17.11.2022

Meta

«Die Stimmung in unserem Zürcher Büro ist gut»

Am Mittwoch hat Meta in den Büros in Zürich zum Austausch geladen. Auch Zentraleuropa-Chef Tino Krause war vor Ort. Im Interview spricht er über den kürzlich verkündeten Stellenabbau, den Standort Zürich und über die neuesten Innovationen im Bereich AR und VR.
Meta: «Die Stimmung in unserem Zürcher Büro ist gut»
«Das Wichtigste in so einer Situation ist Kommunikation», sagt Meta-Zentraleuropachef Tino Krause. (Bild: zVg)
von Michèle Widmer

Herr Krause, am Mittwoch haben Sie bei Meta in Zürich zum Event mit Agenturen und Partnern eingeladen. Wenige Tage zuvor wurde bekannt, dass weltweit 11’000 Mitarbeitende entlassen werden. Ein etwas ungünstiger Zeitpunkt für Fingerfood und Getränke. Wie ist Ihnen grad zumute?
Das stimmt, der Zeitpunkt war ungünstig. Wir haben seit Ausbruch der Corona-Pandemie regelmässig virtuelle Workshops und Seminare mit unseren Schweizer Partnerinnen und Partnern veranstaltet. Was dieses Mal dazu kam: Wir wollten wieder mal in unser Zürcher Büro einladen, denn der direkte persönliche Austausch mit unseren Stakeholdern ist uns sehr wichtig. Dieser Anlass war seit Langem geplant. Aber Sie haben Recht, es ist eine herausfordernde Zeit, und wir haben letzte Woche eine sehr schwere Entscheidung als Unternehmen kommunizieren müssen.

13 Prozent der weltweiten Belegschaft werden entlassen. Inwiefern ist der Standort Zürich von diesen Entlassungen betroffen?
Der Standort Zürich ist einer unserer Standorte weltweit, an denen wir Technologien für die Zukunft entwickeln. Dazu gehören Technologien, die notwendig sind, um das Metaversum zum Leben zu erwecken, unter anderem Augmented Reality, Virtual Reality und Mixed Reality. Hinzu kommt, dass wir in Zürich Zugang zu einzigartigen Talenten haben, beispielsweise von der ETH. Der Standort spielt für uns weiterhin eine Schlüsselrolle, wenn es um den Aufbau des Metaversums geht. Zu den Konsequenzen der Entlassungen für einzelne Standorte äussern wir uns nicht. Dafür bitte ich um Verständnis.

«Wir haben uns am Mittwoch als Team zusammengesetzt und uns dazu ausgetauscht, was die letzten Tage passiert ist»

Was haben Sie den Mitarbeitenden in Zürich dazu gesagt?
Das Wichtigste in so einer Situation ist Kommunikation. Wir haben uns am Mittwoch als Team zusammengesetzt und uns dazu ausgetauscht, was die letzten Tage passiert ist und wie wir dies wahrgenommen haben. Wie wir jenen helfen können, die betroffen sind und wie wir Mitarbeitende in dieser Zeit bestmöglich unterstützen können. Wir haben gemeinsam viele Fragen klären können und blicken jetzt nach vorne. 

Laut Medienberichten gibt es interne Kritik aufgrund des grossen Investments ins Metaversum. Wie nehmen Sie die Stimmung in den Büros in der Brunau wahr?
Wir glauben fest daran, dass das Metaversum der Nachfolger des mobilen Internets ist. Natürlich ist das ein grosses Investment, aber wir sind überzeugt, dass das Potenzial genauso gross ist – egal ob für Nutzerinnen, Unternehmen, Creators oder verschiedene gesellschaftliche Sektoren, wie den Bildungs- oder den Medizinbereich. Nicht zu innovieren und nichts Neues auszuprobieren wäre keine gute Alternative. Die Stimmung in unserem Zürcher Büro ist gut, nicht zuletzt, weil hier die Zukunft mitentwickelt wird. 

Vor rund einem Jahr hat Mark Zuckerberg die Umbenennung in Meta angekündigt. Ist die Weiterentwicklung von Facebook, Instagram und WhatsApp damit in den Hintergrund gerückt?
Nein, wir investieren weiterhin in unsere «Family of Apps» mit dem Ziel, unseren Nutzerinnen und Nutzern das beste Erlebnis zu bieten sowie Unternehmen dabei zu helfen, durch unsere Plattformen Menschen zu erreichen. Unsere Virtual-Reality-Produkte, zum Beispiel unsere Quest-Brillen, bilden das Rückgrat, um den Zugang zu immersiven Erlebnissen im Metaversum zu ermöglichen. Aber die Entwicklung des Metaversums wird noch 10 bis 15 Jahre dauern. Bis dahin werden die Menschen ihre digitale Kommunikation noch hauptsächlich über 2D-Apps erleben. Deswegen konzentrieren wir uns darauf, «Brücken» von unseren aktuellen Apps auf 2D-Bildschirmen zu immersiven virtuellen Erfahrungen im Metaversum zu bauen. Egal, ob das Avatare sind, die Sie in einem unserer Dienste nutzen, oder ein Video Ihres Lieblingskomikers, das Sie sich in VR ansehen. 

Was können Nutzerinnen und Werbetreibende in Zukunft auf den drei Plattformen beziehungsweise Diensten erwarten?
Wir arbeiten laufend daran, unsere Dienste für Nutzerinnen und Nutzer sowie Werbetreibende zu verbessern. Daran wird sich auch nichts ändern. Ich persönlich freue mich zum Beispiel auf NFTs auf Instagram, die Weiterentwicklung von Reels oder auf den Roll-out von Communities auf WhatsApp. 

«Die Talente, zu denen wir in der Schweiz Zugang haben, sind Weltklasse»

Zurzeit gilt bei Meta Einstellungsstopp. Dennoch: Wie spüren Sie den in der Schweiz herrschenden Fachkräftemangel? Kriegen Sie die besten der besten Mitarbeitenden auf dem Markt?
In unserem hoch spezialisierten Feld gibt es einen globalen Fachkräftemangel. Aber die Talente, zu denen wir in der Schweiz Zugang haben, sind Weltklasse. Daher ist für uns eine nahe Verbindung zu den Hochschulen sehr wichtig. Ausserdem bin ich überzeugt: Nur wer heutzutage seine Mitarbeitende in den Mittelpunkt stellt und ihnen eine gewisse Flexibilität zusichert, wird als Unternehmen langfristig erfolgreich sein. Wir setzen daher auf hybride Lösungen, Mitarbeitende können ins Büro, müssen aber nicht. 

In Zürich arbeiten rund 200 Personen an Augmented Reality und Virtual Reality. Was sind die neuesten Meilensteine?
Unser Team in Zürich hat dazu beigetragen, dass wir vor wenigen Wochen mit der Meta Quest Pro unsere bislang modernste VR-Technologie vorstellen konnten. Sie umfasst neben innovativer Pancake-Optik, die eine klarere Darstellung von Text und 75 Prozent mehr Kontrast als unsere Meta Quest 2 bietet, ein innovatives Eye-Tracking für natürliche Gesichtsausdrücke und vollfarbige Mixed-Reality-Funktionen. 

Sie verantworten als Zentraleuropachef von Meta über 30 Länder. Wie wichtig ist die Schweiz?
Sehr wichtig, denn in der Schweiz erforschen wir Spitzentechnologien, die als Grundlage für aktuelle und künftige AR/VR-Produkte dienen. Von Mixed Reality und menschlicher Interaktion mit Maschinen konzentriert sich unser Team in Zürich darauf, neue Technologien vom frühen Konzept zur Produktebene zu bringen. Dies ist für die Entwicklung des Metaversums absolut zentral. Wir haben in Zürich auch ein eigenes Team vor Ort, das die Schweizer Werbetreibenden direkt im Markt unterstützt und gemeinsam mit ihnen innovative Lösungen erarbeitet.   

«Die aktuellen Entwicklungen bei Twitter haben keine direkten Auswirkungen auf uns»

Auch die Ukraine zählt zu Ihrem Verantwortungsbereich. Wie muss ich mir das vorstellen, wie sah die Arbeit seit Kriegsbeginn aus?
Es ist fürchterlich, was in der Ukraine passiert. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und haben schnell nach Ausbruch des Krieges ein spezielles Einsatzzentrum eingerichtet, das mit Expertinnen und Experten aus dem gesamten Unternehmen besetzt ist, darunter auch russische und ukrainische Muttersprachler, die die Plattform rund um die Uhr überwachen. Wir wollten von Anfang an sichergehen, dass wir auf Probleme in Echtzeit reagieren und die Sicherheit der Menschen auf unseren Plattformen sicherstellen können. Dazu haben wir in der Ukraine und in Russland mehrere Sicherheitsfunktionen eingeführt, wie beispielsweise die Möglichkeit, das eigene Facebook-Profil zu sperren. Und natürlich ergreifen wir umfassende Massnahmen, um die Verbreitung von Falschinformationen zu bekämpfen und für mehr Transparenz bei staatlich kontrollierten Medien zu sorgen. Wir wollen damit unserer ukrainischen Community so viele Tools wie möglich zur Verfügung stellen, um sie in ihrer Not zu unterstützen. 

Mit Twitter ist zurzeit ein anderes soziales Netzwerk gross in den Schlagzeilen aufgrund der Übernahme durch Elon Musk. Welche Auswirkungen haben die Veränderungen dort auf Meta?
Die aktuellen Entwicklungen bei Twitter verfolgen wir natürlich, sie haben aber keine direkten Auswirkungen auf uns. Wir konzentrieren uns auf die Weiterentwicklung unserer eigenen Produkte und Services.

Sie sind auf Twitter nicht sehr aktiv. Welche sozialen Netzwerke nutzen Sie und wofür?
Ich selbst bin sehr aktiv auf LinkedIn, wo ich meinen Followerinnen und Followern Einblicke in meinen persönlichen Arbeitsalltag biete und meine Sicht auf aktuelle Entwicklungen innerhalb unseres Unternehmens poste. Facebook und Instagram nutze ich dagegen vor allem privat.



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