Gemäss der Umfrage zur Internetnutzung des Bundesamts für Statistik (BFS) nutzt demnach rund die Hälfte der Menschen in der Schweiz künstliche Intelligenz (KI). Zwei von fünf Personen erstellen mit KI Texte oder Bilder, teilte das BFS am Freitag mit. Bei den 15- bis 24-Jährigen seien es gar vier von fünf Personen. Die Umfrage wurde im Frühling durchgeführt.
Am häufigsten würden die Systeme zu privaten Zwecken eingesetzt (38 Prozent), gefolgt von beruflichen (31 Prozent). An Schulen und Hochschulen werde gar eine Quote von 75 Prozent erreicht.
Für die breite Öffentlichkeit sind KI-Tools erst seit drei Jahren verfügbar. Dennoch verbreitet sich die Technologie rasant: Von jenen, die KI-Tools anwenden, nutzt die Hälfte bereits täglich einen Chatbot oder Ähnliches, 70 Prozent einmal die Woche.
Zwei Prozent haben noch nie von KI gehört
Bei der Umfrage kam auch heraus, dass die Anwendung generativer KI-Tools je nach soziodemografischem Profil stark variiert und die bestehenden Ungleichheiten bei der Nutzung digitaler Technologien durch KI noch verstärkt auftreten.
So sinkt die Anwendung mit zunehmendem Alter stark. Während 79 Prozent der Jungen mit KI-Tools arbeiten würden, seien es in der Kategorie der 55- bis 64-Jährigen nur noch 28 Prozent. Auch Menschen mit höherem Bildungsniveau würden KI überdurchschnittlich nutzen.
Männer der älteren Generation gehören im Vergleich zu den Frauen eher zu den Vielnutzern. In den Altersgruppen unter 30 Jahren gebe es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Trotz der rasanten Verbreitung ist künstliche Intelligenz noch nicht flächendeckend im Einsatz. Die Gründe, KI nicht zu nutzen, sind gemäss der Umfrage unterschiedlich: Ein Drittel der Bevölkerung sieht keinen Nutzen, je sieben Prozent haben Datenschutz- und Sicherheitsbedenken sowie gemäss eigenen Angaben mangelnde Kompetenzen und zwei Prozent gaben an, keine Kenntnisse von der Existenz solcher Tools zu haben.
123 Millionen tägliche ChatGPT-Nutzer
Künstliche Intelligenz gibt es schon länger. In aller Munde ist die neue Technologie, seit das amerikanische Softwareunternehmen OpenAI im November 2022 den Chatbot ChatGPT der Öffentlichkeit vorgestellt hat. In den letzten drei Jahren wuchsen die Zugriffszahlen auf KI-Tools rasant. Allein ChatGPT meldete in diesem Jahr rund 123 Millionen tägliche Nutzerinnen und Nutzer weltweit.
Die Basis von Chatbots bilden leistungsfähige Sprachmodelle, sogenannte Large Language Models (LLM), die mit einer Vielzahl von im Internet öffentlichen Inhalten trainiert werden. Seit 2022 haben sich die Sprachmodelle weiter verbessert. Für alle grossen Technologieunternehmen gehören KI-Tools mittlerweile zu den Schlüsselanwendungen.
Zuverlässige und korrekte Ergebnisse bei entsprechenden Anfragen liefern die Bots und Tools aber weiterhin nicht in allen Fällen. Das liegt vor allem daran, dass Antworten von LLMs auf Wahrscheinlichkeiten basieren und nicht auf Wissen. Entsprechend wird allgemein empfohlen, KI-Tools lediglich unterstützend zu nutzen und die Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.
Vermehrt problematische Inhalte
Die Umfrage bestätigte gemäss BFS auch, dass die Bevölkerung sich online vermehrt mit Desinformation, Hassbotschaften oder Betrug konfrontiert sieht. In den letzten beiden Jahren hätten die Probleme stark zugenommen. «Diese Entwicklung verdeutlicht die zunehmende Verbreitung problematischer Online-Inhalte sowie den Anstieg der Risiken und Gefahren bei der Internetnutzung», schreibt das BFS.
So würden mittlerweile über 60 Prozent der Leute betrügerische Nachrichten wie zum Beispiel Phishing-Mails erhalten. Fast identisch sei der Anteil, der online auf «falsche oder fragwürdige» Inhalte gestossen sei. 42 Prozent der Befragten sehen sich mit feindseligen oder abwertenden Botschaften konfrontiert. (sda/cbe)

