06.05.2025

Vatikan

Die Papstwahl im digitalen Zeitalter

So viel Aufregung war im Internet vor einem Konklave noch nie. Noch bekommen das auch die Kardinäle mit - aber nicht mehr lange.
Vatikan: Die Papstwahl im digitalen Zeitalter
Von den Kardinälen, die jetzt als Nachfolger gehandelt werden, sind einige ebenfalls auf Social Media aktiv. (Bild: Keystone/Alessandra Tarantino)

Seit dem Tod von Papst Franziskus ist nicht nur der Heilige Stuhl verwaist. Das X-Konto des @Pontifex ist es auch. Die letzte Nachricht dort stammt vom Ostersonntag: «Christus ist auferstanden.» Einen Tag danach war das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken tot. Aus dem Konto «Papst Franziskus» wurde «Apostolica sedes vacans» («Unbesetzter apostolischer Stuhl»). Seither ist es dort still. Was man vom Rest des Internets in Bezug auf die Papstwahl überhaupt nicht behaupten kann.

Vor dem am Mittwoch beginnenden Konklave, mit dem 133 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle Franziskus' Nachfolger wählen, herrscht in den sozialen Netzwerken enorme Aufregung. Kaum etwas, das es nicht gibt: Memes mit tanzenden Kardinälen, TikTok-Schnipsel mit ziemlich echt aussehenden Kirchenmännern, die in der Sixtinischen Kapelle am Joint hängen, oder andere Fake-Videos mit älteren Herren in Rot, die vor Michelangelos «Jüngstem Gericht» Pizza vertilgen.

Das erste Konklave mit TikTok und KI

Einen der sonderbarsten Auftritte von allen hatte Donald Trump: Der US-Präsident liess über den offiziellen X-Account des Weissen Hauses ein KI-generiertes Porträt von sich als Papst in weisser Soutane verbreiten. Die Meinungen dazu waren sehr geteilt. Der Vatikan enthielt sich, trotz vieler Nachfragen, jeglichen Kommentars.

Ändern können die amtierenden Kirchenoberen ohnehin nicht mehr viel: Aus dem Konklave, einem viele Jahrhunderte alten, überaus geheimnisvollen Ritual, ist 2025 ein Spektakel der Popkultur geworden. Vor zwölf Jahren, als Franziskus gewählt wurde, gab es TikTok noch nicht und auch noch keine Künstliche Intelligenz (KI) so wie heute. Instagram, gegründet 2010, war eben erst vom viele Milliarden schweren US-Konzern Facebook aufgekauft worden.

Papst im Daunenmantel eines der ersten ikonischen KI-Bilder

Der deutsche Papst Benedikt XVI. war kurz vor seinem überraschenden Rücktritt der erste @Pontifex auf Twitter. Franziskus hatte damit zuletzt mehr als 50 Millionen Follower. Auch auf Instagram war er aktiv. 2023 wurde mit einem KI-generierten Bild des Papstes vielen Leuten erstmals klar, wozu Künstliche Intelligenz fähig ist: Der ältere Herr im weissen Hipster-Daunenmantel mit mächtigem Silber-Kruzifix auf der Brust sah täuschend echt aus.

Von den Kardinälen, die jetzt als Nachfolger gehandelt werden, sind einige ebenfalls auf Social Media aktiv. Der Philippiner Luis Antonio Tagle - einer der Favoriten - hat auf Facebook mehr als 600'000 Follower. Die beiden Italiener Pietro Parolin und Matteo Zuppi, ebenfalls als mögliche neue Pontifexe genannt, verzichten bislang auf solche Aktivitäten. Sie stehen auch so bei den verschiedenen Internet-Wettbörsen hoch im Kurs.

Online-Spiel: Favorit als Kapitän, grösster Aussenseiter als
Torwart

In Italien ist das Wetten auf religiöse Ereignisse verboten. Aber man kann sich in einem Online-Spiel auf eine Vorhersage zum Ausgang des Konklaves einlassen. Bei «Fantapapa» muss man - in Italien sind viele nicht nur sehr katholisch, sondern auch fussballverrückt - eine Mannschaft aus elf Kardinälen zusammenstellen. Seinen Top-Favoriten macht man zum Kapitän, den Kardinal mit den wenigsten Chancen zum Torwart: Aktuell trägt Zuppi, der Erzbischof von Bologna, die Kapitänsbinde. Im Tor steht der Jüngste, Mykola Bychok.

Kardinäle bald völlig ohne Internet

Und dort gilt, wie seit Jahrhunderten, strengstens Kontaktverbot zur Aussenwelt. Vor Beginn der Wahl müssen alle Handys, Smartphones, Laptops und Computer abgegeben werden. Zudem sind in und um die Sixtinische Kapelle Störsender installiert. Für ein paar Tage ist es für die Oberen der katholischen Kirche in ihrer Abgeschiedenheit dann wieder wie früher: Das Internet gibt es überhaupt nicht. (sda/dpa/awe)


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