Die Kritik richtet sich gegen ein KI-generiertes Kinderbuch und die Aufforderung an Kinder, selbst mit künstlicher Intelligenz Geschichten zu verfassen. Als erste berichteten deutsche Medien darüber.
Die Swisscom hat ihren bisherigen Claim «Gemeinsam bereit» durch «Entdecke, was du kannst» ersetzt (persoenlich.com berichtete). Im Zentrum der neuen Kampagne steht die Verwendung von künstlicher Intelligenz. Ein TV-Spot zeigt einen Vater, der für seine sechsjährige Tochter Mia mit Hilfe von GenAI ein individuelles Buch erstellt. Dieses Kinderbuch «Die Monsterprinzessin» gibt es auch in der Realität: Swisscom vertreibt es nach eigenen Angaben «geschrieben und illustriert mit Unterstützung von GenAI» in einer Auflage von 6000 Exemplaren in ihren Shops. Es enthält eine Anleitung zur Gestaltung eigener Geschichten mit KI.
Den Protestbrief haben zehn Verbände und Organisationen unterzeichnet, darunter der Schweizer Buchhandels- und Verlagsverband (SBVV), der Verband der Autoren und Autorinnen der Schweiz (A*dS), Swiss Independent Publishers und der Verein Illustrator:innen Schweiz.
Die Unterzeichner kritisieren, dass die Swisscom «in einen sensiblen Markt eindringt, in dem Kreativschaffende und ganze Branchen (…) um ihre Existenz kämpfen». Sie betonen, dass in der Schweiz nur sehr wenige Kinderbücher eine derart hohe Auflage erreichen wie jenes, das nun Swisscom vertreibt.
«KI selbst schreibt oder malt mitnichten»
Der Aussage im Vorwort des Buchs widersprechen die Verbände deutlich: «KI selbst schreibt oder malt mitnichten und ist auch darüber hinaus nicht zu Kreativität fähig. Vielmehr bedient sie sich, ohne eine Gegenleistung zu erbringen, an von Menschen geschaffenen und urheberrechtlich geschützten Werken, um Inhalte zu erzeugen.»
Besonders problematisch sehen die Unterzeichner die pädagogische Dimension: «In einem Kinderbuch Kinder aufzufordern, selbst mit KI Geschichten zu verfassen, ihre Fantasie also faktisch einer Maschine abzutreten, ist gefährlich für die Entwicklung der Kinder.»
Die Verbände werfen Swisscom vor, dass «der Werbespot und das KI-Bilderbuch zwei besonders vulnerable gesellschaftliche Gruppen direkt angreifen: Kinder werden manipuliert, und die ohnehin prekären Arbeitsbedingungen einer ganzen Branche, die bereits stark unter Druck steht, werden ignoriert und weiter verschlechtert.»
Sie wollen mit CEO Aeschlimann sprechen
Die Kreativverbände fordern «einen verantwortungsvollen, transparenten und regulierten Umgang mit KI» und haben Swisscom-CEO Aeschlimann zu einem persönlichen Gespräch aufgefordert. Sie argumentieren, dass ein zu 51 Prozent dem Schweizer Staat gehörendes Unternehmen seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und Schweizer Kulturschaffende fördern sollte, statt deren Arbeit zu automatisieren. (nil)

