08.07.2016

Translation Probst AG

«Der Markt ist noch lange nicht gesättigt»

Roman Probst hat seine Übersetzungsfirma an ein französisches Unternehmen verkauft. persoenlich.com hat mit ihm über seine Pläne gesprochen.
Translation Probst AG: «Der Markt ist noch lange nicht gesättigt»
von Matthias Ackeret

Herr Probst, Sie haben gerade Ihr Unternehmen, die Translation Probst AG, an die französische Technicis verkauft. Wie kam es zu diesem Entscheid?
Meine Firma hat über die letzten Jahre ein jährliches zweistelliges Wachstum erfahren. Trotzdem muss man aufmerksam und aufgeschlossen bleiben, wenn sich wertvolle Synergien und Gelegenheiten ergeben. So geschehen Ende März, als Technicis mit mir den ersten Kontakt aufnahm – die Vorteile einer Zusammenarbeit lagen auf der Hand. Das Streben nach Qualität ist unser Fundament und genau darin gründen auch unsere Stärken: Qualitätsübersetzungen, Fachübersetzer für jede Branche und Textsorte, ein hochwertiger Service und vor allem die durchwegs hervorragenden Kundenbeziehungen. Nach sorgfältiger Erwägung der umfangreichen Vorteile, die eine Integration der beiden Unternehmen den Kunden bringen würde, haben wir dann beschlossen, diese grosse Chance wahrzunehmen. Und wir wussten, dass die Belegschaft von Anfang an dahinterstehen würde, daher passte es in jeder Hinsicht.

Erzählen Sie uns ein wenig mehr über Technicis und die neue Geschäftsleitung.
Technicis ist der führende Übersetzungsdienstleister in Frankreich und gehört europaweit zu den Top-Übersetzungsbüros mit Kunden in sechs Ländern: Frankreich, Belgien, den USA, Grossbritannien, Deutschland und der Schweiz. CEO der Firma ist Benjamin du Fraysseix, der Gründer von Technicis Finance, der diese Aufgabe seit 2012 innehat. Im Laufe seiner Amtszeit hat das Unternehmen in weniger als fünf Jahren seinen Umsatz verdoppelt. In seiner Rolle als CEO wird Benjamin du Fraysseix von Guillaume Patry, dem Chief Operating Officer der Technicis-Gruppe, unterstützt.

Was bedeutet dieser Entscheid für die Mitarbeitenden und die Kunden?
Für unsere Kunden wird es ausser stets steigender Excellence keine Änderungen geben. Die Reaktionen waren durchwegs positiv, und die Übernahme wird als attraktiv und vorteilhaft bewertet. Die Vereinigung des Fachwissens von Technicis mit dem einzigartigen Qualitätssicherungssystem der Translation Probst AG wird zu natürlichen Synergien und Innovationen führen, die es uns ermöglichen werden, unseren Kunden weiterhin einen beispiellosen Mehrwert zu bieten. Was die Arbeitsnehmenden angeht, werden unsere Fachleute und freien Mitarbeitenden von einem bedeutend höheren Auftragsvolumen profitieren, und dies bei unveränderten Arbeitsbedingungen. Weitere Chancen und Perspektiven werden sich für sie auch ganz einfach daraus ergeben, dass das Unternehmen ein grösserer und vielseitigerer Player auf dem Markt sein wird.

Wird das Unternehmen nach der Übernahme weiterhin Ihren Namen tragen?
Ja, das wird es. Es ist ein wenig, wie wenn man in seiner Jugend einen Laden eröffnet, der dann später von einem der grössten Handelsunternehmen Europas übernommen wird und den ursprünglichen Namen beibehält. Ich fühle mich geehrt, dass der Firmenname einen so guten Ruf geniesst, und hoffe, dass die Kunden den Namen Translation Probst AG auch in Zukunft mit vortrefflicher Qualität und Erfolg in Verbindung bringen werden.

Die Translation Probst AG ist jetzt das zweitgrösste Übersetzungsbüro der Schweiz. Was sind die Folgen für den Markt?
Der Markt ist noch lange nicht gesättigt. Der immer schneller werdende technologische Fortschritt eröffnet stets neue Möglichkeiten, und es bleiben noch viele Nischen für die Diversifikation und Verbesserung von Sprach- und Textdienstleistungen. Stellen Sie sich nur einmal vor, dass vielleicht in naher Zukunft Dolmetscher ihre Aufträge mithilfe von VR-Technologie ausführen werden, ohne am selben Ort zu sein wie die Kunden. Der lebhafte Unternehmergeist von Technicis wird dafür sorgen, dass das Unternehmen als Innovationsträger an vorderster Front dabei sein wird. Als Trägerin zahlreicher Auszeichnungen und als einziges Übersetzungsbüro der Schweiz mit dem KTI-Label des Schweizer Bundes ist die Translation Probst AG in einer hervorragenden Position, um ihre Marktführerschaft weiter zu stärken. Aber es gibt sicherlich genügend Arbeit für alle Marktteilnehmer.

Sie haben immer grossen Wert auf «Swissness» gelegt. Steht der Verkauf an ein französisches Unternehmen dazu nicht im Widerspruch?
Im Gegenteil. Wir glauben, dass «Swissness» als lokales Phänomen in erster Linie von seinem Potenzial, den internationalen Markt mitzuprägen, lebt. Schliesslich ist es die internationale Präsenz von Schweizer Unternehmen, die diesen zum Erfolg in Europa und weltweit verholfen hat. In der Sprachbranche hat das «Swissness»-Label noch nicht dieselbe Wirkung entfaltet wie anderswo. Weil die sprachliche Vielfalt in der Schweizer Kultur so stark verwurzelt ist, hat aber eine Strategie, die bei Sprachdienstleistungen auf «Swissness» setzt, ein enormes Potenzial, das es erst noch zu erschliessen gilt. Dank der europaweiten Tätigkeit von Technicis ist die Verwirklichung dieser Vision nun einen Schritt näher gerückt. Unser firmeneigener Professor Tell wird also weiterhin eine zentrale Rolle spielen bei der Vermittlung der Kernwerte der Translation Probst AG: Genauigkeit, Treffsicherheit, Zuverlässigkeit und Swissness.

Haben Sie unternehmerische Pläne für die Zukunft?
Wenn meine offizielle Rolle im Unternehmen Ende Monat beendet ist, werde ich mir zuerst den Kindheitstraum einer Weltreise erfüllen. Ich habe meine Karriere als Reiseleiter begonnen, und meine Begeisterung für fremde Länder und Kulturen ist immer noch stark ausgeprägt. Es gibt so vieles zu sehen und zu erleben in unserer wunderbaren Welt. Ich trage immer ein paar Geschäftsideen in mir herum, und es werden laufend mehr, aber konkret habe ich noch keine Vorstellung von meinen zukünftigen Aktivitäten. Aber natürlich will ich, wenn es so weit ist, meine unternehmerischen Stärken zum Zug kommen lassen.

Bild: zVg



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