31.08.2017

Umbau bei Tamedia

Medienkritiker verteidigt das Vorgehen

Kurt W. Zimmermann glaubt, dass durch zentralisierte Redaktionen die Zeitungen besser würden.
Umbau bei Tamedia: Medienkritiker verteidigt das Vorgehen
Die Fusion der Tamedia-Redaktionen stärke den kritischen Journalismus, ist sich Medienkritiker Kurt W. Zimmermann sicher. (Bild: Keystone)

Für Kurt W. Zimmermann, Chefredaktor des «Schweizer Journalist» und Medienkritiker der «Weltwoche», ist klar: zentralisierte Zeitungsredaktionen, wie es die Tamedia plant, «fördern Qualität und Meinungsvielfalt». Kaum habe die Tamedia ihr neues Modell vorgestellt habe, so Zimmermann in der aktuellen «Weltwoche», sei das übliche Protestgeheul losgegangen. Die Medienpolitiker der Nation hätten einen üblen Zerfall der Meinungsvielfalt beklagt. Nun ist es seit je die Eigenart unserer Medienpolitiker, so der «Weltwoche»-Medienkritiker, dass sie von Medien keinen Schimmer hätten. Das sei auch diesmal so gewesen.

Gewaltige Mittel und enorme journalistische Feuerkraft

In Wirklichkeit stärke die Fusion der Tamedia-Redaktionen den kritischen Journalismus, folgert Zimmermann. Speziell der Recherchejournalismus profitiere, da anstelle von kleinen, zersplitterten Redaktionen, die auf diesem Feld oft erfolglos blieben, nun eine zentrale Kampftruppe aufträte, die über «gewaltige Mittel und enorme journalistische Feuerkraft» verfüge. Auch andere Medienhäuser hätten diese Erfahrungen gemacht. Zimmermann verweist dabei auf das Schweizer Fernsehen, Ringier mit seinem integrierten Newsroom und die NZZ-Gruppe, die die Redaktionen des «St. Galler Tagblatts» und der der «Luzerner Zeitung» verschmolzen hätten. Zimmermann glaubt zudem, dass diese Einheitsredaktionen für die Leser kein Problem seien, da sie statistisch gesehen ohnehin nur eine Zeitung läsen.

Politiker lesen gratis und meckern

Bereits am Wochenende äusserte sich Zimmermann in der «SonntagsZeitung» über geplanten Tamedia-Redaktionen (Artikel online nicht verfügbar). «Diese Zentralisierung ist zwingend. Verlage müssen journalistische Synergien finden, wenn sie überleben wollen», schreibt er in einem Gastkommentar. Überhaupt, nur Politiker würden mehr als eine Zeitung lesen, weil sie die Abos gratis erhalten würden. «Die Gratis-Abonnenten aus der Politik meckern dann, was die Verlagshäuser alles falsch machen», so Zimmermann weiter. (ma/cbe)



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Kommentare

  • Robert Weingart, 31.08.2017 13:32 Uhr
    Wessen Brot er einst ass.
  • Dieter Widmer, 01.09.2017 10:00 Uhr
    Ich weiss nicht, wem Kurt W. Zimmermann etwas beweisen will. Aber er irrt, leider. Wenn ich im Tages-Anzeiger, im Bund und in der Berner Zeitung in allen Ressorts (ausser Lokales) die gleichen Artikel im gleichen Layout lesen muss, brauche ich nur noch eine Zeitung. Es geht darum, dass ich über die deutsche Politik, ein Länderspiel, eine Oper, Bundesratswahlen und die GV der UBS nicht überall den gleichen Bericht lesen möchte.

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