30.01.2026

Halbierungsinitiative

Damit schärfen die Gegner ihre Argumentation

Die Stiftung für direkte Demokratie setzt in ihrer Kampagne gegen die SRG-Initiative auf persönliche Gespräche. Damit die Freiwilligen die passenden Argumente finden, können sie diese auf einer interaktiven Online-Plattform einüben. Campaigner Daniel Graf erklärt, wie das geht.
Halbierungsinitiative: Damit schärfen die Gegner ihre Argumentation
Das Handy als «Spickzettel» für ein Gespräch im Abstimmungskampf. (Bild: zVg/Stiftung für direkte Demokratie)

Das Nein-Lager zur Halbierungsinitiative ist vielstimmig, doch die Stiftung für direkte Demokratie wählt einen eigenen, speziellen Weg. Ihre Strategie für die Abstimmung am 8. März verzichtet bewusst auf die klassische Materialschlacht. Der Fokus liegt auf der Mobilisierung im privaten Umfeld – am Küchentisch, im Büro oder an der Bushaltestelle (persoenlich.com berichtete).

Das Mobilisierungspotenzial der Plattform WeCollect, die die Stiftung betreibt und die für Initiativen und Referenden Unterschriften sammelt, besteht aus 150’000 Personen. Bereits jetzt haben rund 4500 Personen zugesagt, durchschnittlich drei Gespräche zu führen. Das Ziel für die Kampagne liegt bei 100’000 persönlichen Kontakten für die Mobilisierung gegen die Halbierungsinitiative.

Ein interaktives Argumentarium

Um die gesprächsbereiten Unterstützerinnen und Unterstützer auf ihre Aufgabe vorzubereiten, geht die Stiftung einen neuen Weg. Sie stellt ein eigens dafür entwickeltes Online-Training bereit, welches das nötige Rüstzeug für das persönliche Gespräch liefert. Es handelt sich im Prinzip um ein interaktives Argumentarium. Während die Komitees im Vorfeld von Abstimmungen bisher statische Dokumente bereitstellten, die wohl nur wenige lesen, setzt die Stiftung für direkte Demokratie auf einen spielerischen Zugang zu ihren Argumenten gegen eine Reduktion der Medienabgabe.

Die interaktive Trainingsplattform haben Daniel Graf und Lisa Schweizer entwickelt und mithilfe von KI-Tools gebaut. Sie bietet drei Zugänge: Zuerst vermittelt die Plattform einen Überblick zu den Grundlagen der Abstimmungsvorlage. Das so erworbene Wissen kann man mit Quizfragen prüfen. Weiter erhält man Anregungen und Anleitungen, wie man beliebte Argumente der Befürworter kontern kann. Schliesslich werden klassische Gesprächssituationen simuliert, etwa im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz.

«Argumente spielerisch und nebenbei lernen»

Obwohl die Darstellung auf den ersten Blick diesen Eindruck vermitteln mag, gibt es nicht einen «richtigen» Pfad bei diesen Trainings. Wird der Nutzer beispielsweise mit dem Einwand konfrontiert, dass die SRG-Gebühren zu hoch seien und 200 Franken völlig ausreichten, zeigt das Tool unterschiedliche Reaktionsmuster an. Wählt man den sachlichen Pfad, argumentiert man mit dem Solidaritätsgedanken und erklärt, dass private Anbieter die Versorgung in allen vier Landessprachen und Randregionen nicht profitabel leisten könnten. Entscheidet man sich hingegen für den emotionalen Pfad, stellt man eine persönliche Gegenfrage – etwa, ob das Gegenüber bereit wäre, auf seine Lieblingssendungen zu verzichten. «Die Leute sollen die Argumente spielerisch und nebenbei lernen», sagt Daniel Graf. «Jede Minute auf der Webseite heisst mehr mitnehmen und motivierter fürs Abstimmen zu sein.»

In den letzten Tagen haben bereits 300 Personen die Fragen und Antworten des interaktiven Argumentariums getestet und online bewertet. «Das gibt uns wichtige Hinweise, wie wir das Tool verbessern können», sagt Graf.

Gespräche als mobilisierendes Element einer Kampagne sind eine bewährte Strategie. In den USA gibt es das «Door-Knocking», bei dem Mitglieder und Sympathisanten der Parteien ausschwärmen und an Haustüren klopfen, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Die SP Schweiz wiederum ruft vor Wahlen und Abstimmungen ihre Mitglieder und Sympathisantinnen an, um sie von der Wichtigkeit eines Urnengangs zu überzeugen.

«Umso wichtiger bei knappem Ausgang»

«Wir haben bei der Stiftung kein grosses Team und setzen gerne auf skalierbare, digitale Infrastruktur. Unser Ansatz bleibt schlank und dezentral», erklärt Graf. Im Kern geht es der dialogzentrierten Kampagne der Stiftung für direkte Demokratie darum, mit minimalen Ressourcen das Maximum zu erreichen. Die finanziellen Mittel sollen effizient in Nein-Stimmen umgewandelt werden. «Das ist bei einer Abstimmung wie jener zur Halbierungsinitiative, wo wir mit einem knappen Ausgang rechnen, umso wichtiger», gibt Kampagnenprofi Graf zu bedenken.

Als nächsten Schritt in ihrem Low-Budget-Abstimmungskampf werden Graf und sein Team einen sprachgesteuerten «Vote-Coach» lancieren. Mit einem virtuellen Gegenüber, das unterschiedliche Typen von Befürwortern der Halbierungsinitiative simulieren kann, lassen sich die Argumente auch in mündlicher Alltagssprache ausprobieren und schärfen.


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KOMMENTARE

Rollo Hof
31.01.2026 14:44 Uhr
An Viktor Brunner: Vielleicht wollen die meisten Interessengruppen (ausser der SVP) keine Trumpisierung der Medien. Auch die FDP hat heute die Nein-Parole zur sog. Halbierungsinitiative herausgegeben.
Victor Brunner
30.01.2026 13:57 Uhr
Erschreckend wie viele Interessengruppen das System aus der Mitte des letzten Jahrhunderts verteidigen "Eine Nation, ein Sender, eine Stimme". Das Medienvielfalt 2026 noch bekämpft wird und wenigen die Deutungshoheit überlassen wird. Das die wenigen überfordert sind, nicht analysieren können hat die Tagesschau gezeigt als falsche Asylzahlen vermittelt wurden!
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