das?
Als Unternehmer könnte man Tag und Nacht und dazwischen auch noch malochen. Egal wie effizient man arbeitet, es gibt immer noch etwas zu tun. Man muss sich halt die Zeit nehmen. Seit der Geburt der ersten Tochter bin ich einen Tag pro Woche zu Hause allein mit den Kindern.

Was raten Sie Frauen von teilzeitresistenten Männern? Überzeugungsarbeit leisten oder stehen lassen?
In den Umfragen heisst es, 9 von 10 Männern würden Teilzeit arbeiten wollen. In Realität tut es kaum einer. Die Wahrheit ist doch die: die meisten Männer wollen gar nicht Teilzeit arbeiten. Diese Männer kann nichts aufhalten. Weder hält die Karriere das Kind noch das Kind die Karriere auf. Als Frau können Sie sich entweder damit arrangieren oder gehen. Die nervenaufreibende Überzeugungsarbeit würde ich mir sparen.

Interview: Lucienne Vaudan, Bild: Rinaldo Dieziger



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