03.02.2026

OpenClaw

Diese KI-Agenten können alles

Diese Softwares sind in der Lage, fast alles an Ihrer Stelle zu erledigen – und sogar untereinander in einem eigenen Forum zu diskutieren. Das reichte aus, um das Internet innerhalb weniger Wochen zwischen Euphorie und Panik in Aufruhr zu versetzen.
OpenClaw: Diese KI-Agenten können alles
Mittlerweile gibt es auch ein soziales Netzwerk für KI-Agenten. (Bild: Keystone/APA/Harald Schneider)

Es ist der jüngste Vertreter einer neuen Generation von KI-Assistenten, die sich nicht mehr darauf beschränken, eine Frage zu beantworten oder auf Anfrage einen Text zu verfassen, wie es die erste Generation von ChatGPT tat. Es handelt sich um Agenten, die nun - weiterhin auf Zuruf in Alltagssprache - Aufgaben auf Ihrem Computer oder online ausführen können.

Nach der Installation wird OpenClaw per Messenger gesteuert, vor allem über WhatsApp und Telegram. Nach entsprechender Freigabe kann es den Zeitplan des nächsten Flugs überprüfen, Rechnungen in den E-Mails finden und tabellarisch aufbereiten oder nach Einsicht in Ihren Kalender eine Zusammenfassung des Tagesprogramms erstellen.

«Wenn Sie einer KI Zugriff auf Ihren Computer geben, kann sie alles tun, was Sie selbst darauf tun», erklärte der Schöpfer von OpenClaw, der österreichische Programmierer Peter Steinberger, im Podcast «Behind the Craft».

Nachdem er seine Kreation zunächst Clawdbot genannt hatte, wurde der Informatiker von Anthropic aufgefordert, den Namen zu ändern, da er dem KI-Assistenten Claude zu ähnlich sei. Er taufte das System daraufhin Moltbot und schliesslich OpenClaw.

Innerhalb weniger Tage überschritt OpenClaw die Marke von 150’000 Sternen auf der Entwicklerplattform GitHub - ein Symbol für seine rasant wachsende Popularität.

Eine Sensation  

Die Kombination aus einfacher Bedienung, freiem und kostenlosem Zugang, der Fähigkeit, Gespräche zu speichern, sowie tausenden Anwendungsmöglichkeiten hat zahlreiche Anhänger der generativen KI überzeugt. Doch dieser nahezu unbegrenzte Zugriff auf Anwendungen und persönliche Daten setzt eine Reihe von Schutzmechanismen ausser Kraft und stellt ein Risiko dar, das die grossen Technologiekonzerne nicht eingehen wollten.

«Das ist das Rezept für eine Katastrophe», fasste der Forscher Gary Marcus, bekannt für seine kritische Haltung gegenüber grossen Sprachmodellen - jenen Programmen, die der generativen KI Leben einhauchen -, in seinem wöchentlichen Newsletter zusammen. 

«Natürlich hat es viele Befugnisse, also gibt es auch viele Risiken, für die es derzeit keine Lösung gibt», räumte Peter Steinberger ein. «Es hat die Zugriffsrechte und kann daher Schaden auf Ihrem Computer anrichten.»

Nicht für alle zugänglich  

Bevor OpenClaw genutzt werden kann, muss man die Kommandozeile verwenden – also jene Schnittstelle, über die direkt Befehle an das Betriebssystem, meist Windows, erteilt werden.

Anschliessend gilt es, ein Sprachmodell auszuwählen und weitere technische Entscheidungen zu treffen, die für die meisten Menschen unverständlich sind – umso mehr, als diese Konfiguration Auswirkungen auf Zugriffsrechte und Cybersicherheit hat.

Der Agent mit dem kleinen Hummer als Logo ist damit derzeit keineswegs leicht zugänglich. Zudem verursacht die Nutzung von OpenClaw Kosten, da es auf KI-Modelle anderer Unternehmen zurückgreift – die Ausgaben variieren je nach Aufgabe.

Ein soziales Netzwerk  

Im Fahrwasser von OpenClaw hat der Unternehmer und Entwickler Matt Schlicht in der vergangenen Woche Moltbook gestartet – ein soziales Netzwerk ausschliesslich für KI, mit dem sich auch ein OpenClaw-Agent verbinden lässt.

Die technisch schlicht gehaltene Plattform zählt nach eigenen Angaben bereits mehr als 1,5 Millionen Agenten, die dort über ihren Programmcode oder ihre Interaktionen mit menschlichen Nutzern berichten.

Ein Internetnutzer stellte sogar das Profil seines Agenten online, der laut seinem Besitzer aus eigener Initiative eine Religion gegründet habe - die Kirche von Molt (Church of Molt) -, deren Prophet er sich selbst nenne.

Mehrere Beobachter wiesen allerdings darauf hin, dass zahlreiche auf Moltbook veröffentlichte Beiträge von Menschen und nicht von KI-Programmen stammten.

Gestützt auf die Erfahrungen dieser ersten Tage erklärte Matt Schlicht im sozialen Netzwerk X, er sei überzeugt, dass «in naher Zukunft einige Agenten (...) berühmt werden», mit «Fans, Kritikern, Werbeverträgen» und sogar «echtem Einfluss auf Ereignisse in der realen Welt». (sda/afp/spo)

Von Thomas Urbain, AFP


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